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„Dann geh dahin, wo es umsonst ist“Currywurst für 3,90 Euro, freche Schnauze inklusive

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Eine Frau steht vor einer Imbissbude.

Anette Selbach arbeitet seit 17 Jahren beim Kultimbiss „Curry B.“.

Sie steht seit 17 Jahren am Grill, kennt ihre Kunden beim Namen und sagt ohne Umschweife, was sie denkt. Für viele ist Anette Selbach längst ein Gesicht der Innenstadt.

11.30 Uhr am Willy-Millowitsch-Platz in der Kölner Innenstadt. Es regnet. Anette Selbach steht mit schwarzer Schürze am Grill und wendet ein paar Würstchen. Bislang haben die an diesem Tag noch nicht viele Abnehmer gefunden. Dafür sei es noch zu früh und zu regnerisch. Aber das werde noch, da ist sich Selbach sicher.

Seit 23 Jahren gibt es den Stand von Curry B., seit 2009 ist Selbach dabei. Das Sortiment ist überschaubar: Currywurst, Bratwurst, Krakauer und Pommes – auch rot-weiß. Mehr nicht. Wer etwas anderes sucht, ist hier falsch.

Selbach hat keine Ausbildung in der Gastronomie, kommt aus dem Einzelhandel, aus Kassenbereich und Büroorganisation. Aber in der Imbissbude, sagt sie, sei es viel interessanter: „Weil ich immer Leute um mich herumhabe.“ Wer an ihre Theke tritt, ist sofort per Du. Ihre Stammkunden kommen aus Siegen, vom Westerwald, aus der Eifel.

Sie erinnert sich, wie manche als Kleinkinder im Kinderwagen kamen und heute als Jugendliche selbst bestellen. Sie weiß, wer inzwischen in Rente ist, wo wer arbeitet, wenn sie sich in der Mittagspause eine Wurst holen. Schade sei es, wenn Stammkunden nicht mehr kommen, weil sie verstorben sind.


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Die Bratwurst kostet 3,50 Euro mit Brötchen, die Currywurst 3,90 Euro. Selbach sagt, sie seien „weit und breit die Günstigsten“. Auf der roten Karte hinter ihr steht: „Pommes 3,20. Sauce 0,50“. Manche Kunden wollen das nicht zahlen, woanders sei die Soße schließlich umsonst. Wenn beim Bezahlen protestiert werde, höre Selbach kurz zu. Dann sage sie: „Dann geh dahin, wo es umsonst ist.“ Ein paar Mal pro Woche komme es dazu. Sie klingt dabei nicht unfreundlich. Nur sehr klar. Ihre „freche Schnauze“ ist bekannt.

Das Geheimrezept bleibt geheim

13.30 Uhr. Selbachs Prognose hat sich bewahrheitet: Kaum reißt der Himmel auf, stehen Kunden in kleinen Grüppchen auf der angrenzenden Terrasse und pieksen eine Pommes nach der anderen auf. Muriel Breier arbeitet in der Nähe und würde sich als Stammkundin bezeichnen. Sie nimmt immer eine große Portion mit Mayo. „Sie sind so, wie Pommes sein sollten. Knusprig, nicht zu labberig.“

Klaus Westerhaus ist zum ersten Mal da. Auch er ist zufrieden mit seiner Wurst. „Auf den Weihnachtsmärkten zahlen sie sechs Euro und hier jetzt 3,50 Euro. Das ist schon gut“, sagt er und beißt in seine Wurst, ohne viel Senf, so wie er sie mag.

Blick auf die Imbissbude von außen.

Blick auf den Imbiss „Curry B.“ am Willy-Millowitsch-Platz in der Kölner Innenstadt – bei Regen bleibt es am Vormittag noch ruhig.

Die Würste kommen von einem eigenen Metzger, der sie nach dem Rezept des Standes fertigt: nicht zu fett, gut gewürzt. Die Kunden merkten, wenn sie die Wurst wechselten, sagt Selbach. Sie hätten schon mehrere ausprobiert, auch vegane, aber die, die sie jetzt haben, bleibe die beste. Auch optisch: Warm gehalten sehe ihre Wurst immer noch am ansprechendsten aus.

Die Currysoße wird nach Geheimrezept verfeinert. Ob man es erfahren kann? „Nein, leider nicht.“ Da müsse die Mitarbeiterin streng sein. Sonst wäre es ja kein Geheimrezept mehr. Cola, wie bei anderen Köchen, kommt bei Curry B. jedenfalls nicht in die Soße. Das kann Anette Selbach dann doch verraten.

Ein guter Tag, sagt Selbach, ist, wenn es trocken ist und etwa 20 Grad hat. Ein schlechter Tag ist Hochsommer: zu heiß, zu wenig Gäste. Die erste Schicht beginnt um 10 Uhr, die zweite endet um 18 Uhr. Dann wird aufgeräumt und sauber gemacht.

Prominente Kundschaft hat der Stand auch. Namen nennt Selbach ungern. Diskretion gehört zum Selbstverständnis. Nur so viel: Scooter war schon da. Was er bestellt habe? Currywurst Pommes.