Seit 30 Jahren bietet der Jugendhilfe-Verein Kindern und Familien in Chorweiler Unterstützung in vielen Lebenslagen. Ein Rückblick.
Umfassende Hilfsangebote30 Jahre Kindernöte e. V. – Eine Säule für Chorweiler

Ulrich Nolden, Helgard Weisse-Sunnus und Jürgen Zimmermann-Höreth (v.l.n.r.) waren die Geburtshelfer von Kindernöte e.V.
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Wer im Kölner Norden wohnt und Kinder hat, dem ist der Verein „Kindernöte“ mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Begriff: Seit inzwischen 30 Jahren ist der freie Träger der Jugendhilfe eine feste Säule der sozialen Infrastruktur für Kinder und Familien im Bezirk Chorweiler. Mit zahlreichen Angeboten deckt „Kindernöte“ praktisch alle Phasen des Heranwachsens ab: Von Schwangerenberatung und Elterncafés über U3-Betreuung und Lernunterstützung bis hin zum Straßen-Kinder-Projekt für Kinder bis 14 Jahre. Anlässlich des runden Geburtstags in diesem Jahr hatten die Gründungsmitglieder Ulrich Nolden und Helgard Weisse-Sunnus einen Blick zurück auf die Anfänge geworfen.
Familienberatung in Köln-Chorweiler
Hervorgegangen ist der 1996 gegründete Verein aus der städtischen Familienberatung. Weisse-Sunnus war als Psychologin, Nolden als Kindertherapeut in der Zweigstelle in Chorweiler tätig – einem Stadtteil, der neben Armut und Sprachbarrieren weitere „spezielle Herausforderungen“ bot, wie sich Nolden erinnert. „Hier kommen Familien nicht aus eigenem Antrieb zur Beratung, anders als in mittelständisch geprägten Gegenden“, sagt er. Dafür jedoch konnten sie, „frei und unbehindert arbeiten, und Ideen entwickeln“, sagt Weisse-Sunnus, denn im damaligen Leiter der städtischen Familienberatung Jürgen Zimmermann-Höreth hatten sie einen wohlwollenden Fürsprecher. „Das lief immer ein wenig am Rande der Landesrichtlinien ab“, schmunzelt Zimmermann-Höreth, „aber Chorweiler lag mir immer schon sehr am Herzen“.

Der Vereins Kindernöte e.V. veranstaltet auch eine Kinderstadt in den Sommerferien.
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Nolden und Weisse-Sunnus konzipierten schließlich in Zusammenarbeit mit jugendlichen Freiwilligen das Straßen-Kinder-Projekt, bis heute eines der zentralen Angebote des Vereins. „Die Freiwilligen sind an öffentliche Orte gegangen, an denen sich für gewöhnlich Kinder aufhielten, und haben ihnen gesagt: Wir sind ab jetzt einmal in der Woche hier und spielen mit euch.“ Ein Angebot, dass die „Straßen-Kinder“ dankbar annahmen. Nolden hält soziale Gruppenarbeit für eine der besten Möglichkeiten, Kinder bei der Bewältigung ihrer Nöte zu unterstützen – gleichzeitig diente das Projekt als Hebel, um das Interesse der Eltern zu wecken. „Gerade Eltern mit anderen Nationalitäten waren eigentlich nur so zu erreichen“, meint Nolden. „Die möchten auch wissen, was machen die eigentlich mit meinem Kind? Dann kommen sie, um es sich selbst anzuschauen, und man kommt ins Gespräch“.
Detlev Geiß war der Kinderarzt in Chorweiler
Detlev Geiß, der jahrzehntelang die einzige Kinderarztpraxis in Chorweiler-Mitte führte, lieferte schließlich die Anregung, einen Förderverein für die Familienberatung zu gründen. Nolden, Weisse-Sunnus und Geiß übernahmen den Vorstand, in dem Weisse-Sunnus bis heute aktiv ist.
Schnell entwickelte sich „Kindernöte“ über einen Förderverein hinaus: Binnen eines Jahres verfügten die Straßen-Kinder-Gruppen der einzelnen Stadtteile über feste Räumlichkeiten, weitere Angebote kamen hinzu. 2001 stieß Ingrid Hack zum Verein, die bis heute die Geschicke des Vereins als Geschäftsführerin maßgeblich prägt. Aus einer Straßen-Kinder-Gruppe für Roma-Kinder in der Merkenicher Causemannstraße, die keine Schule besuchten, entwickelte sich 2003 die „Roma-Schule“, ein erstes Angebot der Lernförderung. „Innerhalb von zwei Jahren besuchten alle eine reguläre Schule“, so Nolden. 2005 war „Kindernöte“ weiterhin an der Gründung des ersten Kölner Familienzentrums in der Kita Lebensbaumweg beteiligt.
27 Jahre lang war der Verein in den Räumen der Familienberatung im fünften Stock der Florenzer Straße 20 ansässig – inzwischen hat er mit dem Detlev-Geiß-Haus in der Florenzer Straße 82 ein eigenes Domizil, das viele der Angebote unter einem Dach vereint. Ingrid Hack weiß, dass der Verein die Lebensläufe vieler Menschen in Chorweiler positiv beeinflussen konnte. „Beim Stadtteilfest vor Kurzem kam ein Mann mit seiner Familie an unseren Stand, ein selbstständiger Dachdeckermeister mit acht Beschäftigten“, erzählt sie. „Und er sagte: Hätte ich es euch nicht gegeben, wäre ich auf die schiefe Bahn geraten. Das dürften wir auch so zitieren.“
