Abo

Rundschau PLUS abonnieren

Abo-Angebote

Artikel teilen

Schriftgröße ändern

Artikel zur Merkliste hinzugefügt

Rückgangig

Artikel von der Merkliste entfernt

Sie folgen nun

Rückgangig

Sie folgen

Wissenschaft Argumente von Skeptikern des Klimawandels im Faktencheck

Qualm

Durch menschlichen Einfluss wird weniger CO2 ausgestoßen als durch Vulkane, behaupten Klima-Skeptiker – stimmt aber nicht. Der CO2-Ausstoß durch den Menschen ist rund 50 Mal höher.

Der Mensch ist ein seltsames Wesen. Normalerweise findet er es prima, wenn Fachleute ihre Arbeit tun. Er steigt in Autos, Flugzeuge und ICEs, er schluckt Pillen, lässt sich operieren. Wenn er Schmerzen im Brustkorb verspürt, weiß er, dass er den Internisten oder Kardiologen darüber befragen sollte, nicht den Soziologen oder den Historiker. Aber jetzt wird es mysteriös: Auch für das Weltklima gibt es eine passende Wissenschaft, aber viele Menschen weigern sich, ihr zuzuhören. Stattdessen glauben sie bereitwillig diversen "Argumenten" und "Fakten", die sagen, dass alle Klima-Experten "Unrecht hätten".

Diese "Klima-Skeptiker" haben ganz verschiedene Motive, sagt der Frankfurter Klimatologe Professor Christian-Dietrich Schönwiese. Meistens seien es sehr ego-zentrierte: "Einige sehen durch die geforderten Klimaschutzmaßnahmen die Wirtschaft gefährdet, andere fürchten um ihren Lebensstandard, wieder andere möchten eines unserer Weltprobleme gerne loswerden." Dann gebe es noch die Gruppe, die aus knallharten eigenen wirtschaftlichen Interessen Unsicherheit schürt; "und nicht wenige wollen sich nur wichtig machen". Dabei sei es, wissenschaftlich gesehen, eine "unbezweifelbare Grundtatsache: Wenn wir die Zusammensetzung der Erdatmosphäre durch die Anreicherung von Treibhausgasen ändern, muss das aus prinzipiellen physikalischen Gründen zu Klimaänderungen führen."

Hier folgen einige oft vorgetragenen "Argumente" der Klimaskeptiker und der wissenschaftliche Faktencheck dazu.

Behauptung: Klimawandel hat es schon immer gegeben. Das liegt einfach an natürlichen Faktoren.

Faktencheck: Dass es "natürlichen" Klimawandel auch früher gab, trifft zu. Aber beim derzeitigen Klimawandel zeigt schon das Tempo, dass er kein "natürlicher" ist. Zu Beginn der aktuellen Erd-"Warmzeit" (sie dauert seit rund 12 000 Jahren an) stieg die Temperatur um rund fünf Grad binnen 5000 Jahren, also um etwa 0,1 Grad pro 100 Jahre. Mittlerweile steigt die globale Mitteltemperatur seit Jahrzehnten um rund 0,2 Grad pro zehn Jahre - 20 Mal schneller als bei einem "natürlichen" Klimawandel. Das "Argument" der Skeptiker ist so ähnlich, als sagte man, dass Menschen heutzutage keine Waldbrände auslösen können, weil die früher auch von alleine entstanden sind.

Behauptung: Die Meteorologen können nicht einmal das Wetter für die nächsten Wochen vorhersagen. Also sind Klimaprognosen für kommende Jahrzehnte unseriös.

Faktencheck: Hier werden Äpfel und Birnen verglichen. "Wetter" und "Klima" sind nicht dasselbe. "Wetter" ist das aktuelle Geschehen - ein chaotisches System, das zahllosen Faktoren folgt und sich deshalb nicht punktgenau vorhersagen lässt. "Klima" hingegen ist der Langzeit-Durchschnitt aller Wetterlagen - und der lässt sich mit heutigen Supercomputern durchaus simulieren. Es ist ähnlich wie in der Medizinstatistik: Ob ein einzelner Mensch eine bestimmte Krankheit bekommt, lässt sich nicht vorhersagen - wieviel Prozent einer Bevölkerungsgruppe erkranken werden, sehr wohl.

Die ersten Klimamodelle in den 1960er Jahren waren noch sehr simpel; sie simulierten nur die Atmosphäre. Aber schon sie rechneten aus, dass eine Verdoppelung des CO2-Gehalts in der Atmosphäre einen Temperaturanstieg um etwa zwei Grad Celsius ergäbe. Inzwischen lässt sich das durch Messungen nachprüfen: Der Mensch hat die CO2-Konzentration der Atmosphäre (verglichen mit dem Niveau vor Beginn der industriellen Revolution) um rund 50 Prozent erhöht - und die Erde hat sich um knapp ein Grad Celsius erwärmt. Passt. Die modernen Rechenmodelle von heute sind noch viel genauer; sie beziehen auch die Ozeane ein. Das Vertrauen in die Modelle ist gestiegen, weil man sie am (experimentell messbaren) Auf und Ab des Klimas in vergangenen Erdepochen nachprüfen kann. Nur ein Unsicherheitsfaktor ist geblieben: die Simulation der Wolken in einer wärmeren Welt.

Behauptung: Vulkane und Meere stoßen viel mehr CO2 aus als die Menschheit.

Faktencheck: Stimmt nicht. Der CO2-Ausstoß durch den Menschen ist rund 50 Mal höher als der Jahresdurchschnitt des Ausstoßes aus Vulkanen. Die Ozeane hingegen nehmen sogar CO2 auf - bislang rund 30 Prozent der vom Menschen emittierten Menge. Ergebnis: Ihr Wasser wird immer saurer, die Umwelt leidet.

Behauptung: Nicht das CO2, sondern Wasserdampf ist das wichtigste Treibhausgas.

Faktencheck: Das stimmt zwar - aber der Mensch kann den Wasserdampfgehalt der Lufthülle nicht direkt beeinflussen. Auf dem Umweg über das CO2 schon. Weniger CO2 gleich weniger Wärme. Weniger Wärme gleich weniger Verdunstung - also weniger Wasserdampf.