Am 26. September entscheiden die stimmberechtigten DOSB-Mitglieder zwischen Köln-Rhein-Ruhr, München und Berlin. Vier Tage vorher gibt der Verband eine Stellungnahme ab.
Deutscher OlympiabewerberBundespräsident Frank-Walter Steinmeier verkündet den Wahlsieger

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor den olympischen Ringen.
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Köln-Rhein-Ruhr, München oder Berlin? Das ist aktuell die große Frage im deutschen Sport. Die Entscheidung, wer deutscher Bewerber um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele 2036, 2040 oder 2044 werden soll, rückt näher. Fest steht bislang nur: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird in gut einer Woche, am 26. September, zusammen mit Thomas Weikert, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), in Baden-Baden am frühen Nachmittag den Sieger verkünden. Das gab der Verband am Mittwoch bekannt.
Vier Tage vorher, am kommenden Dienstagabend, will sich der DOSB in „einer ausführlichen Stellungnahme“ zu seinen Erkenntnissen über die jeweiligen Konzepte der drei Bewerber äußern. Eine neunköpfige Evaluierungskommission mit Mitgliedern aus DOSB, Sportverbänden, Sportpolitik, Athletenvertretung, Landesverbänden und Behindertensport hat die Pläne der drei Bewerber in den vergangenen Monaten genauestens unter die Lupe genommen. Gefunden werden soll der Bewerber mit den größten internationalen Chancen, und das möglichst transparent und nachvollziehbar, so überschreibt der DOSB all seine Erklärungen zum Evaluierungsprozess. Am 22. September trifft sich die Kommission zu ihrer abschließenden Sitzung. Eine wie früher übliche Präsentation der Bewerber, mit Musik, Emotionen und prominenten Fürsprechern, soll es dann vor der Wahl nicht mehr geben.
Teil der hoch komplexen Evaluierung war etwa ein Check der Fahrzeiten. Dafür mussten einige DOSB-Mitarbeiter nachts um drei Uhr an drei nicht aufeinanderfolgenden Tagen Wegezeiten bei Google Maps abfragen. Die Ergebnisse mögen jedem unrealistisch erscheinen, der tagtäglich rund um Köln, München oder Berlin im Stau steht, doch so lautet die Vorgabe des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für die Berechnung. Dort geht man von optimalen Reisezeiten für Athleten und Funktionäre aus, da ihnen für die Zeit von Olympischen Spielen in den Ausrichterstädten eine Fahrspur freigehalten wird – die sogenannte „Olympic Lane“.
Geheime Wahl, 144 Stimmen
Ob der DOSB ein Ranking vorlegen oder gar eine klare Empfehlung für einen der drei Bewerber abgeben wird, steht noch nicht fest. Klar ist nur: Die Wahl bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Verbandes findet in geheimer Abstimmung statt und ist unabhängig von den Evaluierungsergebnissen. Wer deutscher Bewerber werden will, braucht die absolute Mehrheit der 144 Stimmen. Diese kommen von den 42 olympischen Fachverbänden – sie haben jeweils drei Stimmen, müssen diese aber einheitlich an einen Kandidaten geben – zehn Mitgliedern des DOSB-Präsidiums und acht persönlichen DOSB-Mitgliedern.
Erreicht im ersten Wahlgang keiner der drei Bewerber die absolute Mehrheit, scheidet derjenige mit den wenigsten Stimmen aus und die anderen beiden gehen in eine Stichwahl.
„Die Chance war nie größer“, sagte Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) zuletzt zu den Ambitionen von Köln-Rhein-Ruhr. Seine Affinität zum Sport ist kein Geheimnis: Bevor er den Chefsessel im Kölner Rathaus übernahm, war er Vorstandsvorsitzender des DOSB. Wenn er dieser Tage also Klinken putzt bei den Sportfachverbänden und persönlichen DOSB-Mitgliedern und um deren Stimmen wirbt, trifft er auf alte Bekannte. Ob das hilft? Oder ob Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zurecht frohlockt, weil München gerade zum Ausrichter des Finales der Fußball-Champions-League 2028 und der Leichtathletik-WM 2031 bestimmt wurde? Im Rennen um Olympia sieht Söder München dadurch nach vorn katapultiert. Berlin werden von Experten die geringsten Chancen zugeschrieben, weil dort kein Bürgerreferendum stattgefunden hat.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) und Kölns OB Torsten Burmester (SPD) am Tag des Ratsbürgerentscheids vor der in den olympischen Farben leuchtenden Hohenzollernbrücke in Köln.
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In NRW bildet Burmester mit Landeschef Hendrik Wüst (CDU) eine sportbegeisterte Doppelspitze. Kurz nach Burmesters Wahl zum OB einigten sich beide auf eine leichte, aber möglicherweise entscheidende Änderung am seit Jahren vom Kölner Sportmanager Michael Mronz (inzwischen IOC-Mitglied und offiziell neutral) vorangetriebenen Konzept. Köln wurde zur Leading City der NRW-Bewerbung hochgestuft, ohne die Idee von einer ganzen Region als Ausrichter aufzugeben. Jetzt tritt also nicht mehr Rhein-Ruhr gegen München und Berlin an, sondern Köln-Rhein-Ruhr. Schafft NRW es durch den nationalen Entscheid, könnte daraus für die internationale Bewerbung einfach Cologne werden. Cologne 2036. Oder eben Cologne 2040 oder 2044. Klingt doch fast so schön wie Paris 2024 oder London 2012.
Deutschland bringt sich für mehrere Jahre als Bewerber in Stellung, um seine Chancen auf den Zuschlag zu erhöhen. Bislang steht nicht fest, in welchem der Jahre, 2036, 2040 oder 2044, das IOC sein Megaevent wieder nach Europa vergeben will. Unter der neuen Präsidentin Kirsty Coventry, die im Juni 2025 den Deutschen Thomas Bach ablöste, ist alles noch ein bisschen ungewiss. Zuletzt fanden die Sommerspiele 2024 in Paris statt. Eine erste Auswahl für die Ausgabe 2036 soll im Frühjahr 2027 getroffen werden, die Entscheidung fällt aber wohl erst Mitte 2029.
Die nächsten Sommerspiele finden 2028 in Los Angeles statt. Vier Jahre später ist das australische Brisbane an der Reihe, das gern als Beleg für Kölns Chancen herangezogen wird. Frei nach dem Motto: Seht her, es muss nicht die schillernde Hauptstadt einer Nation oder eine Weltstadt sein, das IOC geht längst neue Wege.
