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12-Jähriger ertrunkenViele Schaulustige, wenige Helfer

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Fragwürdige Freizeitbeschäftigung: Schaulustige beobachten die Rettungsteams bei der Arbeit.

Köln – Am späten Sonntagabend war auch die letzte Hoffnung vergebens. Mehrere Stunden hatten die Ärzte der Uniklinik noch versucht, das Leben des im Rhein untergegangenen Jungen (12) zu retten, doch dessen Verletzungen erwiesen sich als zu schwerwiegend. Zwei Stunden hatte er am Sonntagnachmittag unter Wasser gelegen, bevor ihn ein Taucher gegen 19.45 Uhr entdeckte und an Land brachte.

Routinemäßig hat die Polizei nun ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Die Eltern des ertrunkenen Jungen wurden am Montag von Ermittlern vernommen, auch der Onkel wurde befragt. Denn er war mit seinen beiden Neffen zum Schwimmen an die Groov gefahren. Der Bruder hatte das Unglück offenbar vom Ufer aus verfolgt. Die Eltern hatten erst später von dem tragischen Zwischenfall erfahren.

Frank Barth (39) saß mit seiner Lebensgefährtin Nancy und zweien seiner vier Kinder auf einer Decke am Fluss, als das Unglück geschah. "Er hat geschrien, dann ist er untergegangen. Ich habe sofort meine Wertsachen aus den Hosentaschen genommen und bin ins Wasser gelaufen", erzählt er. Barth ist Bundespolizist am Hauptbahnhof und verfügt über eine Rettungsschwimmer-Lizenz.

Am Sonntag hatte die Polizei mitgeteilt, der Junge habe bis zur Hüfte im Wasser gestanden und sei dann plötzlich untergegangen. Dem widerspricht Augenzeuge Barth: "Er war zehn Meter weit im Wasser und ist geschwommen. An dieser Stelle ist das Wasser etwa zwei Meter tief", sagt er. Dann sei er plötzlich untergegangen.

Auf dem Weg ins Wasser habe er versucht weitere Helfer zu gewinnen. Denn am Ufer saßen am Sonntagnachmittag Dutzende Menschen in der Sonne. "Ich habe die Leute angeschrien: ,Da ertrinkt ein Junge. Warum helfen Sie nicht?'", sagt Barth. Zwei Frauen und ein Mann seien ebenfalls zur Hilfe in den Fluss gestiegen und hätten nach dem Jungen getaucht. "Viele Leute haben zugeschaut und nichts gemacht", sagt Barth erstaunt. Doch auch das Helfen ist nicht ungefährlich. Vor einigen Wochen war ein Retter, der einen Jungen in Niehl aus dem Rhein geholt hatte, an den Folgen eines Herzstillstands gestorben.

Bis zur Erschöpfung hätten die Helfer getaucht, erzählt er am Tag nach dem Unglück. "Die Situation war schwierig, unter Wasser konnte man nichts sehen", schildert er die Sichtverhältnisse. Dann sei plötzlich die Rheinfähre auf sie zugefahren. "Ich hatte Sorge, dass das Schiff den Jungen oder die tauchenden Helfer verletzt", sagt Barth. Als der Schiffsführer von dem Unglück erfuhr, habe er an anderer Stelle gestoppt.

Nach mehreren erfolglosen Tauchversuchen wusste Frank Barth, dass die Überlebenschancen für den Jungen sinken. "Ich hatte den Wunsch, wenigstens die Leiche zu finden, auch wenn das kein schöner Gedanke ist", so Barth. Durch seinen Beruf als Bundespolizist habe er schon viele Leichen gesehen. "Aber bei Kindern ist das etwas anderes, vor allem, wenn man selbst Vater ist. Ich weiß, dass ich alles versucht habe, um den Jungen zu finden. Aber das werde ich wahrscheinlich nie vergessen können", glaubt er.

Seit dem 1. Juli war es für die Feuerwehr der 20. Einsatz, um eine im Rhein vermisste Person zu suchen. "Die Strömungsverhältnisse im Rhein sind nicht kalkulierbar", warnt Philipp Hessemer von der Feuerwehr. Von einem Schwimmverbot hält DLRG-Sprecher Michael Grohe jedoch nichts: "Bei Verboten muss man die Möglichkeit haben, dies durchzusetzen, und die gibt es nicht", sagt er. Oft bekämen die Retter bei ihren Fahrten sogar einen Vogel gezeigt, wenn sie auf die Gefahren hinweisen.