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Brenzlige WetterlageAnhaltende Trockenheit sorgt für Waldbrände in der Region

6 min

Nach einem Monat ohne nennenswerten Niederschlag steigt die Waldbrandgefahr auf die zweithöchste Stufe.

  1. Es hat im April viel zu wenig geregnet. Nur 5 Prozent der normalen Niederschlagsmenge sind zu verzeichnen.
  2. Das hat dramatische Folgen für die Landwirtschaft, aber auch für die Wälder in der Region.
  3. Wir geben einen Überblick.

Gummersbach/Much/Viersen – In Gummersbach brennt seit Montag der Wald bei Strombach. Zeitweise hing eine riesige Rauchwolke über der Stadt im Oberbergischen Kreis. Ein 24-Jähriger aus Gummersbach soll den Brand durch eine weggeworfene Zigarettenkippe verursacht haben. Er hatte sich am Dienstagmorgen freiwillig bei der Polizei gemeldet.

Mit einem Zeugen, der ebenfalls von der Polizei vernommen wurde, hatte er nach bisherigem Ermittlungsstand das Feuer ausgetreten und die Stelle im Glauben, dass die  Flammen gänzlich gelöscht seien, verlassen. Der Brand zeigt deutlich, wie gefährlich unachtsames Verhalten in der derzeitigen Trockenperiode ist, mahnte die Polizei.

Wind fachte Feuer erneut an

Nachdem ein Feuerwehrsprecher am Dienstagmorgen mitteilte, das Feuer sei weitgehend gelöscht, fachte der Wind die Flammen im Verlauf des Tages erneut an.   Die Löscharbeiten dauerten auch bei Redaktionsschluss  noch an.   Mehr als  100 Hektar Wald sind schon verbrannt.  Bei der Brandbekämpfung kamen  erstmals Polizeihubschrauber mit sogenannten „Bambi Buckets“  zum Einsatz.  Mit diesen außen am Helikopter angebrachten Wasserbehältern können aus der Luft gezielt Feuer gelöscht werden.  L

aut NRW-Innenministerium  flogen die Polizisten in Gummersbach 18 Durchgänge und ließen dabei insgesamt 13 Tonnen Wasser ab, das sie zuvor aus einer Talsperre aufgenommen hatten. Ein Aufklärungshubschrauber entdeckte außerdem einen weiteren Waldbrand im Bereich Meinerzhagen. Dort wurden fünf weitere Löschdurchgänge geflogen.  In Gummersbach verhinderten  zudem Flugfeld-Löschfahrzeuge vom Airport Köln/Bonn, dass das Feuer auf einen Bauernhof übergreifen konnte.

Waldbrand auch in Much

An dem Einsatz in Gummersbach waren auch zwei Polizeihubschrauber mit Löschwassergefäßen und Flugfeld-Löschfahrzeuge vom Airport Köln/Bonn beteiligt, die verhinderten, dass das Feuer auf einen Bauernhof übergreifen konnte. Auch in Much (Rhein-Sieg-Kreis) standen am Dienstagabend 4000 Quadratmeter Waldfläche in Flammen. Die Einsatzkräfte mussten den Wahnbach aufstauen, um das Feuer löschen zu können, zudem unterstützten Landwirte mit Gülleanhängern voll Wasser den Einsatz mit mehr als 100 Feuerwehrleuten.

Bei Wenden im Kreis Olpe hatten bis zu 400 Feuerwehrleute einen Waldbrand auf einer Fläche von rund drei Hektar bekämpft, nachdem die Flammen am Montagabend ausgebrochen waren. Am Dienstagmorgen wurden noch Glutnester gelöscht. Bei dem Einsatz wurde ein Feuerwehrmann leicht verletzt und in ein Krankenhaus gebracht.

Letzter Regen am 20. März

Erst rund zwei Liter Regen sind im April im Schnitt in Nordrhein-Westfalen pro Quadratmeter gefallen. „In vielen Ecken hat es so gut wie gar nicht geregnet“, erklärte Thomas Kesseler-Lauterkorn vom Regionalen Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes in Essen. Ausnahme der Hochsauerwaldkreis.

Zum Vergleich: Das langjährige NRW-Durchschnittswert für April der Jahre 1981 bis 2010 liegt bei 55 Litern pro Quadratmeter. Den bisherigen Minusrekord kann der diesjährige April aber nicht mehr unterbieten: 2007 lag das sogenannte Flächenmittel für den gesamten Monat bei 1,6 Litern. „Der letzte flächendeckende, allerdings schon nicht mehr so ergiebige Niederschlag in NRW war am 20. März, also vor mehr als einem Monat“, erklärte der Meteorologe.

Auch die Sonne schien häufiger als sonst. Bis Dienstagabend registrierten die Wetterexperten rund 200 Sonnenstunden – schon jetzt deutlich mehr als in „normalen“ April-Monaten, wo die Sonne 162,5 Stunden unbedeckt leuchtet. Kesseler-Lauterkorn kann sich vorstellen, dass der bisherige Sonnenschein-Rekord von 278,4 Stunden (ebenfalls April 2007) überboten wird.

