Ein neuer Riesenprozess: Im Fall des Kölner Drogenkrieges hat das Landgericht mittlerweile fast 50 Verhandlungstage angesetzt.
DrogenkriegZu viele offene Fragen: Prozess bis November verlängert

Polizeibeamtinnen untersuchen ein Lokal in Deutz nach einer Explosion, die die Ermittler mit dem Drogenkrieg in Verbindung bringen.
Copyright: Daniel Taab
Das nennt man immensen Gesprächsbedarf: Das Kölner Landgericht hat für juristische Aufarbeitung des Drogenkrieges rund um den mutmaßlichen Anführer Sermet A. weitere Verhandlungstage anberaumt. Insgesamt steigt die Zahl der noch anstehenden Verhandlungstage auf sage und schreibe 48. Dies bestätigte das Landgericht auf Anfrage der Rundschau. Das Ende des Prozesses ist derzeit für den 26. November 2026 vorgesehen. Ursprünglich sollte das Urteil im Juni 2026 fallen. Die Kammer hat allerdings noch viele Fragen und hat nun zahlreiche weitere Prozesstermine vorgesehen.
Seit Dezember 2025 steht der mutmaßliche Drahtzieher Sermet A. vor Gericht.Dem 23-Jährigen droht laut Anklage der Staatsanwaltschaft die Sicherungsverwahrung. In dem Gesamtkomplex ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft stand Ende 2025 gegen zirka 90 Beschuldigte. Darunter sind (mutmaßlich) Beteiligte am bandenmäßigen Drogenhandel in Kalk, an Geiselnahmen in Hürth und Rodenkirchen, an verschiedenen Sprengstoffdelikten in Köln und weiteren Tatorten sowie Drogenlieferanten und zahlreiche Zwischenhändler, die die aus Kalk bezogenen Betäubungsmittel gewinnbringend weiterverkauft haben sollen, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit.
Anklage zur Explosion vor Disko steht aus
Die Behörde habe bislang gegen 37 Personen Anklage erhoben, von denen 21 bereits verurteilt worden sind. Die verhängten Strafen bewegen sich zwischen einer achtmonatigen Bewährungsstrafe wegen unerlaubten Waffenbesitzes bis hin zu einer Freiheitsstrafe von über elf Jahren wegen der schweren Misshandlungen in einer Villa in Rodenkirchen. Insgesamt hat das Gericht in Köln bislang Freiheitsstrafen von 119 Jahren und Jugendstrafen von über 21 Jahren verhängt. Einige der Urteile sind bereits rechtskräftig. 34 Personen sitzen in Untersuchungshaft. „Ein konkretes Ende der komplexen und umfangreichen Ermittlungen ist derzeit nicht abzusehen“, teilte die Behörde unlängst mit.
Eine Anklage im Zusammenhang mit einer Explosion vor einer Ring-Disko steht noch aus.
