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„Das ist respektlos“Gastgewerbe-Beschäftigte fordern mehr Geld und mehr Planbarkeit

4 min
Marc Kissinger, Geschäftsführer Gewerkschaft NGG Köln und Isabell Mura, Verhandlungsführerin Tarifvertrag Hotel- und Gaststättengewerbe vor dem DGB- Haus.

Marc Kissinger, Geschäftsführer der NGG Köln, bei der Demo auf dem Kölner Rudolfplatz am Montag.

Junge Beschäftigte aus Gastronomie und Hotellerie  unterstützen bei einer Kundgebung die Forderungen der Gewerkschaft NGG.

Es wird laut an diesem Montagvormittag auf dem Rudolfplatz. Trillerpfeifen ertönen regelmäßig, Klatschhände aus Kunststoff ebenso, immer wieder gibt es Zwischenapplaus. Viele junge Menschen sind zum Wochenstart dem Aufruf der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gefolgt und sitzen jetzt hier auf Holzbänken. Sie wollen zeigen: Wir unterstützen die Forderungen der Gewerkschaft. Die will den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen für das Gastgewerbe erhöhen: Geht es nach der NGG, sollen alle Beschäftigten und Auszubildenden sechs Prozent mehr Lohn erhalten und Azubis darüber hinaus eine Mobilitätspauschale, die dem Preis des Deutschlandtickets entspricht. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags solle zwölf Monate betragen.

Die Bänke auf dem Rudolfplatz waren gut gefüllt mit jungen Menschen.

Die Bänke auf dem Rudolfplatz waren gut gefüllt mit jungen Menschen.

Auch die Belastungen am Arbeitsplatz sind Thema der Kundgebung. Obwohl in der Gastronomie eine gesetzliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden pro Tag festgelegt sei, höre er von vielen Beschäftigten, dass sie immer wieder überschritten werde, sagte Marc Kissinger, Geschäftsführer der NGG Köln. Kissinger macht die Probe und fragt in die Runde, wem das schon passiert sei – die Antwort sind viele Hände, die in die Luft gehen. In der Stadt sind laut Kissinger im Gastgewerbe rund 32.000 Menschen tätig, jeweils zur Hälfte Angestellte und Minijobber. In ganz NRW sind es annähernd 430.000.

„Das ist respektlos“

Auch Elin-Emilia Behrens (18), Idoya Dietz (20) und Emily Heller (19) sind zum Rudolfplatz gekommen. Sie alle machen eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und sind im dritten Lehrjahr. „Die Arbeit ist anstrengend, die Zeiten sind undankbar, und wir wünschen uns einfach eine fairere Bezahlung“, sagt Behrens. „Das ist respektlos so.“ 

Während Behrens noch zu Hause wohnt, lebt Dietz in einer Dreier-WG. Im dritten Lehrjahr bleiben nach Abzügen rund 1000 Euro – wenn dann Miete, Bahnkarte und Lebensmittel runter sind, ist nicht viel Geld übrig. Das bestätigt auch Emily Heller. „Ich bin erst vor Kurzem ausgezogen, näher an die Arbeit, weil ich so oft zu spät kam, wenn die Bahn nicht gekommen ist. Ich würde gern mal in Urlaub, aber das ist schwierig. Das Leben ist wahnsinnig teuer.“

Elin-Emilia Behrens, Idoya Dietz und Emily Heller (v.li.) machen eine Ausbildung zur Hotelfachfrau.

Elin-Emilia Behrens, Idoya Dietz und Emily Heller (v.li.) machen eine Ausbildung zur Hotelfachfrau.

Gewerkschafter kritisiert mangelnde Dokumentation und Planbarkeit

Häufig werde von Beschäftigten erwartet, dass sie über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus bleiben, sagte Kissinger. Eigentlich wäre dann ein Mehrarbeitszuschlag von 30 Prozent fällig, „aber den sehe ich extrem selten auf Abrechnungen“. Oft würden die Extra-Stunden „nicht wirklich oder falsch dokumentiert“. Daher sei es schwierig, den Betroffenen, die sich in solchen Fällen an die Gewerkschaft wenden, zu ihrem Recht zu verhelfen.

Als weiteres Problem nannte der Geschäftsführer die mangelnde Planbarkeit für die Beschäftigten, weil der Standard, dass spätestens am Donnerstag die Dienstpläne für die Folgewoche stehen sollen, vielfach unterlaufen werde. Zum „Immunsystem für gute Arbeit“ gehörten, so der Gewerkschafter, Betriebsräte, Tarifverträge „mit klaren Regeln für die ganze Branche“ und Kontrollbehörden.

Branchentarifvertrag ist Ende Mai dieses Jahres ausgelaufen

Deshalb sollten gastronomische Unternehmen verpflichtet sein, ihre Beschäftigten über die Bildung von Betriebsräten zu informieren, im Arbeitgeberverband Dehoga NRW dürfe es keine Mitglieder ohne Bindung an den Tarifvertrag geben, und es brauche mehr Personal für Kontrollen.

07.09.2026 Köln. Kundgebung der NGG (Gewerkschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe) auf dem Rudolfplatz. Foto: Alexander Schwaiger

Trillerpfeifen, Fahnen, Klatschhände – die Demo-Accessoires an diesem Montagvormittag.

Verhandlungsführerin Isabell Mura vom NGG-Landesverband NRW warf der Arbeitgeberseite vor, auf Zeit zu spielen. Der alte Branchentarifvertrag ist Ende Mai dieses Jahres ausgelaufen. Dass der Arbeitgeberverband beim ersten Verhandlungstermin Mitte Juni die Forderungen der NGG abgelehnt habe, ohne einen Gegenvorschlag zu unterbreiten, „hat uns wütend gemacht“, sagte Mura.

Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie wurde gesenkt

Mitte Juli, bei der zweiten Runde, habe der Dehoga 1,3 Prozent mehr Lohn für ungelernte Kräfte sowie 1,9 Prozent für Fach- und Führungskräfte angeboten. Wegen der Inflation, die im Juli 2,8 und im August 2,9 Prozent betrug, sei das Angebot unannehmbar.

Die NGG begründet ihre Forderung auch damit, dass Anfang dieses Jahres die Mehrwertsteuer auf alle Speisen in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent gesenkt worden ist. Die Hälfte der Mehreinnahmen daraus sollte den Beschäftigten zugutekommen, sagte die NGG-Vorständin. Am 11. September sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden.

Bei der Kundgebung in Köln sprachen unter anderem Isabell Mura, der Kölner DGB-Chef Witich Roßmann, Mark Baumeister, NGG-Referatsleiter Gastgewerbe, und Beschäftigte der Branche.