Der Posten des Kaller Bürgermeisters ist für Emmanuel Kunz anstrengend, aber auch sehr abwechslungsreich. Seit 100 Tagen ist er nun im Amt.
Viel GestaltungsspielraumEmmanuel Kunz ist seit 100 Tagen Kaller Bürgermeister

Im Kaller Rathaus ist Emmanuel Kunz seit gut 100 Tagen neuer Verwaltungschef.
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Bürgermeister sein ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Das hat Emmanuel Kunz nach seinem Amtsantritt als Kaller Verwaltungschef schnell festgestellt. „Ich habe seitdem 60-Stunden-Wochen und kein freies Wochenende. Im ersten halben Jahr ist auch kein Urlaubstag geplant“, erzählt der 34-Jährige, der mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter in Golbach lebt. Vor gut 100 Tagen hat er sein neues Amt angetreten.
Aber zum Glück gibt es auch eine andere Seite der Medaille. Die neue Aufgabe, so betont Kunz, sei sehr interessant und mache ihm deshalb auch viel Spaß. Auch wenn er an einem Samstag einmal zehn Termine gehabt habe. „Ich bin die neue Aufgabe mit viel Demut und Respekt angegangen und war mir bewusst, dass ich eine verantwortungsvolle Position übernommen habe“, so der Golbacher. Durch seine langjährige politische Arbeit für die SPD Kall sei er in den wesentlichen Themen drin gewesen: „Das hat mir den Start erleichtert.“ Von den Verwaltungsmitarbeitern sei er gut aufgenommen worden.
Ich bin ein Gestalter und kein Verwalter.
Er wolle einen neuen Stil in der Zusammenarbeit von Verwaltung, Rat und Bürger prägen: „Ich bin ein Gestalter und kein Verwalter.“ Politik lebe vom direkten Austausch und werde nicht vom Schreibtisch aus gemacht. Deshalb sei er seit seinem Amtsantritt nicht nur viel im Haus unterwegs gewesen, sondern habe auch alle gemeindeeigenen Kindertagesstätten und Schulen sowie den Bauhof besucht.
„Information schafft Akzeptanz“, ist sich Kunz sicher. Das gelte auch für unangenehme Themen wie beispielsweise die Anhebung der Grundsteuer. Man dürfe sich auch nicht vor unangenehmen Entscheidungen wegducken. Auch deshalb habe er die Bürgersprechstunde wieder eingeführt, die sehr gut angenommen werde. Anfang März sei eine Informationsveranstaltung zum Wiederaufbau geplant. Zudem soll es im Sommer Ortsrundgänge geben: „Ich möchte vor Ort mit den Leuten ins Gespräch kommen.“ Die Ziele der Rundgänge sollen Jahr für Jahr wechseln.
Darüber hinaus will der neue Kaller Bürgermeister die Wirtschaft stärker einbinden. Kall sei ein starker Wirtschaftsstandort. Die Unternehmen hätten den Ort ein stückweit groß gemacht. „Bei einem Unternehmerfrühstück gab es einen ersten Austausch. Eine Idee, die dabei angesprochen wurde, war beispielsweise eine stärkere Nutzung des Bahnhofsvorplatzes, etwa für eine lockere Veranstaltungsreihe.“ Die starke Wirtschaft werde auch künftig für Gestaltungsspielräume sorgen.
Täglich müssen viele Entscheidungen getroffen werden
Familienfreundlichkeit hat sich der neue Verwaltungschef ebenfalls auf die Fahne geschrieben. „Der Schwimmcontainer, der an der Kaller Grundschule steht, wird sehr gut angenommen“, freut sich der Bürgermeister. Das Feedback von den Eltern sei sehr positiv. Doch auch für ältere Menschen gebe es nur wenige Angebote. Für diese Bevölkerungsgruppe müsse mehr getan werden. Auch Erneuerbare Energien seien eine wichtige Angelegenheit: „Wir arbeiten gerade an einem Modell, um die Orte in der Nachbarschaft von Anlagen an den Einnahmen zu beteiligen.“
Er sei Chef von rund 230 Mitarbeitern und müsse täglich ganz viele Entscheidungen treffen: „Es ist eine sehr spannende Aufgabe mit einem großen Gestaltungsspielraum.“ Das Spektrum der Themen reiche von Planen und Bauen über Kindergärten bis hin zu Finanzen und Hochwasserschutz.
Kommunen sind aktuell in einer schwierigen Situation
Die Bandbreite von Entscheidungen, die täglich getroffen werden müssten, habe ihn überrascht: „Ein Termin jagt den anderen. Die Intensität ist hoch.“ Zum Glück sei er ein entscheidungsfreudiger Mensch. Ein Stück weit sei er aber schon in seiner neuen Funktion angekommen: „Manches fühlt sich schon wie Routine an.“
Die Kommunen seien aktuell in einer schwierigen Situation: „Sie haben nicht genug Geld für ihre zahlreichen Aufgaben.“ Die Gemeinde Kall habe aber unheimlich viel Potenzial, auch in den kleineren Orten mit ihren aktiven Dorfgemeinschaften.
Seine Motivation beschreibt Kunz folgendermaßen: „In elf Jahren als Politiker habe ich Sachen beschließen, aber nicht umsetzen können. Das ist jetzt anders.“ Als Bürgermeister könne er im Team etwas gestalten: „Und das in der Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin.“ Als Bürgermeister fühle er sich nur dem Bürger und keiner Partei verpflichtet.
Wichtig sei ihm ein gutes Zusammenspiel von Verwaltung und Politik. Das politische Klima im neuen Gemeinderat sei gut, viele Entscheidungen in jüngster Zeit seien einstimmig getroffen worden. „Ich versuche, die Fraktionen frühzeitig mit ins Boot zu holen.“ Auch mit den Ortsvorstehern sei er in einem engen Austausch.

