Seit Monaten macht die „Letzte Generation“ mit ihren Klebeaktionen auf sich und ihre Forderungen aufmerksam. Regelmäßig blockieren Aktivisten auch Verkehrswege in Köln.
„Der Kleber war gut“Aktivisten blockieren Neumarkt – viel Geschrei, kein Zusammenfinden

Klima-Aktivsten der 'Letzte Generation'blockieren die Aachener Straße. (Archivfoto)
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Der „Medienbeauftragte“ an diesem Freitagmittag empfängt die Journalisten hinter dem Neumarkt-Parkhaus. Während sich nur wenige Meter entfernt Drogensüchtige Spritzen setzen, spricht Gerhard, wie er sich nennt, über den „Klimakatastrophen-Kanzler“, die Polizei, die er „Team Blau“ nennt und über wütende Autofahrer. Dass Autofahrer im Stau hinter einer Blockadeaktion genervt sind, versteht er. „Aber der zivile Ungehorsam muss sein“, sagt Gerhard, der in Rente ist und früher in der Elektrobranche gearbeitet hat.
Man findet nicht zueinander
Dass Autofahrer und Passanten wütend sind, bekommt Gerhard später hautnah mit. Mehrere Klimakleber blockieren am Mittag den Neumarkt. Aus Richtung Deutz geht von 12.10 Uhr bis um kurz nach 13 Uhr nichts mehr. Autofahrer steigen aus und beschimpfen die „Klima-Kleber“. Auch ein Touristenbus auf seiner Sightseeing-Fahrt steht im Stau. Ein Mann auf einem Fahrrad schreit Ausdrücke aus der Fäkaliensprache so laut, dass er so gar den Lärmpegel auf dem Neumarkt übertönt.
Dann kommt eine Art Notfallmanager der KVB. Wenn eine Bahn aus den Schienen springt, muss der Mann ran. Er muss zur Arbeit, doch er kommt nicht weiter. Eine Diskussion mit einer Aktivistin führt zu keinem Ergebnis – die Klima-Kleberin geht weg. Passanten auf dem Bürgersteig nennen die Aktivisten „Nazis“, das geht vielen Schaulustigen zu weit, und nun wird der Passant beschimpft. Alles ohne große Ergebnisse. Man findet nicht zueinander. Wieder einmal wird deutlich: Das Thema „Letzte Generation“ und die Blockadeaktion wird immer emotionaler diskutiert, manche Passanten lassen die gute Kinderstube vermissen. Eine Polizistin hat zwischen den stehenden Fahrzeugen auf der Cäcilienstraße fast mehr zu tun, als die Kollegen direkt an der Blockadestelle. Die Beamtin läuft von Auto zu Auto und fragt, ob die Menschen Strafanzeige stellen wollen: „Wir sind angehalten, die Autofahrer in den ersten drei Reihen zu fragen, ob sie Anzeige erstatten wollen.“ Ein Autofahrer mit einer schwangeren Frau auf dem Beifahrersitz ist einer der ersten: „Ich habe für diese Aktion kein Verständnis.“
Sonnenblumenöl mittlerweile in vielen Polizeiwagen vorrätig
Während die Polizisten Strafanzeigen aufnimmt, ist das Sonnenblumenöl eingetroffen. Eine Fünf-Liter-Plastikflasche wird neben einer Aktivistin auf die Straße gestellt und das Öl abgezapft. Vorsichtig mit einem Spachtel versucht ein Polizist die Hand zu lösen. Dies dauerte über eine halbe Stunde. „Der Kleber war gut“, sagte der Beamte später mit einem Augenzwinkern. Für ihn war es das erste Mal, dass er eine aufgeklebte Hand lösen musste. Dann tragen die Kollegen das Sonnenblumenöl aus Polen in den Streifenwagen zurück. Mehrere Polizeiwagen seien mittlerweile mit dem Stoff ausgerüstet.
Nach der Lösung vom Asphalt wird die Aktivistin von Polizisten von der Straße getragen. Ihre Hand blutet leicht. Ein Rettungssanitäter fragt, ob er sie versorgen soll. Doch das lehnt die Frau ab. Nach 13 Uhr beruhigen sich die Gemüter wieder – die Straße ist wieder frei. „Medienbeauftragter“ Gerhard denkt schon an die nächste Aktion – diesmal in Berlin.
