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Heilpraktikerin statt BetriebswirtinBeruflicher Neuanfang mit Ende 20

4 min

Neuanfang als Heilpraktikerin: Simone Schmidt.

Es bot sich an, dass ich nach dem Abi etwas Kaufmännisches machen würde“, erzählt Simone Schmidt. Die 39-jährige Kölnerin hatte schon in der Schule BWL als Leistungsfach und bewarb sich dann erstmal für eine klassische Industriekauffrau-Lehre bei einem Bekleidungshersteller. Danach folgte der Wechsel zur KSK Immobilien GmbH, eine Tochter der Kreissparkasse Köln. Zeitgleich studierte sie berufsbegleitend BWL. In ihrem Bereich als Assistentin für Neubau, Projektierung und Marketing entdeckte man ihr Verkaufstalent. Sie wechselte als Juniorberaterin in den Bestandsimmobilienbereich Köln und von da aus in ihr eigenes Geschäftsgebiet nach Bensberg, wo sie Immobilien bewertete und verkaufte.

Eigentlich lief alles prima. Nette Kollegen, nettes Umfeld – nur kamen leise Zweifel auf, etwa wenn sie mit Hauseigentümern in Notsituationen zu tun hatte oder sie zwischen Scheidungspartnern vermitteln musste, die ihre Immobilie veräußern mussten. „Das ist mir oft schwer gefallen“, erinnert sich Simone Schmidt. „Oft bin ich mit gemischten Gefühlen nach Hause gefahren.“

Teilzeitjob war nicht möglich

Als ihr Mann, Diplom-Kaufmann, ebenfalls aus dem Bankensektor kommend, sich selbstständig in der Versicherungsbranche macht, entscheidet sie sich für die Kündigung. „Ich wollte meinen Mann und seinen Geschäftspartner unterstützen. Außerdem war ich schwanger und wusste genau, dass ich meinen bisherigen Job nicht in Teilzeit in einem damals eher männerdominierten Umfeld so weiter ausüben kann.“

Veranstaltungen

Diskussion: Ich fang' nochmal was Neues an – aber wie?

Am Dienstag, 29. Januar, 19 Uhr, informieren der Kölner Coach und Autor Horst Conen und Personalberaterin Kirsten Rückert gemeinsam mit Fotograf Daniel Opoku und Heilpraktikerin Simone Schmidt . Die Veranstaltung findet statt im

studio dumont, Breite Straße 72, Köln

Tickets: 15/13 Euro (Abo-Card)

Moderation: Lioba Lepping

Ein Workshop am Samstag, 2. Februar, 11 - 17 Uhr zum selben Thema richtet sich an die, die schon konkrete Schritte auf dem Weg zum beruflichen Neuanfang und individuelle Strategien auf dem Weg dahin definieren möchten. Der Workshop findet statt im studio dumont,

Tickets : 98 Euro/ 93 Euro

Alle Tickets sind erhältlich im Service-Center Breite Straße 72 und unter:

Telefon 02 21 / 28 01

Das war vor elf Jahren. Doch dauerhaft mit dem eigenen Ehemann zu arbeiten war auch nicht immer einfach. „Unabhängigkeit, eigenes Geld verdienen, einen eigenen Bereich zu haben sind mir wichtig“, erzählt die Lindenthalerin. Das Aha-Erlebnis hatte sie, als sie wegen eines hartnäckigen internistischen Problems auf der Behandlungsliege landete. Der Arzt verschrieb ein starkes Medikament mit vielen Nebenwirkungen. „Ich dachte, das kann es nicht sein. Insbesondere, weil bei mir auch sofort zwei Nebenwirkungen auftraten. Durch meine eigene Recherche wurde ich auf die Naturheilkunde aufmerksam und sprach den Arzt darauf an. Dieser empfahl mir dann eine Heilpraktikerin. Schon beim ersten Termin war ich begeistert. Eine solch ausführliche Anamnese hatte ich noch nie erlebt.

Ich fand ihre Arbeitsweise so klasse, die Zeit, die sie sich nahm, die Art, den ganzen Menschen in den Blick zu nehmen. Beim Verlassen der Praxis wusste ich, das will ich auch machen. Mal abgesehen davon, dass ihre Behandlung letztendlich zur Heilung geführt hat.“Simone Schmidt sagt über sich, sie entscheide gerne Dinge aus dem Bauch heraus, auch dieses Mal war es so. „Ich habe nicht lange überlegt, ich habe es einfach gemacht“. Sie schrieb sich ein bei der Medius Rheinland, einer Heilpraktikerschule in Ehrenfeld und begann dort die dreijährige Ausbildung. Parallel startete sie die dreijährige Ausbildung zur Klassischen Homöopathin.

Es folgten weitere Fachausbildungen. „Bei den Heilpraktiker-Prüfungen fallen 80 Prozent der Teilnehmer durch, das ist wirklich nicht einfach. Nach der schriftlichen bestandenen Prüfung findet die praktische Prüfung beim Gesundheitsamt statt. Diese wird von einem Amtsarzt und zwei Heilpraktikern abgenommen. Die angehenden Heilpraktiker müssen beispielhafte Krankheitsbilder behandeln. Es wird sichergestellt, dass wir über eine fundierte Ausbildung verfügen und somit keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung oder für die aufsuchenden Patientinnen und Patienten darstellen.“

Schmidt bestand die schriftliche und praktische Prüfung auf Anhieb, sechs Wochen vor Geburt ihres zweiten Sohnes. Punktlandung. Für sie sind Schulmedizin und Naturheilkunde keine verfeindeten Schwestern, im Gegenteil. Schon während der Ausbildung zur Heilpraktikerin begann sie, in einer naturheilkundlichen Arztpraxis zu hospitieren, um Erfahrungen zu sammeln. .

Eigene Praxis

Neben der Klassischen Homöopathie hat sich Schmidt auf die Ganzheitliche Ernährungsberatung spezialisiert. Als Nächstes möchte sie sich in psychotherapeutischer Gesprächstherapie und kognitiver Verhaltenstherapie weiterbilden. „Ich stelle fest, dass viele Patienten hinter körperlichen Symptomen unverarbeitete Emotionen, mitunter auch Traumata, verbergen. Diese sind oft Ausdruck seelischer Leiden“.

Im Spätsommer hat Schmidt sich für eine eigene Praxis entschieden, die sie sich mit drei Kolleginnen teilt. An drei Tagen behandelt sie Patienten, zu denen auch viele Frauen und Kinder gehören. Darüber hinaus arbeitet sie freiberuflich als Ernährungsberaterin für Kindernöte e.V. „Immer mehr Eltern wollen nicht mehr gleich zur Antibiotika-Keule greifen.“