Die Südstadt hat ein neues Café in einem alteingesessenen Ladenlokal. In der ehemaligen Apotheke gibt’s jetzt Matcha und Schokoladen-Miso-Brownie. Wie das schmeckt, hat Julia Floß für uns erkundet.
LieblingsortWarum das „Underdog Espresso“ in der Kölner Südstadt mehr ist als ein langweiliges Hipster-Café

Das Team von „Underdog Espresso“ hat in einem lichtdurchfluteten Ladenlokal ein besonders schönes Café geschaffen.
Copyright: Arton Krasniqi
Die Geschichte vom Underdog geht so: Nico Chapman, ein junger Mann aus England, kann sehr gut Karate. So gut, dass er ins UK-Nationalteam aufgenommen wird. Um sich ein bisschen was dazu zu verdienen, arbeitet er schon früh in der Gastro. Er wischt Tische, bedient Spülmaschinen, macht Kaffee. Irgendwann schickt ihn sein Karateverein zwecks Sponsoring für ein Jahr nach Australien. Auch hier arbeitet er wieder in Cafés, um die Kasse aufzubessern. Er erhält den Spitznamen Underdog.
Egal ob bei seinen Kolleg*innen oder seinen Teamkameraden, als Engländer ist er immer ein bisschen Außenseiter. Alleine schon durch seinen Dialekt. Doch dann trifft der Brite in Down-under ausgerechnet eine Kölnerin. Die beiden verlieben sich, gründen eine Familie und ziehen ins 15.000 Kilometer entfernte Köln.
Von Australien nach Köln der Liebe wegen
Nico Chapman hat sich mit seinem Kaffee-Mobil für Veranstaltungen im Kölner Raum schon einen gewissen Namen gemacht, aber es wurde Zeit für etwas Festes. Ein passendes Ladenlokal zu finden, ist mit der Suche nach dem Lebensgefährten durchaus zu vergleichen. Das Angebot ist unübersichtlich, die Auswahl extrem frustrierend und der Faktor Zufall spielt eine erhebliche Rolle.

Apothekerschrank wurde zur Theke: Nico Chapman hat den schönen Raum saniert, das ikonische Möbel aber erhalten.
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Unser Underdog lernt ganz zufällig Anna kennen, die Frau, die seit 20 Jahren das „Mi Tienda“ führt. Eine Mischung aus spanischem Café und Tante-Emma-Laden. Man konnte nie so ganz unterscheiden, was Deko und was Auslage ist. Die ehemalige Apotheke bot reichlich Stauraum für spanische Konserven, Kaffeepäckchen, Keksdosen und Nippes.
Im Sommer wird man sich um die Plätze auf der Terrasse streiten
Schon früher war von außen zu erkennen, welcher Immobilien-geworden Schatz hier schlummert: Riesige, in Messing gefasste Fenster, der Eingangsbereich mit den ikonischen Mosaikfliesen und der Säule.

Hübsche Ecke zum draußen sitzen in der Südstadt
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Nico und sein Team haben das Lokal kernsaniert und einen wirklich wahnsinnig schönen Ort geschaffen. Das Café ist lichtdurchflutet, hell und offen. Der Apothekerschrank wurde zur Theke und zum Badezimmermöbel umfunktioniert. Der Laden hat ein Farbkonzept bekommen und ich bin mir relativ sicher, dass man sich im Sommer um die Plätze auf der Terrasse streiten wird.
Der Küchenchef back fantastische Schokoladenbrownies mit einer Prise Miso
Meine anfängliche Skepsis gegenüber dem Underdog Espresso wurde mit dem ersten Besuch weggewischt. Ich dachte: „Bitte nicht noch ein seelenloses Hipster-Café mit dem immer gleichen belanglosen Angebot: Matcha mit klebriger Frucht-Komponente und trockenen Protein-Cookies.“ Stellt sich raus: Hier wird alles in house hergestellt. Küchenchef James kocht nicht nur die Fruchtsaucen für die Getränke, er backt fantastische Schokoladenbrownies mit einer Prise Miso, saftig-süße Hefeschnecken, er schmiert üppige Sandwiches.

Ein Plus: üppig belegte Sanwiches
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Alles, was im Underdog Espresso über die Theke geht, ist selbst gemacht - Bis auf die Croissants. Die Erklärung von Nico dazu: „Wir sind keine Franzosen. Wir sind Engländer.“ Soweit, so selbstreflektiert. Was die Briten umso besser können, ist Millionaire's Shortbread. Ein buttrig-mürber Keks mit Karamellschicht und Schokolade. Ich persönlich finde die Portionsgröße perfekt, weil es eben ein schmaler, sehr mächtiger Riegel ist. Ähnliches gilt für den Brownie.

Außer den Croissants ist Backwerk im Underdog selbstgemacht.
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Der Classic Cheesecake ist möglicherweise ein Tribut an den deutschen Käsekuchen. Sowohl die Säure als auch die Konsistenz lassen auf Quark schließen. Die Haferflocken im Kuchenboden und die amtliche Vanillenote passen hervorragend dazu. Natürlich dürfen Karottenkuchen und Bananenbrot auch hier nicht fehlen.
„Bun of the day“ ist ein Highlight
Bedeutend interessanter ist für mich allerdings der „Bun of the day“. Ein Bun kann ein Brötchen, eine Hefeschnecke oder ein Focaccia-artiger Taler sein. Bei meinem letzten Besuch gab es eine fantastische Version mit Pilzen, Bergkäse und Thymian. Ich bin sehr gespannt, was beim nächsten Mal auf der Tafel steht.
Aperitif und „ein bisschen Wein“ sind in Planung. Aber wie wir ja alle wissen, die Genehmigung einer Alkoholausschanklizenz kann in Köln schon mal ein paar Jahre dauern. Bis dahin gibt’s Kaffee.
Underdog Espresso, Lothringer Str. 2a, 50677 Köln, Öffnungszeiten: Di–Fr 8–18 Uhr, Sa + So 9-18 Uhr, www.underdogespresso.com
Meine Auswahl:
Millionaire's Shortbread // 3,20 Euro
Brownie // Schokoladenbrownie mit Buchweizen und Miso // 3,20 Euro
Classic Cheesecake // 4,20 Euro
Sandwich mit mittelaltem Gouda, Maasdamer, Zwiebelmarmelade, Kohlrabi und Butter // 6,80 Euro
Greek Yogurt // Hausgemachtes Mandel-Tahini-Granola mit Olivenöl, dazu Kirsch-Apfelkompott // 7,80 Euro
