Wir sind in diesen Tagen sehr bescheiden geworden. An Schnee denkt inzwischen keiner mehr. Es wäre schön, wenn es der Jahreszeit gemäß doch ein bisschen kälter würde. Oder wenn es wenigstens morgens hell würde. Die Sonne lässt sich seit Wochen nicht sehen, die Menschen sehnen sich nach Licht. Diese Not macht erfinderisch.
Das "Bagels and Beans" in der Aachener City bietet - nach eigenen Aussagen - bundesweit als erstes Café in der Winterzeit einen ganz besonderen Service an. Neben Latte gibt es auch Licht: Kostenlos können Gäste sich 15 Minuten eine Lichttherapiebrille ausleihen. Und die soll die Stimmung aufhellen. "Also, ich merke nichts", sagt die junge Kundin im Café und ruckelt etwas unruhig an der hell leuchtenden Brille auf ihrer Stirn herum.
Ein wenig albern komme sie sich vor, sagt sie. Kein Wunder, mit der Lichttherapie-Brille sieht sie aus wie eine Figur aus "Star Trek".
Zurückhaltendes Echo
Die Brille wird nicht direkt vor die Augen gesetzt, sondern auf die Stirn. In das Gestell sind spezielle LED-Leuchten eingebaut. Da sich die Leuchten ganz nahe an den Augen befinden, sei eine erheblich niedrigere Lichtleistung erforderlich als bei einem klassischen Lichttherapiegerät - sagt der Hersteller.
Außerdem kann man seinen Kaffee und sein Gegenüber noch sehen, wenn die Brille nicht direkt vor den Augen sitzt. Aber bisher sind die Kunden in Aachen eher zurückhaltend mit dem Ausleihen der Brille.
So wie die junge Kundin, die sich mit der Stirn-Beleuchtung eher unwohl fühlt - und die Therapie nach wenigen Minuten abbricht. Café-Chefin Karin Gulpen nimmt die Anfangsschwierigkeiten gelassen. In den Niederlanden, wo die "Bagels und Beans"-Kette so bekannt ist wie "Starbucks", würden die Brillen gut angenommen, besonders in Großstädten wie Amsterdam und Utrecht. "Ich glaube, die Niederländer sind etwas offener", sagt Karin Gulpen. Zehn Brillen hat sie vorrätig, im Durchschnitt leiht sie 15 pro Woche aus. "Es gibt auch schon Kunden, die kommen nur deswegen." Und eine ältere Dame will in ihrem Altenheim für die Lichttherapie werben.
"Aber einmal in der Woche kommen und die Brille aufsetzen, nützt sicherlich nichts", meint sie. "Genauso wenig wie einmal im Monat Sport treiben."
Das Brillen-Angebot gilt jedenfalls noch bis zum 31. März, wenn die Uhren wieder auf Sommerzeit umgestellt werden - und es hoffentlich auch wieder ausreichend natürliches Licht gibt. (dpa)