„Schaut man sich die letzten 20 Jahre an, hat der April seinen Charakter als „launischer Geselle“ etwas verloren“, meinte der Experte. Seit Anfang der 2000er-Jahre seien viele April-Monate eher warm, sehr sonnig und damit sehr trocken gewesen. „Der April ist von allen Monaten derjenige, bei dem sich die mittleren Klimabedingungen besonders bei Temperatur und Sonnenschein am stärksten gewandelt haben.“ (dpa)

Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet zerstörten Feuer auf niederländischer Seite rund 100 Hektar Wald und Heide. An der Brandbekämpfung waren nach Angaben des Kreises Viersen rund 500 Feuerwehrleute aus Deutschland und den Niederlanden beteiligt. Auch ein Hubschrauber kam zum Einsatz. Das Feuer war nach Angaben der niederländischen Behörden am Montagabend aus unbekannter Ursache im Nationalpark De Meinweg ausgebrochen. In der Nacht schien es zunächst unter Kontrolle zu sein, war jedoch am Dienstagmorgen durch starken Wind erneut aufgeflammt.

Das Gebiet liegt auf niederländischer Seite nahe dem Ort Herkenbosch im Südosten des Landes. Auf deutscher Seite grenzt es an mehrere Waldgebiete in der Nähe von Niederkrüchten im Kreis Viersen.

Die örtlichen Feuerwehren würden von Kräften aus Düsseldorf, Neuss, Duisburg, Wesel, Mülheim, Kleve, Mettmann, Essen und Oberhausen unterstützt, sagte eine Kreissprecherin am Dienstag. Löschwasser wurde aus dem siebeneinhalb Kilometer entfernten Fluss Schwalm in die Brandregion gepumpt. Spezialfahrzeuge der Feuerwehren Essen, Düsseldorf, Duisburg und Oberhausen verlegten dazu eine Schlauchleitung mit Pumpstationen zu einem Weiher namens Melickerven, der auf der Staatsgrenze liegt. Dort konnten kleinere Löschfahrzeuge dann Wasser entnehmen und den Brand bekämpfen, wie ein Sprecher der Feuerwehr Essen sagte. Pro Minute würden mehrere Tausend Liter Wasser gepumpt.

Trockenes Wetter lässt Gefahr steigen

Auch im nahe gelegenen Naturschutzgebiet Deurnese Peel wütete ein Feuer. Der Brand sei ebenfalls noch nicht unter Kontrolle, teilte die niederländische Feuerwehr mit. Nicht nur der starke Wind, sondern auch der ausgetrocknete Boden erschwerten die Löscharbeiten. In beiden Gebieten würden Helikopter der Armee eingesetzt.

Die Brandursache war in allen Fällen zunächst unklar. Die Ermittlungen dauern an. Das trockene Wetter und fast völlig ausgebliebener Niederschlag im April lassen die Waldbrandgefahr stetig steigen. Der Deutsche Wetterdienst erwartet für die nächsten Tage weiterhin viel Sonne bei steigenden Temperaturen. „In nächster Zeit ist kein Regen in Sicht, wahrscheinlich bis einschließlich Freitag“, sagt DWD-Meteorologin Ulrike Zenkner. (mit dpa)

Sorgen bei Forst- und Landwirtschaft

Land- und Forstwirtschaft beobachten die anhaltende Trockenheit mit Sorge. Vor allem für neu angepflanzte Bäume sei die Lage problematisch, sagt Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Der Grund: Der Oberboden sei bis in eine Tiefe von 15 Zentimetern sehr trocken. Darunter sei es allerdings noch einigermaßen feucht. „Das reicht für die meisten Bäume noch aus.“

Die anhaltende Trockenheit sorgt für steigende Waldbrandgefahr und schwächt die Abwehrkräfte der Bäume gegen den Borkenkäfer.

Hinzu komme die Belastung durch Borkenkäfer. Zwar könnten sich Fichten mit Harz gegen den Schädling wehren. Das könnten sie aber nur bilden, wenn es genügend Wasser gebe. Auch der Waldbauernverband NRW beklagt laut Geschäftsführerin Heidrun Buß-Schöne „jetzt schon Borkenkäfer-Schäden“. Grund seien die Trockenheit und der milde Winter, den viele Käfer überlebt hätten.

Für die Landwirtschaft ist „die Lage auf keinen Fall dramatisch. Regen wäre trotzdem dringend nötig“, sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. Nach wie vor sei reichlich Wasser im Boden. Allerdings hätten die Pflanzen, die im Frühjahr gesät wurden oder noch werden, Schwierigkeiten, an das Wasser heran zu kommen.

Gras könne bald gemäht werden. „Aber wenn das dann ab ist, kommt nicht mehr viel nach, wenn es nicht regnet.“ Wintergetreide sehe noch ganz gut aus. „Bei Sommergetreide wie Braugerste oder Hafer ist es schon schwieriger.“ Zuckerrübensamen keimten teilweise nicht, weil es zu trocken sei.

Nach den trockenen Vorjahren sei die Lage angespannt. „Noch so ein Dürrejahr würde für viele Betriebe ein existenzielles Problem bedeuten“, so Rüb. Die Reserven sind aufgebraucht.(dpa)