Im „Früh em Veedel“ ist das viel diskutierte Brauhausbrot neue Allzweckwaffe für viele Speisen. Unser Gastrokritiker hat sich durch die Karte probiert.
Henns Geschmacksache„Früh em Veedel“: Nur in der Panade gibt’s noch Röggelchen

Das „Früh em Veedel“ am Chlodwigplatz hat eine umfangreiche Speisekarte.
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Ganz unschuldig liegt es vor mir, das Brot des Anstoßes. Die Wellen schlagen gerade hoch wegen dieses Backwerks, das unter dem Namen „Halver Hahn“ zusammen mit Käse serviert wird. „Das ist jetzt mit Brauhausbrot, wissen Sie?“, fragte der Köbes sicherheitshalber bei der Bestellung, und mir wurde schlagartig bewusst: Der arme Service muss die Management-Entscheidung in den sechs Früh-Gastronomien gerade ausbaden.

Kein richtiger Halver Hahn, sondern nur noch Brot mit Käse
Copyright: Carsten Henn
Wie oft müssen sie sich wohl am Abend anhören, dass „Halver Hahn“ nur echt mit Röggelchen ist – wie es im Übrigen auch auf der Früh-Homepage steht. Und natürlich haben die Kunden recht: Wenn man bei einer Speise mit nur zwei Hauptzutaten eine austauscht, ist es nicht mehr dieselbe Speise. Man stelle sich vor, es gäbe zum Röggelchen Camembert. Das wäre dann zwar auch Röggelchen mit Käse, aber halt kein „Halver Hahn“ mehr. Es ist also ein Brot mit Käse.
Brauhausbrot überzeugt, Eintopf und Braten enttäuschen
Von Letzterem – aus eigener Reifung von Früh – gibt es zwei dicke Scheiben und er ist von richtig guter Qualität, dazu ein paar – leicht süßlich und nur sehr verhalten scharfe – Zwiebelringe, Butter sowie Senf. Und wie schmeckt es nun, das dazu gereichte und viel diskutierte Brauhausbrot?
Die zwei Scheiben sind leicht geröstet, es ist noch warm, innen luftig und außen knusprig. Ein gutes Brot, weshalb es hier die Allzweckwaffe zu vielen Speisen darstellt. Aber auch ein gutes Brot ist eben kein Röggelchen, das halt einen ganz eigenen Geschmack aufweist. So erinnert mich das alles sehr an die Szene in Loriots Film „Pappa ante portas“, bei der Heinrich Lohse eine vermeintliche Birne Helene essen soll. Sein Kommentar dazu: „Ich ess es doch, aber nicht unter falschem Namen!“

Erbseneintopf mit Brauhausbrot
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Beim Erbseneintopf kommt das Brauhausbrot ebenfalls zum Einsatz. Dieser weiß allerdings nur mit seiner wunderbar heißen Temperatur zu überzeugen. Für einen Eintopf ist er zu dünnflüssig, und er schmeckt auch dünn. Es mangelt einfach an herzhafter geschmacklicher Tiefe. Auch der Schweinebraten weiß nicht zu überzeugen, gerät er doch zu fest. Die Klöße sind Durchschnitt, die dunkle Früh-Kölsch-Sauce eindimensional, der Biergeschmack extrem verhalten – wobei Kölsch auch kein Bier ist, das in einer Sauce einen groß bleibenden Eindruck hinterlässt. Da würde ein Starkbier mehr Sinn machen.
Schnitzel mit Licht und Schatten
Ein wenig erfreulicher fällt das große und recht dunkel gebräunte Schweineschnitzel „Jäger Art“ aus. Die Sauce ist on top, was die Panierung an der Stelle durchweicht, aber sie ist gut abgeschmeckt. Von den Bratkartoffeln sind dagegen einige kalt, auch an Krossheit mangelt es, und das Fett ist deutlich zu spüren.

Schweineschnitzel „Jäger Art“ mit Bratkartoffeln
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Neben der großen Speisekarte gibt es noch eine kleinere, die Gesamt-Auswahl ist für ein Brauhaus wirklich beeindruckend. Zusätzlich wird auch noch jeden Montag Reibekuchen angeboten, jeden Dienstag Hämmchen und jeden Mittwoch gegrilltes Schweinerippchen.
Ein Gericht der Wochenkarte ist eine frische Bratwurst, mit gekonnten Röstnoten und schöner Saftigkeit. Die dunkle Sauce hätte es dazu nicht gebraucht, vor allem, weil sie belanglos schmeckt. Beim angenehm zurückhaltend gewürzten Grünkohl irritiert, dass er nicht mit Kartoffelpüree serviert wird, wie in der Speisekarte vermerkt.
Köbes ist auf Zack und freundlich
Von den drei Nachtischen ist der Apfelstrudel mit hausgemachtem Eierlikör der teuerste. Viel Zimt und viele Rosinen bestimmen seinen Geschmack, oben ist er warm, im Inneren leider nicht. Der kalte Eierlikör ist zudem sehr vom Alkohol geprägt, um nicht zu sagen, er schmeckt spritig. Abteilung: Kann man sich sparen. Aber wie in allen Brauhäusern sind die Portionen der herzhaften Speisen so groß, dass wohl nur wenige ein Dessert bestellen.

Der Apfelstrudel mit hausgemachtem Eierlikör
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Der Köbes ist auf Zack und freundlich. Er sieht sofort, als ich ihm ein Zeichen gebe, dass wir aufbrechen wollen. „So, Ihr Lieben, Ihr wollt zahlen!“ Auch bei vollem Haus hat er alles im Blick gehabt, und die Speisen schnell auf den Tisch gebracht. Das Früh „Em Veedel“ ist ein herrlich altmodisches Brauhaus, mit richtig netter Atmosphäre und wunderbar trubelig. Irgendwo bellt ein Hund aus der Handtasche, an einem Tisch wird sich lautstark begrüßt, ein anderer diskutiert unter allgemeinem Gelächter den Halven Hahn, und überall fließt stetig das lecker Kölsch.
Übrigens: Wer die Kombination Röggelchen und „Holländer“ genießen will, kann das in Form eines Veedelschnitzels. Das kommt nämlich mit einer Röggelchenpanade, und wird mit Zwiebel und Käse überbacken.
Fazit: Uriges Brauhaus mit toller Atmosphäre. Kölsch und Service überzeugen, die Speisen weniger.
Bewertung: 2 von 6
Henns Auswahl:
- „Halver Hahn“ // 7,20 Euro
- Erbseneintopf (Tasse) // 5,90 Euro
- Schweineschnitzel „Jäger Art“ mit Bratkartoffeln // 18,40 Euro
- Schweinebraten mit Kölschsoße und Kartoffelklößen // 16,10 Euro
- Frische Bratwurst an Grünkohl // 16,50 Euro
- Apfelstrudel mit Eierlikör // 11,30 Euro
„Früh em Veedel“, Chlodwigplatz 28, 50678 Köln, Tel.: 0221-3144 70, Öffnungszeiten: Mo-Do 16 bis 24 Uhr, Sa 12 bis 1 Uhr, an Feiertagen 12 bis 22 Uhr. www.fruehemveedel.de
