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ArbeitsmarktBeschäftigtenzahl in Köln auf Rekordhoch

3 min
Entkoppelt von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung zeigt sich der Kölner Arbeitsmarkt.

Die Kölner Agentur für Arbeit vermeldet einen stabilen Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr - trotz Pandemie, Energiekrise und Inflation

Von Krise ist auf dem Arbeitsmarkt nur wenig zu spüren: Der zeigte sich 2022 durchgehend stabil. Doch ein drängendes Problem treibt die Unternehmen in Köln um.

Die wichtigste Erkenntnis der Arbeitsagentur für das abgelaufene Jahr ist wohl, dass sich der Arbeitsmarkt in Köln endgültig von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung entkoppelt hat. Pandemie, Energiekrise, Inflation – aber so viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte wie noch nie (über 600 000) und das ganze Jahr über stabile Quoten bei der Arbeitslosigkeit. Im Gegenteil, das drängendste Problem momentan scheint der mittlerweile branchenübergreifende Fachkräftemangel zu sein. Die Unternehmen finden nicht genug qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Grafik Arbeitslose in Köln

Grafik Arbeitslose in Köln

„Wir haben oft genug vor der demografischen Entwicklung gewarnt. Jetzt bekommen viele Firmen die Überalterung ihrer Belegschaft zu spüren“, sagt der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Köln, Johannes Klapper. Die Lösung: Ausbildung, Weiterbildung, Qualifizierung. Und das Heben „stiller Reserven“, Frauen etwa, oder auch schwerbehinderte Menschen, die oft genug eine hohe Qualifizierung besitzen, bei denen aber immer noch alte Vorbehalte die Einstellung verhindern. Und natürlich qualifizierte Zuwanderung. „Ohne wird es nicht gehen“, so Klapper.

Weiterbildung von entscheidender Bedeutung

Wie wichtig Qualifizierungsmaßnahmen sein können, zeigte sich ganz konkret am Beispiel der „Beweglichmacher“ an der Aachener Straße, einer Praxis für Physiotherapie, wo die Bilanz der Arbeitsagentur stattfand. Gut ein Drittel der rund 30 Mitarbeiter haben sich über Programme der Arbeitsagentur weitergebildet, was zu einer Ausweitung der Leistungen und damit zur Stabilität der Praxis beigetragen habe, berichtete Inhaber Jordan Thomas Übach: „Ich kann nur jedem raten, diese Angebote auch anzunehmen.“

Ich kann nur jedem raten, diese Angebote auch anzunehmen.
Jordan Thomas Übach

Als das Jahr begann, herrschte allenthalben noch großer Optimismus vor. Dass Corona irgendwann im Jahresverlauf in den Griff zu bekommen sei, zeichnete sich ab. Entsprechend war auch die Zuversicht in der Wirtschaft, dass die Konjunkturmaschinerie wieder hochgefahren werden könne. Doch dann kam der russische Einmarsch in die Ukraine und setzte der einen Krise eine zweite auf. Materialengpässe, Verteuerungen und Unterbrechungen der Lieferketten lösten sich nicht auf, sondern verschärften sich zusehends. Dennoch hielten viele Firmen ihre Angestellten, bauten das Arbeitsplatzangebot sogar vorsichtig aus.

„Nach den harten Lockdown- und Kurzarbeitszeiten gab es Nachholbedarf beim Konsum, bei Veranstaltungen, bei Dienstleistungen und bei der Produktion. Dementsprechend stieg auch der Bedarf an Arbeitskräften“, so Klapper. Jobmotor war vor allem die Verwaltung, Dienstleistungen, Handel, Energietechnik, Sicherheitsbranche und Zeitarbeit. Deutliche Verluste gab es dagegen bei der Entwicklung und Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen.

Geduld bei Menschen aus der Ukraine

Was die Einbindung geflüchteter Menschen aus der Ukraine angeht, mahnt Klapper zur Geduld. „Diese Menschen kommen nicht wegen des tollen Arbeitsmarktes zu uns. Sie kommen, weil sie vor Krieg und Gewalt flüchten.“ Sprachbarrieren müssten abgebaut, eine Angleichung der Qualifikationen erreicht werden. Die Arbeitsagentur helfe hierbei, perspektivisch seien hier sicher viele Fortschritte zu verzeichnen. Etwas über 200 Menschen, der größte Teil davon Frauen, seinen bereits fest in den Arbeitsmarkt eingebunden. Rund 5000 geflüchtete Menschen aus der Ukraine sind momentan bei der Arbeitsagentur registriert.

Was die Aussichten für das laufende Jahr angeht, zeigt sich Klapper optimistisch. Die Entkoppelung des Arbeitsmarktes von der wirtschaftlichen Entwicklung werde sich fortsetzen, speziell den Kölner Arbeitsmarkt hält er für robust und zukunftsfähig. „Wir erwarten aufgrund des hohen Arbeits- und Fachkräftemangels keinen Einbruch auf dem Arbeitsmarkt“, resümiert er.


37 206 Kölnerinnen und Kölner mussten sich 2022 arbeitslos melden, 1580 weniger als im Vorjahr. Auf der anderen Seite fanden 31 167 Menschen einen neuen Job. Die Zahl der Arbeitslosen fiel im Jahresverlauf von 53 358 im Januar auf 50 745 im Dezember (s. Grafik). Der Bestand gemeldeter Arbeitsstellen stieg im gleichen Zeitraum von 5309 auf 7116 Ende des Jahres, die höchsten Zuwächse gab es im Herbst letzten Jahres. Von rund 26 000 Langzeitarbeitslosen sind 25 Prozent 55 Jahre und älter, 66 Prozent sind Helfer und 72 Prozent haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen stieg 2022 von 591 408 auf 606 633.