Unter dem Titel „Der tut’s noch“ spürt der Kabarettist dem Altern, den aktuellen politischen Entwicklungen und ehemaligen Weggefährten nach.
ComediaWilfried Schmickler gibt den Synapsen „Fritzefrei“

Schmickler präsentierte sein aktuelles Programm in seinem Stammtheater, der Comedia.
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„Da sind wir ja hier genau richtig.“, freut sich Wilfried Schmickler, Jahrgang 1954, und das ebenfalls in die Jahre gekommene Stammpublikum freut sich mit ihm. Die Premiere seines neuen Programms feierte der Kabarettist wie üblich in seinem Stammtheater, der Comedia – und die firmiert mittlerweile als „Zentrum der Kultur für junges Publikum“.
„Der tut’s noch“ ist der aktuelle Programmtitel, und das Fazit des Abends auf den Punkt gebracht, lautet: Stimmt! Auch wenn, da ist Schmickler ganz ehrlich, die körperlichen Gebrechen – Cholesterin, Rücken- und Knieprobleme sind nur einige davon – zunehmen. Fünf verschiedene Medikamente muss er schon jetzt jeden Tag einnehmen. „Das spricht für das große Vertrauen, das ich in meinen Arzt habe. Ich meine, wenn ein Bäcker Ihnen ein Brot empfiehlt, dann hat er das doch wenigstens vorher selbst probiert.“
Lyrik der Beipackzettel
Die Beipackzettel seiner Medikamente habe er sorgfältig in Ordnern archiviert und ins Regal gestellt. Wann immer er Lust habe, schmökere er in der Lose-Blatt-Sammlung und sei ganz fasziniert von all den möglichen Nebenwirkungen. „Was brauche ich schon Rilke, wenn ich meine Beipackzettel habe?“
Dem Rauchen, hat er noch nicht abgeschworen, aber immerhin eine Methode entwickelt, um sich nicht über Gebühr von möglichen Nebenwirkungen stressen zu lassen: „Wenn ich auf der Zigarettenpackung diese Bilder mit den unappetitlichen Krebsgeschwüren sehe, sage ich immer: Geben Sie mir lieber eine Schachtel mit Impotenz.“ Genau diesen Gag brachte übrigens Gerd Köster schon vor Jahren in umgekehrter Form. Notfalls könnte Schmickler also auch mit ihm die Packung tauschen.
Als Hauptverantwortlicher bekommt Merz sein Fett weg
Nachdem das Thema Gesundheit abgehandelt ist, wird es Zeit für eine gute Nachricht: „Der Sommer 2026 ist endgültig vorbei.“ Der Hauptverantwortliche des Kompetenzwirrwars und politischen Versagens angesichts der Hitzewelle steht für ihn fest: Bundeskanzler Friedrich Merz. Schmickler: „Es japsen die Synapsen, wir brauchen Fritzefrei.“
Auch die „Runde auf dem Personalkarussell“ infolge des Rücktritts des CDU‑Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn geht natürlich auf Merz‘ Kappe. Und wirft zudem die Frage auf, warum der Verkehrsminister eigentlich immer die größte Pfeife im Kabinett sein muss. „Seitdem sieht Merz noch älter aus, als er ohnehin schon ist“, resümiert Schmickler und schlägt auch gleich einen passenden Slogan vor: „Das Elend der Welt hat viele Gesichter, wie findet ihr meins?“
Fassungslosigkeit angesichts der Wahlerfolge der AfD
Zwischendurch kommt auch ein bisschen Wehmut auf, nämlich als Schmickler offenbart, sein Bühnenjackett stamme von seinem Freund Richard Rogler. Dieser hatte es ihm kurz vor seinem Tod geschenkt, ebenso wie eine seiner bekanntesten Nummern über deutsche Arbeitsmoral und Work-Life-Balance, die Schmickler zu Ehren des Kollegen noch einmal vorträgt.
Am nachdrücklichsten bleibt aber ein Moment gegen Ende des ersten Programmteils in Erinnerung, als die Bühnenattitüde gänzlich in den Hintergrund tritt und dem ganz privaten Wilfried Schmickler Platz macht. „Sie haben sicher gemerkt, dass ein Thema noch gar nicht vorgekommen ist, nämlich die AfD“, beginnt er. „Die Wahrheit ist, ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Nur so viel: Ich bin fassungslos.“
Doch Schmickler wäre nicht Schmickler, wenn er nicht in der zweiten Hälfte doch noch gegen den selbst in der eigenen Partei als rechten Hardliner geltenden Björn Höcke austeilen würde. Dieser äußerte kürzlich in einem Podcast, dass nur, wer aus den neuen Bundesländern stamme, sich als „echter Deutscher“ fühlen dürfe. Westdeutsche hingegen seien lediglich „deutschsprechende Amerikaner“. „Ich entspreche also nicht Höckes Bild eines echten Deutschen“, resümiert Schmickler. „Na, Gott sei Dank!“
Nächste Köln-Termine: 30.11. und 1.12., Senftöpfchen
