Köln braucht einen neuen Stadtdirektor: Stephan Keller (50, Foto) ist am Sonntag mit 55,99 Prozent zum neuen Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Düsseldorf gewählt worden, er folgt auf Thomas Geisel von der SPD, der nur 44,01 Prozent holte.
Keller war Anfang 2017 nach Köln gekommen, in der Landeshauptstadt war er von 2011 bis 2016 Dezernent für Ordnung und Verkehr. Der passionierte Radfahrer hat sich in Köln einen guten Ruf erarbeitet: Er gilt als Verwaltungsprofi mit Machtdenken, stand aber teils in der Kritik, unter anderem, weil er die dunkle Passage des Ebertplatzes nach einem tödlichen Streit zuschütten wollte. Dagegen protestierten die Betreiber der Kunsträume, Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der Stadtrat kassierten die Pläne.
Die Verwaltung braucht nun einen Nachfolger für Keller, es ist das wichtigste Dezernat, weil der Stadtdirektor auch die OB vertritt. Die Aufgaben reichen unter anderem vom Personal über die Feuerwehr bis zu den Bürgerämtern. Wer Kellers Job übernimmt, ist offen, das entscheidet ein neues Bündnis im Stadtrat. Es gilt als sicher, dass die Grünen als stärkste Fraktion einen Kandidaten vorschlagen dürfen. Immer wieder gehandelt wird Kämmerin Dörte Diemert, sie steht den Grünen nahe, ist aber parteilos. Sie war auf Vorschlag der Grünen 2019 aus Duisburg gekommen. Seit Kellers Urlaubsantritt für den Wahlkampf im Juli übernehmen Diemert und drei weitere Dezernenten sowie Reker seine Aufgaben. Laut Stadt kehrt er nun noch mal nach Köln zurück, in Düsseldorf kann er frühestens am 1. November übernehmen, wenn Geisel ausgeschieden ist.
Zusätzlich zu Keller stehen in den nächsten fünf Jahren bis zur Kommunalwahl 2025 weitere Besetzungen an der Stadtspitze an, die ein neues Bündnis im Rat unter sich aufteilen wird. Es enden die jeweils achtjährigen Amtszeiten von Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach (2021), Umweltdezernent Harald Rau (2024) und Verkehrsdezernentin Andrea Blome (2024). Eine weitere Amtszeit von Laugwitz-Aulbach gilt als unwahrscheinlich, eine geplante Abwahl scheiterte 2017. Und ob Blome dann noch in Köln ist? Sie kam 2017 mit Keller aus Düsseldorf, und es gibt Stimmen, die ihre Rückkehr dorthin vorhersagen, falls Keller gewinnt. Blome äußerte sich zurückhaltend dazu.

