Die Deutsche Bahn will auf dem Kölner Eisenbahnring ab 2028 vier Brücken aus der Kaiserzeit abreißen und durch Neubauten ersetzen. Dafür kommt es zur Vollsperrung.
Marode BrückenBahnstrecke zwischen Köln-Süd und Hauptbahnhof 17 Monate gesperrt

Die Eisenbahnbrücke an der Zülpicher Straße soll abgerissen und neu gebaut werden.
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Sie stammen aus Kaisers Zeiten, sind baufällig und sollen durch Neubauten ersetzt werden. Und wenn das voraussichtlich ab 2028 geschieht, wird es in der Kölner Innenstadt über viele Monate zu erheblichen Verkehrseinschränkungen kommen. Die Rede ist von den Eisenbahnüberführungen an der Venloer, Vogelsanger, Zülpicher und Luxemburger Straße. Die Bauwerke liegen am Kölner Eisenbahnring zwischen Bahnhof West und Bahnhof Süd, einer der meistbefahrenen Bahnstrecken in Köln. Obwohl die Stahlbrücken denkmalgeschützt sind, will sie die Deutsche Bahn (DB) als Eigentümerin abreißen und erneuern lassen. Sie betont: Die Bauwerke, die von Personen- und Güterzügen genutzt werden, seien in sehr schlechtem Zustand, ihre Lebensdauer sei abgelaufen.
Deutsche Bahn will Brücken auf dem Kölner Eisenbahnring abreißen und neu bauen
Für die Bahnbrücken an der Venloer Straße und Vogelsanger Straße ist das Planfeststellungsverfahren bereits abgeschlossen. Für die Bauwerke an der Zülpicher Straße und Luxemburger Straße findet es zurzeit statt. In diesem Zusammenhang kann die Stadt Köln Einwände geltend machen und Forderungen erheben. Sie hat bereits eine entsprechende Stellungnahme vorbereitet, die am 12. März vom Stadtentwicklungsausschuss und der Bezirksvertretung Innenstadt genehmigt werden soll. Eine Übersicht über die wichtigsten Punkte.
Status quo: Die Brücken an der Zülpicher und Luxemburger Straße umfassen mehrere Bauwerke. Der erste Teil wurde um 1887 errichtet, 1909/10 erfolgte eine Erweiterung. Sie bestehen aus teils gebogenen Stahlüberbauten und massiven flachgegründeten Widerlagern.
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Abmessungen: An der Luxemburger Straße überspannt die Bahnbrücke eine lichte Weite von 20 Metern. In der Bogenmitte beträgt die Höhe 4,57 Meter, an den Rändern 3,30 Meter. An der Zülpicher Straße sind es 4,50 Meter in der Mitte und 3,50 Meter am Rand. Auf Wunsch der Stadt Köln soll die lichte Höhe bei den neu gebauten Brücken durchgängig auf 4,50 Meter angehoben werden.
Neuaufteilung Straßenraum: Unter der Eisenbahnüberführung an der Luxemburger Straße verläuft die Stadtbahntrasse der Linie 18. Sie soll nach dem Neubau der Brücke einen Mittelbahnsteig erhalten. Dafür wird der Straßenraum neu aufgeteilt. Je Fahrtrichtung soll es eine Spur für den Kfz-Verkehr und einen angrenzenden Gehweg geben, der breiter sein wird aus bisher. Die lichte Weite der Brücke soll auf 22,50 Meter vergrößert werden.
Bauzeit/Sperrungen: Laut Stadt Köln finden die Bauarbeiten voraussichtlich in den Jahren 2027 bis 2030 statt. Die Kernbauzeit sei von Juli 2028 bis November 2029 geplant. In diesen 17 Monaten wird die Strecke komplett gesperrt. Das bedeutet, dass zwischen Hauptbahnhof und Bahnhof Süd für 17 Monate keine Züge fahren können. Das betrifft insbesondere die linksrheinische Verbindung zwischen Köln und Bonn sowie die Eifelstrecke. Die Bahn plant ein Umleitungskonzept. Überlegt wird etwa, aus Hürth-Kalscheuren kommende Züge über die Südbrücke und Köln-Kalk in den Knoten Köln zu führen.
Auswirkungen auf den Verkehr: Durch die Bauarbeiten wird es laut Stadt über einen langen Zeitraum „zu erheblichen verkehrlichen Einschränkungen mit zeitweisen Vollsperrungen der Luxemburger Straße und der Zülpicher Straße“ kommen. Jedoch würden „zu keinem Zeitpunkt beide Straßen gleichzeitig gesperrt“. Fuß- und Radverkehr sollen „soweit möglich aufrechterhalten werden“. Durch die Errichtung von Schutztunneln soll der Kfz-Verkehr die Brückenbereiche weiterhin passieren können – ausgenommen sind die Zeiten der Vollsperrung. Gleiches gilt für die Stadtbahnlinien 9 (Zülpicher Straße) und 18 (Luxemburger Straße). Die Bauarbeiten werden mit der Brückenerneuerung an der Venloer und Vogelsanger Straße sowie der Erneuerung des Bahnhofs Süd koordiniert.
Schallschutz: An der Luxemburger Straße werden die Güterzuggleise um mehr als einen Meter angehoben. Im Zuge dessen werden die Schallschutzwände an der Moselstraße (3 Meter hoch) und an der Gabelsbergerstraße (2 Meter hoch) durch neue, 6 Meter hohe Wände ersetzt und verlängert. Dafür muss eine Stützwand erneuert werden. Durch den neuen Schallschutz werden einige Wohnungen künftig weniger Tageslicht haben. Daher sollen die Wände gegebenenfalls transparent ausgeführt werden.
Archäologie: Im Baustellenbereich liegen Bodendenkmäler: an der Zülpicher Straße Reste des preußischen Forts V von 1843-47, an der Luxemburger Straße Relikte der Römersraße Köln-Zülpich. Die Stadt fordert bauvorgreifende und baubegleitende archäologische Untersuchungen.
Denkmalschutz: Bei den Brücken handelt es sich um eingetragene Baudenkmäler. Der Stadtkonservator ist gegen einen Abriss: Die Brücken seien „bedeutende Zeugnisse der Stadt- und Eisnebahngeschichte“ und daher erhaltenswert. Die Bahn argumentiert, ein Ersatzneubau sei angesichts des maroden Zustands alternativlos.

