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Bis 22. JanuarDas hat das Design-Festival „Passagen“ in Köln zu bieten

4 min
Ein Mann fotografiert Designer-Lampen.

Formschöne Leuchten gibt es während der Passagen in der Design Post in Deutz zu sehen.

Design-Freunde kommen noch bis 22. Januar bei den „Passagen“ in Köln auf ihre Kosten.

Seit vergangenem Wochenende lädt das Designfestival „Passagen“ in Köln zum 37. Mal zum schlendern, entdecken und inspirieren lassen ein. Unzählige Besucherinnen und Besucher nahmen bereits die Möglichkeit wahr. In Ehrenfeld, der Innenstadt, in Deutz und Kalk können sich Design-Begeisterte durch Galerien, Pop-up-Stores, Hochschulen und Showrooms treiben lassen und mit den Kunstschaffenden ins Gespräch kommen. Ein Rundgang.

Die Design Post in Deutz feiert gerade ihr 20-jähriges Jubiläum und beleuchtet mit der Ausstellung „Iconic Pieces“ zwei Jahrzehnte europäische Designkultur. Meilensteine des Möbeldesigns sind ebenso zu sehen, wie atmosphärische Lichtskulpturen und Avantgarde für Individualisten. Ein Augenschmaus.

Im Machwerkhaus auf der Dillenburger Straße in Kalk dagegen ist es wuseliger und nahe an den Wurzeln des Schaffensprozesses. Die Ateliers und Werkstätten zeigen die kreative Vielfalt des Zentrums für Design und urbane Produktion.

30 Designer aus dem In- und Ausland zeigen ihre Kreationen

Blickfang im Kulturbunker auf der Körnerstraße in Ehrenfeld: Eine ältere Frau sitzt in einem Bahn-Waggon. Ihre Augen sind auf die vorbeirasende Landschaft geheftet, die Hände auf Bauchnabelhöhe wie zum Gebet ineinander gefaltet. Vor ihr, eine sie nur wenige Zentimeter überragende Marienstatue, wie selbstverständlich abgestellt auf dem Tisch zwischen den Passagiersitzen. Georg Müller titelt das Bild: Da hilft nur beten. Es stammt aus seiner Reihe mit rheinländischen Namen: Sittewation. Die Fotografien sollen die kleinen und unbedeutenden Alltagsmomente einfangen, die mit Hilfe der Momentaufnahme komödiantische Züge annehmen und den Betrachtenden ein Lachen entlocken können. Der Künstler selbst kommt aus dem Zum-Lachen-bringen-Milieu und hat als ehemaliger Jongleur mit seiner Fotografie die Unterhaltung im Blick. Seine fotografischen Alltagsmomente sind während der Passagen im Kulturbunker zu sehen und zu kaufen.

Design-Präsentation in den „Machwerkhallen“.

Design-Präsentation in den „Machwerkhallen“.

Die Interior Design Week vereint auch in diesem Jahr lokale Designerinnen und Designer mit der Newcomer-Szene der Design-Hochschulen. So können Besucherinnen und Besucher der Pattenhalle in Ehrenfeld an kleinen Stationen viele unterschiedliche Design-Innovationen bestaunen. Nicht nur aus Deutschland, sondern auch international, tischen 30 Designerinnen und Designer ihre Lieblingsstücke auf. Mit den Studierenden der Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster und der Fachakademie für Raum- und Objektdesign aus Garmisch-Partenkirchen sind zukünftige Designerinnen und Designer angereist, um ihre Werke vorzustellen.

Design-Kunst für Kaffee-Liebhaber und Hafenfreunde

Design und Zweck erfüllen die bunt gestalteten Barista-Utensilien der beiden Münsteranerinnen Frauke Rotte und Amelie Dörflinger. Die schwungvollen Formen sprengen die konventionellen Designs der oftmals farblosen Tamper (für das Feststampfen von Espresso) samt Abklopfboxen. Aus Edelstahl und farbig pulverbeschichtet kann Barista-Zubehör so Farbe und Form in jede Küche bringen. Martin Neuhaus verwandelt mit seinen Lampendesigns weiße Wände in kunstvolle Lichtinstallationen. So bringt der Berliner Designer Altbau-Charme mit Hilfe einer kleinen Gugelhupf-Form in jede Neubauwohnung. Hierzu verwendet er für sein Produkt „Rosi“ eine kleine bunte Gugelhupf-Form, die, über der Glühbirne befestigt, eine große Stuckrosette auf die Wand projiziert.

Wer es ein wenig schlichter mag, wird sicherlich bei Hafenholz fündig. Die beiden Hamburger Designer Lasse Bagdahn und Per Völkel fusionieren in ihren Holzdesigns klare Linien mit weichen Rundungen und pastellfarbenen Flächen. Ihre Designs entstanden einst aus Resthölzern aus dem Hamburger Hafen. Mittlerweile arbeiten die beiden Nordlichter überwiegend mit neuen Materialien, die Namen der drei Produktreihen Orca, Beluga und Pottwal entstammen hingegen immer noch dem Ozean.

Bunte Tamper zum Stampfen von Espresso werden in der Pattenhalle gezeigt.

Bunte Tamper zum Stampfen von Espresso werden in der Pattenhalle gezeigt.

Folgt man den orangefarben leuchtenden Passagen-Fahnen von Ehrenfeld in die Innenstadt, landet man im quirligen Belgischen Viertel. In der Buchhandlung „7. Himmel“ stellt die Kölnerin Elisabeth Seidel ihre quietschbunten salzgezüchteten Kristallleuchten aus. Zum Lesen eignen sie sich nicht, aber wer sich für ausgefallene, lokale und modern umgesetzte Kunst interessiert, sollte dem „Literaturhimmel“ einen Besuch abstatten.

Kinderkostüme und Collagen

Mitten im Shopping-Getümmel der Innenstadt winkt die Passagen-Fahne auch aus dem Pop-up-Laden „Das Haus an der Ehrenstraße“. Ein Paradies für alle, die es bunt und vielfältig mögen. Teppiche, Kerzen, Möbelstücke und Gemälde prägen das Bild der großzügigen Ladenfläche. Neben selbstgeschneiderten Kinderkostümen der Kölnerin Yvonne Pauleit können auch liebevoll angefertigte Collagen von Ehrenfelder Kaffeeinstitutionen bestaunt und erstanden werden. Kleinste Schnipseleien werkelt Olga Pauleit in vielen Schritten in bunte Gesamtkunstwerke um: Das Verkaufsschaufenster der kleinen Kaffeerösterei „Zwoo“ in der Körnerstraße und die „Kaffeebud“ in der Glasstraße passen so in einen Bilderrahmen – inklusive 3-D-Effekt. Neben den Collagen bietet die junge Designerin farbige Linoldrucke in verschiedenen Größen und individuell designte Postkarten über die Design Week hinaus im Pop-up-Store an.

Noch bis einschließlich Donnerstag, 22. Januar, laufen die „Passagen“. Neben den regulären Ausstellungen finden auch ausgewählte Veranstaltungen statt, wie der Open Design Campus an der Macromedia Hochschule in der Brüderstraße 1 am Mittwoch, 21. Januar, ab 17 Uhr. Die von Köln Business organisierten Vorträge richten sich größtenteils an interessierte Nachwuchsdesignerinnen und -designer und sind im Programmheft oder online zu finden.

www.voggenreiter.com