Köln – Im beschaulichen Wohnviertel an der Graseggerstraße in Longerich erinnert am Donnerstagmittag kaum etwas an die Tragödie vom Vorabend. Vereinzelt läuft Wasser aus Schläuchen aus dem Keller – sonst ist es ruhig. Es scheint auf den ersten Blick so, als ob das Alltagsleben normal weitergeht. Doch im Gespräch mit Anwohnern wird schnell klar: Der tragische Tod eines 54-Jährigen im Keller eines Haus schockt die Menschen. „Die Tür des Gebäude stand fast zwei Stunden offen und das Licht brannte“, sagte eine Anwohnerin. Angehörige schauten nach und fanden den Mann tot im Keller des Hauses . Vermutlich wollte der Bewohner wissen, wie hoch das Wasser im Keller steht und was dort los ist.
Es wird überprüft, ob der 54-Jährige an einem Stromschlag verstorben ist, teilte die Polizei mit. Die genaue Todesursache stand am Donnerstag aber noch nicht fest. „Er war ein netter Nachbarn“, sagte eine Anwohnerin.
Gegen 23.30 Uhr sei plötzlich der Rettungswagen vorgefahren, später sei die Polizei gekommen. „Da haben wir schon vermutet, dass etwas Schlimmes passiert sein muss“, sagte ein weiterer Nachbar. Seit 20 Jahren habe der Mann in dem Haus alleine gewohnt. Der Firmenwagen des 54-Jährigen stand am Donnerstag noch vor der Tür. Die Eingangstür wurde von Ermittlern des Kriminalkommissariates 11, zuständig für Todesermittlungen, versiegelt.
72-Jährige vermutlich an einem Stromschlag gestorben
Ein weiterer tragischer Fall im Zusammenhang mit dem Wetterchaos geschah am späten Mittwochabend auf der Unteren Dorfstraße in Bocklemünd. Eine 72-Jährige stieg gegen 21.30 Uhr in die Kellerräume und starb ebenfalls möglicherweise an den Folgen eines Stromschlages, sagte ein Polizist. Auch in diesem Fall steht die genaue Todesursache noch nicht fest.
„Die Nachbarn sind alle geschockt“, sagte eine Anwohnerin. Sie wohnt direkt neben dem Haus , in dem die 72-Jährige und ihr Ehemann seit 20 Jahren lebten. „Wir kannten sie alle. Es war eine sympathische ältere Dame“, betont die Anwohnerin. Dann bricht die Frau das Gespräch mit den Journalisten ab, weil ihr die Tränen kommen. Ihr Mann übernimmt das Gespräch, auch wenn es ihm sichtlich schwer fällt. „Es hat sehr stark geregnet. Unsere Straße glich einem Bach und die Gullys konnten das Wasser nicht mehr fassen. Auf einmal fuhren Feuerwehrautos und der Rettungswagen vor“, sagte der Mann. Auch ein Rettungshubschrauber sei an der nahen Nattermannallee gelandet. Später hätte sich die Nachricht vom Tod der Frau schnell herumgesprochen; ihr Ehemann sei in eine Klinik gekommen.
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Für die Kölner Berufs- und Freiwillige Feuerwehr war der stundenlange Wettereinsatz, was die eingegangenen Notrufe angeht, beispiellos. „Das ist bisher einmalig“, sagte eine Feuerwehrsprecherin der Rundschau. Bis zum Donnerstagmorgen um 7 Uhr seien über 9100 Notrufe eingegangen. Noch am Donnerstagnachmittag waren noch rund 600 Einsätze offen. „Wir sind mit allem draußen, was geht“, ergänzte die Sprecherin, darunter auch das Technische Hilfswerk. Abgesehen von den beiden verstorbenen Menschen, sei Köln aber noch relativ glimpflich davongekommen. Bei den Einsätzen gehe es zum allergrößten Teil um vollgelaufene Keller und überflutete Straßen. Am Wiener Platz half ein ansässiger Arzt am Mittwochabend der Feuerwehr. Der Mediziner holte rasch ein Werkzeug und öffnete schnell einen großen Gullydeckel, damit das Wasser abfließen kann.
Die Stadtentwässerungsbetriebe (Steb) bezeichnet die Wetterlage von 4 Uhr in der Frühe bis zum Mittwochabend als „extremes Starkregenereignis“, wie eine Sprecherin sagte. Die stärkste Intensität der Niederschläge sei an der Station der Steb an der Gleuer Straße gemessen worden. Hier fielen 145 mm Niederschlag innerhalb von 12 Stunden. Dies entspreche in etwa der doppelten Mengen an Niederschlag für den gesamten Monat Juli (74mm).

