2000 Kunstwerke von teils unschätzbarem Wert mussten für die Zeit der Sanierung abgenommen und an einen sicheren Ort gebracht werden.
Das Wallraf wird saniertWie in Köln ein ganzes Museum eingepackt wurde

Das Selbstbildnis von Rembrandt wurde als letztes Bild im Wallraf-Richartz-Museum am Montag abgenommen. Es wird frühestens Ende 2028 zurückkehren.
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Das Selbstbildnis von Rembrandt war das letzte. Das letzte Bild, das – natürlich auch wegen der Berühmtheit des Malers und der dramatischen Inszenierung – am Montag im Wallraf abgenommen und bei einem Fototermin verpackt wurde.
Was vorher seit Wochen im Museum passierte, das hat sich vor allem aus versicherungstechnischen Gründen im Verborgenen abgespielt. Denn im Wallraf wurden unschätzbare Werte bewegt. Ein kleiner Einblick in den Auszugsalltag wurde uns einige Tage zuvor aber doch noch gewährt.

Vor dem Verpacken wird die „Köchin mit Esswaren“ vorsichtig entstaubt.
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Im blauen Barocksaal haben die Bilder, die hier jahrzehntelang hingen, helle Flecken auf der Wand hinterlassen. Nicht anders, als wenn man in einer privaten Wohnung die Deko ändert und die Spuren des verschwundenen Vertrauten plötzlich schmerzlich wahrnimmt. Vor den weitgehend leeren Wänden packt eine fröhlich-konzentrierte Runde Mitte letzter Woche Kunstwerke ein.
Eine Mitarbeiterin reinigt mit einem Pinsel den reich verzierten Rahmen der „Köchin mit Esswaren“ von Frans Snyders. Den Staub nimmt sie dann vorsichtig mit einem Staubsaugerschlauch auf. Das Bild ist bereits abgenommen und an ein gepolstertes Gestell gelehnt. Es ist mit 88,5 mal 120 Zentimetern verhältnismäßig klein für ein Barockwerk. Auch die weiße Haube und das rote Kleid der „Köchin“ werden abgetupft. „Wenn wir gefährdete Stellen sehen, dann werden sie mit Japanpapier extra geschützt.“ Bei der „Köchin“ ist alles in Ordnung.

Die Kunstpacker Sascha Schmitz (l.) und Christian Grimm arbeiten mit Kraft und Handschuhen.
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Christian Grimm und Sascha Schmitz, die beiden routinierten Packer der Kunstspedition Hasenkamp, streifen ihre Handschuhe über. Sie drehen das entstaubte Bild um und lehnen es vorsichtig wieder an. Auf der Rückseite wird ein gelber Aufkleber mit Barcode, der laufenden Nummer 4411, Maler und Bildtitel aufgeklebt.
Barcode für jedes Wallraf-Bild
Ruhig und behutsam stellen die Packer das Bild dann in die bereitstehende Transportkiste, wie alle Behältnisse eine Spezialanfertigung aus der Hasenkamp-Werkstatt. Eine Abdeckplatte wird zurechtgeschnitten und verschraubt und mit einem Band gesichert, schließlich wird eine Lage Styropor für die Abfederung daraufgesetzt.

An den Kisten werden die Barcodes für die Bilder angebracht.
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In der Kiste sind jetzt 14 Bilder, die entsprechenden Aufkleber sind auch draußen auf der Kiste angebracht, sodass alles wiedergefunden werden kann. So zum Beispiel die „Blumen- und Fruchtgirlande mit der Jungfrau“ von Jan Brueghel dem Älteren, die nun monatelang neben der „Köchin“ licht-, staub- und stoßgeschützt aufbewahrt wird.

Zusammen mit 13 weiteren Bildern kommt das Werk in eine Transportkiste.
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Es sind an diesem Nachmittag eher unkomplizierte Bilder, die hier gemeinsam auf die Reise ins Lager gehen, bis das Museum und seine Erweiterung wiedereröffnet werden – was nach bisherigen Planungen Ende 2028 sein wird. Für Grimm und Schmitz eine leichte Arbeit.
Rubens-Bild benötigte sechs Kunst-Packer
Bei „Juno und Argus“ von Peter Paul Rubens, um 1610 entstanden und 2,49 mal 2,96 Meter groß, war das anders. Das Bild ist sehr ausladend, sehr schwer, sehr wertvoll und eines der bekanntesten Gemälde des Wallraf. Die Fachleute hatten sich dazu entschieden, das Werk unverpackt ins Erdgeschoss zu transportieren, weil die Verpackungskiste nicht aufrecht in den Aufzug gepasst hätte. „Das Risiko war zu groß, dass beim Kippen etwas passiert“, sagt Schmitz. Sechs Kollegen waren an der Aktion beteiligt, trugen das riesige Bild mit reiner Manneskraft in den Aufzug und packten es erst unten ein. Alles ging gut. „Wir sind ein eingespieltes Team.“

Das riesige Werk „Juno und Argus“ von Rubens musste von sechs Kunstpackern transportiert werden.
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Restauratorin Caroline von Saint-George und ihre Kolleginnen und Kollegen haben das alles auf Fotos festgehalten. „Das ist schon eine große Anspannung“, sagt sie. Ein bisschen Bibbern sei immer dabei. Aber auch Vertrauen. „Wir machen das alles sehr langsam, wir gehen auch sehr langsam“, sagt Grimm. In den zehn Wochen habe man sich gut kennengelernt.

