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Sicherer Umgang  Smart Camp lehrt Schüler Chancen und Risiken der Digitalisierung

Tim (14) und Leon (15; v.l.) spielen für ihr Leben gerne an der Konsole.

Tim (14) und Leon (15; v.l.) spielen für ihr Leben gerne an der Konsole. 

Köln-Chorweiler – Leon ist wie im Tunnel, wenn er spielt. Nichts darf ihn rausreißen, jede Störung nervt ihn. Als sich seine Zimmertür öffnet, steht seine Mutter mahnend darin, denn Leon sollte heute eigentlich den Hausflur putzen. Da kommt es zum Streit: „Gleich!“, brüllt der 15-Jährige nur. Als es wieder still wird, weiß er sofort, diese Reaktion war daneben. „Ich war einfach voll drin“, erklärt sich Leon, denn die Spielekonsole ist seine Leidenschaft.

Mit solchen Situationen ist der Schüler der Ursula-Kuhr-Schule bei Chorweiler wahrscheinlich nicht alleine. Denn als sein Schulleiter Thomas Knobloch die 9. Jahrgangsstufe fragt, wer hier spielt, gehen fast alle Finger von Leons Mitschülern hoch. „Ich habe manchmal acht Stunden am Stück gespielt“, erzählt sein Kumpel Tim (14). Neben der Zeit an der Konsole schaue er auch viele Videos auf der Plattform YouTube und verbringe Zeit auf Instagram. „Wir kämpfen gegen ein riesiges Problem“, sagt Knobloch.

Schnelllebige digitale Welt der Kinder ist oft ein Problem für Eltern und Lehrkräfte

Doch wie schafft man es, die Jugendlichen bei einem kontrollierten Umgang mit Konsolen und Smartphones zu unterstützen? Oft haben Eltern und Lehrkräfte das Gefühl, keinen Zugang mehr zu den schnelllebigen digitalen Welten der Kinder zu finden. „Wir sind auf das Wissen von Experten aus der Praxis angewiesen“, stellt Knobloch fest.

Deshalb findet an der die Ursula-Kuhr-Schule in dieser Woche unter der Schirmherrschaft von CDU-Politiker Florian Braun (MdL) das Smart Camp statt: An drei Projekttagen lernen 70 Schülerinnen und Schüler aus der 9. Jahrgangsstufe, welche Risiken aber auch welche besonderen Chancen die Digitalisierung für sie bereithält.

Faszination Gaming: Geld verdienen mit dem Zocken

Am ersten Tag geht es dabei um Datendiebstahl und Medienrecht. An den restlichen Tagen müssen die Jugendlichen selbst aktiv werden, unter anderem als Spieleentwickler Kreativität beweisen. „Gaming ist eine wichtige Branche, mit der man viel Geld verdienen kann“, erklärt der Schüler Leon sein Interesse an dem Thema. Der erfolgreichste deutsche Spieler hat durch Online-Tuniere schon Gewinne von über vier Millionen Euro gemacht.

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Dass wenige mit den digitalen Medien viel Geld verdienen, erhöht die Faszination von Computern und Spielkonsolen für junge Menschen nur noch mehr. Eine Entwicklung, mit der die Schulen nicht Schritt halten. Die Lehrpläne enthalten keine Kurse zu Präventionsmaßnahmen. Selbst Corona hat die Schulen nicht auf die Höhe der Zeit gebracht. „Die Digitalisierung an Deutschlands Schulen ist hinterwäldlerisch“, sagt Schulleiter Knobloch.

Finanziert wird das Smart Camp von der West-Lotto. Schulen können das Angebot auf Wunsch buchen.