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Rhythm of the DanceGeschichte des irischen Tanzes im Euskirchener Stadttheater erlebbar gemacht

3 min
In blaues Bühnenlicht getaucht tanzen Mitglieder des Ensembles.

Nicht nur die Solotänzer der Gruppe Rhythm of the Dance, Curtis Long und Jessica Cartwright, überzeugten mit ihren Fähigkeiten. Das ganze Ensemble wirkte durchweg professionell und sehr harmonisch.

Die Zuschauer im Euskirchener Stadttheater durften erfahren, wie man in Irland lebt, liebt und tanzt.

Die meisten Deutschen werden vielleicht noch nie in Irland gewesen sein. Doch wer den Abend mit Rhythm of the Dance im Stadttheater Euskirchen erlebt hat, dürfte diese Lücke in seiner Biografie nun als bedauerlich empfinden.

Denn eines gelang der Tanzshow auf eindrucksvolle Weise: Sie zeichnete das Bild einer romantisierten irischen Volksseele – einer heilen Welt fernab jener Zweifel, die beim Gedanken an die jahrhundertelangen Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken aufkommen könnten. Die Aufführung machte spürbar, dass jenseits der politischen Spannungen in Irland vor allem eines zählt: leben, lieben, tanzen – das Leben feiern. Am Ende sind auch die Iren nichts anderes als das: Menschen. Mit all ihrer Widersprüchlichkeit.

Das Bühnenbild zeigte den Innenraum einer irischen Bauernkate

Die Leistungen des Ensembles waren in jeder Hinsicht beeindruckend. Schon das Bühnenbild versetzte die Zuschauer mitten in die Geschichte Irlands. Es zeigte den Innenraum einer einfachen Bauernkate: An den Wänden hingen Fotografien aus der Zeit um 1900, in der Mitte ein großes, viergeteiltes Fenster als Projektionsfläche. Die Videobilder darin zeigten Szenen aus Alltag und Festen – als blicke man aus dem Haus direkt hinein ins irische Leben.

In der Begleitbroschüre und auf der Homepage erklären die Veranstalter was sie mit dem Konzept der Show erreichen wollen: die Geschichte des irischen Tanzes und seine Vielfalt erlebbar zu machen. Erste Spuren reichen bis in die keltische Zeit zurück, als Druiden rituelle Tänze zur Verehrung ihrer Götter entwickelten. Im Mittelalter entstanden feste Tanztraditionen: Wandernde Tanzmeister unterrichteten von Ort zu Ort, Wettbewerbe wurden ins Leben gerufen. Selbst Königin Elisabeth I. ließ irische Gruppen an ihrem Hof auftreten. Die wechselnden, teils historischen Kostüme der Show griffen diese Entwicklung anschaulich auf.

Jessica Cartwright, in einem weißen Kleid, führte die Gruppe der Tänzerinnen an.

JJessica Cartwright (in Weiß) führte am Abend im Euskirchener Stadttheater die Gruppe der Tänzerinnen an.

Die geschichtlichen Hintergründe wurden nur angerissen – und fanden ihren künstlerischen Ausdruck darin, dass die Gruppe traditionelle Instrumente und Tanzformen mit modernen Elementen verband. Rhythm of the Dance präsentierte keine Playbacks, sondern feinste Livemusik. Jeder Musiker erhielt Raum für Soli: Ob Fiddle, Pipes oder die Rahmentrommel Bodhrán – alle überzeugten mit beeindruckender Virtuosität.

Wie ein einziges Schlaginstrument eine ganze Orchesterwirkung entfalten kann, sorgte für Staunen und begeisterten Applaus. So wurde deutlich, welch große Kunst in dieser Musiktradition steckt. Natürlich durften auch die typischen Stepptänze nicht fehlen. Kaum konnte das Auge den rasanten Bewegungen der Füße folgen – Rhythmus pur, erzeugt mit einfachsten Mitteln.

Herausragende Präzision und Leidenschaft waren zu sehen

Choreograf James Greenan ist eine meisterhafte Inszenierung gelungen. Kein Moment wirkte wiederholend, die Bühne blieb ständig in Bewegung und war immer aufs Neue ein Ort des Staunens. Sowohl das Solopaar Curtis Long und Jessica Cartwright als auch das gesamte Ensemble zeigten herausragende Präzision und Leidenschaft. Sie vermittelten dem Publikum ein harmonisches Miteinander und bewiesen, dass sich der irische Tanz in die Moderne fortführen lässt, ohne seinen Charme zu verlieren. Das klassische starre Halten der Arme fand ebenso seinen Platz wie dynamisch-weite Körperbewegungen.

Die irische Tanztradition begeistert bis heute – und diese Begeisterung sprang auch in Euskirchen über. Obwohl viele Stücke zum Mitklatschen einluden und das Publikum dort üblicherweise nicht zögert, war die Faszination für die Tänze so groß, dass mancher schlicht vergaß, sich zu beteiligen.

Während andere irische Ensembles wie Lord of the Dance vor allem durch Größe und Spektakel beeindrucken, überzeugte Rhythm of the Dance durch seine volkstümliche Authentizität. Wer Irland bislang kaum Beachtung geschenkt hat, könnte nach diesem Abend versucht sein, selbst die Insel zu besuchen. Eines jedenfalls blieb: ein durchweg sympathisches Bild dieses Landes und seiner Menschen.