Köln – Zehn Jahre lang war unklar, wann die Bühnen der Stadt Köln wiedereröffnen. Vor drei Wochen hat der technische Betriebsleiter Bernd Streitberger mit seinem Team ein Datum für die Schlüsselübergabe ausgegeben: Am 22. März 2024 sollen Oper, Schauspielhaus, Kinderoper und Kleines Haus den Betrieb aufnehmen. Die Rundschau blickte hinter die Kulissen der Großbaustelle am Offenbachplatz und stellt das Datum auf den Prüfstand.
Opernhaus-Bühne kurz vor Fertigstellung
Zumindest das Herzstück, die Bühne im Opernhaus, ist fast fertig. Laut Pressesprecher Christopher Braun sind die Arbeiten an der Bühne sogar zu 95 Prozent abgeschlossen. Eindrucksvoll erstreckt sich die Technik durch den Bühnenturm in die Höhe. Die neue Ober- und Untermaschinerie läuft, die unterschiedlichen Plattformen wie zum Beispiel die neue Drehbühne sehen einsatzbereit aus. Auch die Steuergeräte sind bereit, es gibt laut Braun sogar schon Techniker, die mit der neuen Anlage trainieren. Das einzige, das noch fehlt, ist ein Panel, in dem die Steuerungen für die beiden Maschinerien zusammengelegt werden. Die Licht- und Medientechnik ist derzeit fast vollständig in den Interimsstätten Depot und Staatenhaus im Einsatz.

Die Türen zu den Logen im Innern sind derzeit ausgebaut und die Durchgänge mit Holzbeschlägen verschlossen.
Copyright: Meike Böschemeyer
Nur wenige Meter darunter laufen im Erdgeschoss die Arbeiten auf Hochtouren. Zum einen kommt neuer Estrich in die Flure, für den der alte ausgestemmt wird, zum anderen werden die Luftschächte, die unter dem Zuschauerraum verlaufen, „hygienisch ertüchtigt“. Es steht eine Grundreinigung an, auf die ein neuer Anstrich folgt. Das ist keine Arbeit für Menschen mit Klaustrophobie. Die Schächte sind gerade so groß, dass ein Arbeiter liegend auf einem Rollbrett hineinpasst, und so lang, dass die Dunkelheit beim Blick hinein das Ende des Tunnels verschluckt.

Nur eine Stirnlampe und ein Rollbrett nehmen die Arbeiter mit in die engen Lüftungsschächte unterm Zuschauerraum.
Copyright: Meike Böschemeyer
Allein im sogenannten Orchestergraben unmittelbar vor der Bühne sind 22 dieser Schächte. Sie gehören zur Belüftungsanlage des Zuschauerraums. Dort ist auch ein Beispiel dafür zu sehen, dass Denkmalschutz eine Baustelle nicht lähmt, sondern kreative Lösungen fordert. Im Saal hingen früher meterlange Holzlamellen hochkant an den Wänden. Nun hängen dort moderne, holzfarbene und gelöcherte Metallschienen, die lediglich eine Verkleidung aus Holz haben. „Wir haben die klassischen Oberflächen, hinter denen durchaus moderne Technik stecken kann“, erklärt Chistopher Braun.
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Einige Risiken könnten die Eröffnung gefährden
Der bisher größte Erfolg bei der Sanierung war für den Pressesprecher der Schritt vom Planen zum Bauen: „Wir haben es geschafft, von der anspruchsvollen Bestandsaufnahme und Planung zu einem intensiven Baubetrieb zu kommen.“ Überall wuseln die Arbeiter mit Helmen, Sicherheitsschuhen und Warnwesten. Beim Gang durch alle Bühnen – zu denen Oper und Schauspielhaus, aber auch die neue Kinderoper und das Kleine Haus gehören – schuften sie – ob am Stemmhammer, im Radlader oder an der Technik.
Auf und abseits der Baustelle lauern jedoch Unsicherheiten. „Es gibt viele Risiken wie zum Beispiel Insolvenz, Covid-19 oder die Lieferketten“, verrät Braun: „Diese Risiken werden wir wohl bis zum letzten Tag haben. Wir schauen sie uns an und arbeiten dagegen.“
Transparente Baustelle
644 Millionen Euro. Das ist die Summe, die die Bühnen der Stadt Köln als Höchstsumme für die Sanierungskosten derzeit ausgeben. Als die Sanierung am 18. Juni 2012 begann, sollte sie 2015 abgeschlossen sein und noch 253 Millionen Euro kosten. Mittlerweile dauern die Arbeiten seit zehn Jahren, einem Monat und drei Tagen an. In der Zwischenzeit haben die Verantwortlichen etwas getan, das in Deutschland und in der Branche unüblich ist: Sie haben auch die Finanzierungskosten mit 239 Millionen angegeben. Also die Kosten für die Kredite, die aufgenommen wurden. Zusätzlich zu den Kosten für die Interims von 130 Millionen könnte die Sanierung am Ende mehr als eine Milliarde Euro kosten. Für die Kölner bedeutet das eine absolut transparente Baustelle – und nicht nur, dass selbst die „versteckten“ Kosten angegeben worden sind. Interessierte können die Baustelle auch besuchen. Regelmäßig werden kostenlose Führungen von anderthalb Stunden über das Gelände und in der Oper angeboten, die allerdings aufgrund der Baumaßnahmen nicht barrierefrei sind. Termine können auf der Internetseite gebucht werden. (rom)
Ein Beispiel dafür ist der vorzeitige Einkauf von Material wie Dämmung, die nun bereits in den Räumen darauf wartet, verbaut zu werden. Durch die Bedrohung von Engpässen und Materialknappheit kaufen die Verantwortlichen heute früher ein und lagern mehr. Es gibt aber auch andere Herausforderungen auf dem Weg dahin, vier schlüsselfertige Häuser am 22. März 2024 zu übergeben. Braun sagt: „Es gibt diverse: Die größte ist die Koordination des Ganzen, also die Firmen und das Material zum richtigen Zeitpunkt auf der Baustelle zu haben.“
Einerseits wirkt die Baustelle, auf der endlose Kilometer an Stromkabeln und Lüftungsrohren verlegt wurden, bereits teilweise sehr fertig. So ist beispielsweise der ursprüngliche Boden im Innern des Zuschauerraums der Oper bereits wieder verlegt. Auf Großbaustellen kann vor allem die Technik ein Risikofaktor sein. Die ist ebenfalls fast fertig: Die Bühne fährt. Andererseits fehlen noch unzählige Dinge: Treppenstufen, Böden, teilweise Türen, Fenster, Sanitäranlagen. Somit ist noch einiges an Arbeiten nötig, damit Bernd Streitberger und sein Team der Bühnen am 22. März 2024 und nach dann 4296 Tagen Sanierung wieder ihre Tore öffnen können.



