Die Wohnung in der Römergasse existierte zwar, sie gehörte aber nicht den Tätern. Dennoch kassierten diese Geld für eine Kaution.
Getäuschte Suchende berichtetBetrüger kassieren Kaution für fremde Wohnung in Kölner Innenstadt

In Köln sind bezahlbare Wohnungen heiß begehrt (Symbolbild).
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„Wunderschön“, so beschreibt Aurelia R. die Dachgeschosswohnung in der Römergasse. „Tolle Küche, schöne Einrichtung, Balkon; wir konnten uns sehr gut vorstellen, dort einzuziehen.“ Knapp 70 Quadratmeter, möbliert, drei Zimmer – für rund 1000 Euro Miete pro Monat, „für die Lage direkt am Friesenplatz ein guter Preis“, sagt die 23‑Jährige. Was Aurelia R. und viele andere Wohnungssuchende bei der Besichtigung noch nicht wissen: Betrüger haben sie mit einem falschen Mietangebot getäuscht. Bei der Kölner Polizei sind bislang mehr als 20 Strafanzeigen eingegangen.
Hätte ich das nicht durch Zufall rausgefunden, hätten wir Ende des Monats mit dem Möbelwagen dort vor der Tür gestanden
Die unbekannten Täter gingen äußerst dreist vor: Sie boten Anfang Oktober die Immobilie in der Kölner Innenstadt an, obwohl sie ihnen nicht gehörte. Die Drei-Zimmer-Wohnung in der Römergasse wird von der rechtmäßigen Mieterin auf der Plattform „Airbnb“ tageweise vermietet. Die Täter kopierten Fotos und Beschreibung und veröffentlichten diese auf einem großen Online-Immobilienportal unter dem Namen einer wirklich existierenden Hausverwaltung.
Betrug in Köln: Wohnungssuchende überwiesen Kaution
Die 23-jährige Aurelia R. und ihr Freund sind schon seit drei Monaten auf Wohnungssuche in Köln – bisher ohne Erfolg. Umso mehr freuen sie sich über die kurzfristige Einladung zur Wohnungsbesichtigung. „Als wir ankamen, standen schon mehr als 20 Leute im Treppenhaus an und hinter uns kamen immer noch mehr, da war ich schon frustriert“, berichtet sie unserer Redaktion. Oben angekommen führte sie ein junger Mann durch die Wohnung, der jedoch keine Nachfragen beantworten konnte. Das kam dem Paar aber höchstens etwas unprofessionell vor, sagt Aurelia R. später. Laut der Polizei war der vermeintliche Mitarbeiter der Hausverwaltung selbst über ein Jobportal angeworben worden – und war mutmaßlich ahnungslos.
Kurz danach bekommt Aurelia R. eine E-Mail der angeblichen Hausverwaltung und wird gefragt, welche Möbel sie übernehmen möchte – die 23-Jährige antwortet: Esstisch, Kommode, Schreibtisch. Dann kommt auch schon die Zusage für die Wohnung, sie unterschreiben einen Mietvertrag. „Wir konnten es kaum glauben und haben uns extrem gefreut“, sagt Aurelia R.
Mehr als hundert Interessenten bei der Wohnungsbesichtigung
Die Schlüsselübergabe sollte am 31. Oktober stattfinden. Die 23-Jährige kündigt ihr WG-Zimmer, bei Ikea sucht das Paar Möbel aus. Und dann bekommt sie einen Anruf. „Eine Freundin sagte am Telefon: ‚Ich kenne jemanden, der zieht in dieselbe Wohnung wie du‘. Ich wollte es erst nicht glauben, dann haben wir die Schriftstücke verglichen. Die waren komplett identisch.“ Die Kaution von 3000 Euro hatte sie da zum Glück noch nicht überwiesen. „Hätte ich das nicht durch Zufall rausgefunden, hätten wir Ende des Monats mit dem Möbelwagen dort vor der Tür gestanden.“
Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei sollen weit mehr als hundert Interessenten an der Wohnungsbesichtigung teilgenommen haben. Mindestens ein Interessent soll die geforderte Kaution an die angebliche Verwaltung überwiesen haben. Andere übermittelten persönliche Unterlagen wie Personalausweis-Kopien, Schufa-Auskünfte und Gehaltsnachweise. Einige bemerkten den Betrug im Nachhinein durch eine Betrugswarnung des Immobilienportals und informierten die Polizei.
Die Polizei bittet weitere mögliche Geschädigte, Anzeige zu erstatten. Dies ist online unter koeln.polizei.nrw oder auf jeder Polizeiwache möglich. Zudem bittet sie, wachsam zu sein: Auch am 11. Oktober versuchten womöglich dieselben Täter, auf ähnliche Weise eine Wohnung am Eigelstein zu vermieten. Diesmal wurden die übrigen Hausbewohner misstrauisch und verhinderten den Besichtigungstermin.