Der Mann aus Köln soll zu Unrecht mehr als eine Million Euro pandemiebedingter Wirtschaftshilfen erlangt haben. Die Festnahme in Palma ist nur ein Puzzlestück in einem komplexen Kriminalfall
Zugriff auf MallorcaKölner Fahnder nehmen mutmaßlichen Corona-Betrüger fest

Der mutmaßliche Betrüger aus Köln hatte sich nach Mallorca abgesetzt.
Copyright: dpa
Der Zugriff geschah in einem Hotel auf Mallorca. In der Hauptstadt Palma hatten Fahnder einen gesuchten Betrüger aus Köln ausfindig gemacht und vor zwei Wochen festgenommen. Nun sitzt der 48-Jährige in einer Polizeizelle in Köln und vermutlich bald in Untersuchungshaft. Am Dienstag war der Verdächtige von Spanien nach Deutschland überführt worden. Gegen den Mann lag ein europäischer Haftbefehl vor.
Betrügereien im Zusammenhang mit Corona-Soforthilfen hatten sich während der Hauptzeit der Pandemie für viele Kriminelle als reizvoller Weg zum schnellen Geld herauskristallisiert. Die Kölner Staatsanwaltschaft führte seit dem Frühjahr rund 1500 Verfahren gegen etwa 2000 Personen, sagte Staatsanwältin Stephanie Beller der Rundschau. Derzeit bearbeitet die Staatsanwaltschaft noch 140 Verfahren. Der aktuelle Fall mit der Festnahme auf der Urlaubsinsel gehört zu den größeren Verfahren.
Mehr als eine halbe Million Euro erlangt
Der Beschuldigte soll zu Unrecht mehr als eine halbe Million Euro pandemiebedingter Wirtschaftshilfen erlangt haben. Der 48-Jährige war unmittelbar vor einer großangelegten Durchsuchungsaktion der Polizei im Kölner Umland im April geflüchtet und hatte sich nach Mallorca abgesetzt, wohin er Bezüge haben soll. Eine 58 Jahre alte Verdächtige war bei der Durchsuchung verhaftet worden. Gegen sie hat die Staatsanwaltschaft mittlerweile Anklage wegen Subventionsbetrugs mit einer Schadenshöhe von rund 600 000 Euro erhoben.
Die Flucht vor der Polizei kommt den Ermittlern auch Monate nach dem Vorfall noch merkwürdig vor. Ganz unmittelbar bevor die Fahnder in die Räume eindrangen, war der 48-Jährige verschwunden. Gab es einen Tipp? Die Staatsanwaltschaft teilte dazu mit: „Ermittlungen im Zusammenhang mit einer Warnung des Beschuldigten vor der Maßnahme am 5. April 2022 werden nicht geführt“.
Puzzlestück in einem komplexen Kriminalfall
Die Festnahme in Palma ist nur ein Puzzlestück in einem komplexen Kriminalfall, der mit einer Razzia am 5. April 2022 in der Öffentlichkeit bekannt wurde. Dabei geht es in zwei Ermittlungsverfahren um Verdacht des gewerbsmäßigen Subventionsbetruges bei „Corona-Hilfen“ und im Zusammenhang mit „Starkregen-Soforthilfen“.
Die Beschuldigten sollen zehn Anträge nach der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 gestellt haben, ohne dass ein entsprechender Schaden vorlag, teilte die Kölner Polizei mit. Es wurden schließlich 6500 Euro ausgezahlt. Die Summe bei den Corona-Hilfen sind wesentlich größer. Es wurden in einem Fall Subventionen in Höhe von 971 739,85 Euro beantragt, ausgezahlt wurden 362 000 Euro, sagte ein Polizeisprecher.
In einem weiteren Fall wird den Beschuldigten vorgeworfen, für fünf Firmen insgesamt 15 Anträge für Wirtschaftshilfen gestellt zu haben.
Auch hier sollen die Voraussetzungen nicht vorlegen haben. Diesmal geht es um einen ausgezahlten Betrag von rund 1,3 Millionen Euro, beantragt wurden rund 1,8 Millionen Euro. Bei der Razzia im April gab es Durchsuchungen in zehn Wohn- und Geschäftsräumen, die Fahnder waren damals in Köln, Bergisch Gladbach und Bonn im Einsatz. Durchsuchungen gab es auch in Kanzleien von Steuerberatern in Köln und Bergisch Gladbach. Mitarbeiter sollen teils bei den Antragstellungen mitgewirkt haben.
Bei den Tatverdächtigen spricht die Staatsanwaltschaft von „beschuldigten Familienmitgliedern“. Ein Prozess ist noch in Ferne.