Abo

Das Bett ist gemachtRenaturierung des Frechener Bachs ist abgeschlossen

3 min

Einige hundert Meter vor dem Stüttgenhof ist schon Wasser im Bach-Bett zu sehen.

Köln – Das Bett ist schon lange gemacht, doch der Bach lässt noch auf sich warten – jedenfalls im Äußeren Grüngürtel zwischen Stüttgenhof und Militärring, wo zahlreiche Spaziergänger und Jogger unterwegs sind und sich über die zuwuchernde Mulde wundern. Bereits zwei Jahre ist es her, dass Bagger sie dort gruben, doch noch ist von Wasser keine Spur. Das wird sich bald ändern, denn die Renaturierung des Frechener Bachs ist abgeschlossen. Sie ist ein Mammutprojekt. Es wurde bereits vor Jahrzehnten geplant und hat 1,9 Millionen Euro gekostet, die zu 80 Prozent vom Land NRW finanziert wurden.

Dadurch kann das Gewässer, das einst aus dem Vorgebirge kam und irgendwo auf dem Gebiet des heutigen Stadtwalds versickerte, wieder seinem historischen Lauf folgen - jedenfalls soweit das möglich ist. Das Amt für Landschaftspflege hatte vor Ort eingeladen, um zu zeigen, dass das Wasser sich vom Klärwerk am Stadtrand über Wasserräder in Marsdorf auf den Weg gemacht hat und mittlerweile bereits am Stüttgenhof angekommen ist – wenn auch vorläufig als kleines Rinnsal.

Nach heißen Sommern nur wenig Wasser

Dieses soll bald auch das noch trockene Bett östlich des Hofs erreichen und dann kurz vor dem Militärring versickern. Wann der Bach bis dorthin fließt, können die Mitarbeiter des Amts für Landschaftspflege und Grünflächen nicht sagen. „Das Bett ist nach den heißen Sommern sehr trocken“, erklärte Joachim Bauer, stellvertretender Leiter des Grünflächenamts.

„Erst muss das Erdreich mit Wasser vollgesogen sein, dann erst fließt es weiter.“ So ist der Bach weniger rauschend als im Schneckentempo unterwegs – auch, weil die in sein Bett gespeiste Wassermenge reguliert wird. Seine Quelle ist schon lange versiegt. Der Kohleabbau vor den Toren der Stadt kappte die Verbindung. In den folgenden Jahrzehnten verkam der Bach zu einer Kloake, in die Abwässer der sich angesiedelten Industrie eingeleitet wurden. Mehrfach wurde sein Verlauf künstlich geändert.

Seitdem die Kläranlage Frechen gebaut wurde, wird der Bach aus deren Ablauf gespeist. Zuletzt verlief er auf dem Kölner Stadtgebiet nur 300 Meter in einem natürlichen Bett. Dann wurde er in eine einen Kilometer lange Schale aus Beton gezwungen, ehe er in den südlichen Randkanal mündete. Der ehemalige weitere Verlauf lag trocken und endet im Bereich der Militärringstraße in der Kanalisation. Nur nach starkem Regen oder wenn der Graben des historischen Stüttgenhofs, der am Verlauf des alten Frechener Bachs liegt, mit Wasser gefüllt werden musste, wurde es dort hineingelassen.

Betonschale ist weg

Nun hat das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen das Gewässer wieder freigelassen. Die Betonschale in seinem westlichen Verlauf wurde beseitigt und an ihre Stelle ein neues fünf bis sieben Meter breites Gewässerbett mit durchlässiger Sohle geschaffen. Auf der Höhe der Horbeller Straße hilft ein Umleitungsbauwerk mit einem Antriebswasserrad und einem Schöpfrad dem Bach über den Randkanal.

Das könnte Sie auch interessieren:

Letzteres fördert sechs Liter Wasser pro Sekunde. Die Menge ist so bemessen, dass der Bach ausreichend Wasser führt, aber nur so viel, dass es wie geplant versickern kann.

300 Meter östlich des Stüttgenhofs, wo das Bachbett bisher seine Richtung um 90 Grad zur Stadtbahn hin ändert, wurde das Gewässer in seine historische Trasse zurückverlegt. Im neuen, ebenfalls bis zu sieben Meter breiten Bett mit geschwungenem Verlauf bekommt der Bach den Raum, den er für eine möglichst naturnahe Entwicklung benötigt. Ein Steg und eine Brücke sollen künftig Besucher einladen.