Im Alvhina in der Kölner Südstadt gibt's portugiesische Weine und Kuchen wie bei Vatern. Frida Linder setzt auf Slow Food.
LieblingsortSommerliche Aperitivo-Kultur in der Kölner Südstadt

Frida Linder betreibt die Kaffee- und Weinbar Alvhina in der Südstadt.
Copyright: Martina Goyert
Die Kölner Südstadt hat seit Anfang des Jahres einen gastronomischen Neuzugang, die Kaffee- und Weinbar Alvinha. Was auf den ersten, flüchtigen Blick nach einer sympathischen Idee von zwei sehr jungen Menschen aussieht, die sich den Traum vom eigenen Café verwirklicht haben, hat bei genauerer Betrachtung sehr viel Substanz.
Frida Linder hat an der renommierten italienischen Universität für Gastronomische Wissenschaften im Piemont, der Università di Scienze Gastronomiche di Pollenzo, studiert. Die Hochschule wurde von Carlo Petrini, dem Gründer der internationalen Slow Food-Bewegung, ins Leben gerufen und bietet ausschließlich Studiengänge an, die sich auf Lebensmittel und Wein beziehen. Die Slow Food-Bewegung wiederum ist international etabliert und ihr Symbol, eine rote Schnecke, gilt in gastronomischen Kreisen als absolutes Gütesiegel. Im Kern geht es um die Erhaltung und den Schutz regionaler Küche, regionaler Produkte und deren Erzeugern.

Gegrilltes Käsesandwich mit portugiesischem Oregano und Piripiri
Copyright: Martina Goyert
Frida Linder lernte im schönen Piemont nicht nur viel über Genuss, Herkunft und Handwerk, sondern verliebte sich auch in die italienische Aperitivo-Kultur. Hier entstand der Traum von der eigenen Weinbar. Nach dem ersten Studium folgte ein weiteres in den Niederlanden. Der Schwerpunkt: nachhaltige Lebensmittelproduktion und nachhaltiger Konsum. Der Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen, blieb. Eigentlich war sogar schon ein ganz anderes Projekt geplant. Gemeinsam mit ihrem Partner Christoph Trimborn wollte sie handwerklich produzierte Weine aus Portugal nach Deutschland importieren.
Während hierzulande meist Vinho Verde oder Portwein als Synonyme für portugiesischen Wein gelten, hat sich das Paar hat sich in den vergangenen Jahren diese spannende Weinregion erschlossen und zahlreiche Kontakte mit kleinen Weingütern, deren Weine außerhalb Portugals kaum jemand kennt, geknüpft. Mehr als 250 autochthone Rebsorten wachsen zwischen Minho und Algarve. Im Alentejo wird die Tradition der Weinherstellung in großen Tonamphoren noch heute weitergeführt – eine jahrtausendealte Methode, die sonst vor allem aus Georgien bekannt ist. So entstand die Idee, diese Weine nach Deutschland zu bringen. Als dann zufällig das Ladenlokal in der Südstadt einen Nachfolger suchte, wurde der Traum von der eigenen Weinbar konkret.

Der Außenbereich des Alvinha
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Der Tag im Alvinha beginnt mit Kaffeespezialitäten von der Ehrenfelder Rösterei zwoo, ein paar Frühstück-Snacks und hausgebackenen Kuchen. Für Letzteres ist übrigens Fridas Vater Manfred verantwortlich. Ab dem Nachmittag übernimmt dann der Wein die Verantwortlichen. Die offene Auswahl wechselte ständig, weshalb man vergeblich nach einer gedruckten Weinkarte sucht. Stattdessen stehen die Flaschen auf der Theke und werden persönlich empfohlen. Viele der Flaschen stammen von kleinen Betrieben und sind derzeit ausschließlich bei Alvinha erhältlich. Wer sich auch einmal durch Portugals Weinlandschaft trinkt, muss dafür nicht nach Lissabon fliegen möchte. Selbstverständlich gibt es auch Aperitivo-Klassiker wie Wermut-Tonic oder Negroni Sbagliato und auch alkoholfreie Getränke.

Impression von innen
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Die Snack-Auswahl verfolgt dieselbe Philosophie wie die Getränke. Wenige Gerichte, sorgfältige Umsetzung, Wow-Effekt. Das Grilled Cheese Sandwich ist mein absoluter Favorit. Außen knusprig, innen herrlich würziger, geschmolzener Käse und der absolute Knaller ist der portugiesische Oregano oben drauf. Diese kleinen, unscheinbaren Blättchen sind dermaßen aromatisch. Manchmal ist es genau diese Zutat, die aus einem überbackenen Käsebrot eine kleine Sensation werden lässt. Ähnliches gilt für die dicken Bohnen mit Olivenöl, Zitronensaft, Zitronenzeste und Fleur de Sel.
Der frische Zitrus-Abrieb und das grobe Salz sind genau dieser kleine Twist. Mehr braucht es manchmal nicht. Im Alvinha werden konsequent regionale und handwerkliche Produzenten eingebunden. Das Brot kommt aus Lindenthal, der Honig aus der Südstadt, die Milch aus Erftstadt. Nachhaltigkeit wird hier nicht als Marketingbegriff verstanden, sondern als logische Konsequenz der eigenen Überzeugungen. Und das Projekt wächst bereits weiter. Seit Juli gehört auch das Ladenlokal nebenan dazu. Dort entstehen ein Weinladen und ein Raum für Verkostungen, Lesungen und kleine Feiern. Die Weinbar selbst soll trotzdem genau das bleiben, was sie heute schon ist: ein Ort für spontane Besuche. Ohne Reservierung, ohne Menüzwang und ohne das Gefühl, möglichst schnell wieder Platz machen zu müssen.
alvinha Wein- & Kaffeebar, Kurfürstenstraße 1, 50678 Köln , Öffnungszeiten: Di-Do 11-22 Uhr, Fr+Sa 11-23 Uhr, https://alvinha.de
Meine Auswahl:
Gegrilltes Käsesandwich mit portugiesischem Oregano und Piripiri // 7,50 Euro
Dicke Bohnen mit Olivenöl, Zitrone und Fleur de Sel // 5,50 Euro
Lupinen // 4 Euro
Summer Special: Wassermelone-Feta // 6 Euro
Wermut Tonic // 8 Euro