Weil die Transportkiste nicht aufrecht in den Aufzug gepasst hätte, wurde das Rubens-Bild unverpackt ins Erdgeschoss gebracht.
Copyright: Wallraf-Richartz-Museum
Angefangen hat das Ausräumen schon vor der Schließung des Museums Anfang August im Depot. Dort lagerten riesige Mengen von Grafiken und Bildern – um die endlich einmal zeigen zu können, erwarten die Museumsleute sehnlichst den lang geplanten Anbau. In den vier letzten Wochen haben die Spezialisten dann die Werke aus der Ausstellung abgenommen. Insgesamt wurden rund 60.000 grafische Arbeiten und 2000 Gemälde verpackt.
„Wir haben das Handling bei jedem Bild miteinander besprochen“, sagt die stellvertretende Museumsdirektorin Barbara Schaefer. Während bei einem privaten Umzug die Packer die Hausbewohner lieber „aus den Füßen“ haben wollen, um ihre Arbeit zu tun, wurde hier sehr viel miteinander geredet. Auch beim Mittagessen und dem Kaffee am Nachmittag. „Wir verstehen uns wunderbar, das Team ist zusammengewachsen“, sagt Schmitz.

In Transportkisten verlassen die Bilder das Museum.
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Er und sein Kollege spürten auch, wie schwer den Museumsleuten der Abschied fällt. „Wenn wir wieder ein Bild abgenommen haben, dachte ich mir dann schon: Oh, da fließen gleich wieder Tränen“, sagt Grimm. Barbara Schaefer weiß, was er meint, und lacht. „Man ist hier jahrelang durchgegangen. Manchmal montags, wenn niemand hier ist. Dann konnte man es richtig genießen, hatte seine Lieblinge. Und jetzt denkt man: Ich werde das so schnell nicht wiedersehen.“ Reinhard Rasch, der als Registrar für die Organisation des Transports verantwortlich ist, hat ein besonderes Verhältnis zum „Selbstbildnis im Kreise der Mantuaner Freunde“ von Rubens. „Mir ist schon öfter gesagt worden, dass ich Rubens sehr ähnlich sehe.“ Die Kolleginnen nicken lächelnd.
Kunstpacker müssen drei Jahre Berufserfahrung haben
Hatten denn die Kunstpacker auch Zeit, sich mit der Kunst zu beschäftigen? Christian Grimm sagt: „Ja, oft wurde uns auch etwas zu den Bildern erklärt. Da lernt man schon dazu.“ Doch die Hauptqualifikation der Männer ist natürlich eine andere. In der Ausschreibung der Stadt für den Transport hieß es: „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die als Kunstpacker zum Ausführen der Arbeiten im Museum tätig werden, müssen mindestens drei Jahre als Kunstpacker tätig sein und an Weiterbildungen im Bereich Arthandling in den zurückliegenden zwei Jahren teilgenommen haben.“

Ein Museum ohne Bilder
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Die Firma Hasenkamp mit Stammsitz in Frechen – wohl die bekannteste Kunstspedition Deutschlands – ist nach dieser Ausschreibung verpflichtet, die unzähligen Kisten mit Kunst sicher aufzubewahren, bis sie wieder ins Museum gebracht werden können. Bedingung: „Der Lagerungsort muss eine möglichst geringe Entfernung zum Museum aufweisen.“ Damit soll das Sicherheitsrisiko auf dem Transportweg minimiert, die Kunstwerke so wenig wie möglich belastet werden. Und sie müssen für das Museumspersonal gut erreichbar sein und rund um die Uhr bewacht werden. Im Lagerraum müssen außerdem die gleichen Klimabedingungen herrschen wie im Museum.
Wo die Wallraf-Schätze gelagert werden, ist geheim
Wohin genau die Kunstwerke gebracht werden, ist geheim. Denn die Bilder aus dem 13. bis zum 20. Jahrhundert sind sehr viel wert, manche unschätzbar viel. Auch wenn es für einen gestohlenen Rubens oder Rembrandt eigentlich keinen Markt gibt – Kunsträuber arbeiten oft im Auftrag von Sammlern und dann verschwinden Meisterwerke möglicherweise auf Nimmerwiedersehen. Höchste Diskretion ist also Pflicht. Hasenkamp verrät nur so viel: „Wir verfügen weltweit über mehr als 170.000 Quadratmeter Lagerfläche. Die zertifizierten Depots sind klimastabil und rund um die Uhr überwacht.“ In Deutschland gibt es Lager in Köln, Düsseldorf, Berlin, Dresden, Frankfurt, Hamburg und München. Die Lagerfläche in Köln sei so groß wie dreieinhalb Fußballfelder und fasse 40.000 Objekte.
Die Bilder bleiben auch im Lager in den Transportbehältern, damit sie später sofort wieder einsortiert werden können. „Das kommt alles zurück“, sagt Sascha Schmitz. Sein Kollege stimmt zu. Dann schieben sie die Kiste mit der „Köchin“, der „Blumengirlande“ und den anderen Bildern auf einem Rollwagen behutsam und ruhig in den Aufzug und bringen sie in den Lastwagen.
Die hellen Leerstellen an den Wänden werden noch lange bleiben und von dem Abschied zeugen. Denn gestrichen wird bei der Sanierung erst ganz zum Schluss.
