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Strafgericht in IzmirEhemaliger Kölner Rocker-Boss zu mehr als 15 Jahren Haft verurteilt

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„Neco“ auf einer undatierten Aufnahme aus den 90er-Jahren.

„Neco“ auf einer undatierten Aufnahme aus den 90er-Jahren.

In den 90er-Jahren war Coskun Necati Arabaci eine führende Figur im Kölner Rotlichtmilieu. Jetzt hat ihn ein Strafgericht in Izmir verurteilt.

Ende der 90er Jahre galt er als die Nummer Eins in der Kölner Unterwelt: Coskun Necati Arabaci, genannt Neco. Wenn ihm Rivalen im Rotlicht- oder Drogenmilieu zu nahe kamen, erteilte der türkische Boss auch schon mal ein Stadtverbot. Gab es Ärger im Milieu, konnte der Bandenchef umgehend 100 „Soldaten“ aufrufen.

Schon früh betrieb Neco ein Sicherheitsunternehmen mit der Rocker-Truppe „Hells Angels“. Die Security kontrollierte an etlichen Discos und Table-Dance-Etablissements den Einlass. Denn, wer die Tür hat, der bestimmt, welche Drogen und welche Prostituierten hineinkommen.

Einer der führenden Größen der Hells Angels in Europa

2002 ließ der inzwischen verstorbene Kölner Oberstaatsanwalt Jürgen Botzem den Schwerkriminellen verhaften. Zwei Jahre später zu neun Jahren Haft verurteilt, wurde Neco 2007 in seine türkische Heimat abgeschoben.

Im Badeort Izmir avancierte Arabaci zu einer der führenden Größen der Hells Angels in Europa. Nach wie vor soll er auch illegale Geschäfte hierzulande betrieben haben. Trotz Einreiseverbot soll er immer wieder in Deutschland aufgetaucht sein.

Strafgericht in Izmir hat Arabaci zu mehr als 15 Jahren Haft verurteilt

Lange wähnte er sich sicher, fungierte als Anlaufstelle für kriminelle Höllenengel aus dem Rheinland. Doch das Blatt hat sich gewendet. Ein Strafgericht in Izmir hat den Rocker-Anführer zu 15,5 Jahren Haft verurteilt. Dabei geht es um „Gründung und Leitung einer Organisation mit dem Ziel, Straftaten zu begehen“ sowie um die „vorsätzliche Körperverletzung im Rahmen der Führung einer zur Begehung von Straftaten gegründeten Organisation“ nebst gefährlicher Körperverletzung und unerlaubtem Waffenbesitz.

Den Erkenntnissen zufolge soll Neco auch bei der sogenannten „Call-Center Mafia“ eine Rolle gespielt haben. Von Izmir aus hatten Ableger kurdisch-libanesischer Clans sowie Rocker-Banden alte Menschen in Deutschland mithilfe der „Enkel-Trick-Masche“ übertölpelt. Sogenannte „Keiler“ machten den Opfern am Telefon weis, dass sie ihre Verwandten und in Geldnot geraten seien. Folglich bräuchten sie Hilfe. Gingen die Senioren darauf ein, schickten die Betrüger Abholer vor Ort hin, um Schmuck aufzunehmen oder in bar abzukassieren.

Zusammenarbeit mit Betrügern und Schutzgelderpressungen

Arabaci soll laut Anklage mit diesen Betrügern zusammengearbeitet und Provisionen eingestrichen haben. Als einer der Geneppten nach Izmir gereist war und sein Geld zurückverlangte, wurde er brutal zusammengeschlagen.

Eine weitere Spezialität: Schutzgelderpressung. Arabaci soll laut Urteil bizarre Gerichtsverhandlungen abgehalten haben. Etliche Geschäftsleute, Bar- oder Diskobesitzer sollen Neco um Hilfe gebeten haben. Der Pate entschied dann über Recht und Unrecht. Je nach Fall wurden die Protagonisten zu Strafen verdonnert. Wer sich nicht fügte, soll durch seinen Schlägertrupp namens „Papageien“ attackiert worden sein.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Insofern gilt die Unschuldsvermutung.