Frauen-Vergifter aus HürthPolizei wertet Datenträger aus – Motiv weiter unklar

Eine Flasche mit Thallium, das früher als Rattengift verwendet wurde. Heute ist es nicht mehr frei verkäuflich. (Symbolfoto Archiv)
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Köln/Hürth – Das werden langwierige Ermittlungen für die Mordkommission „Thallium“ im Kölner Polizeipräsidium: Nach Bekanntwerden mehrerer schwerer Vergiftungsfälle bei Frauen im privaten Umfeld eines 41-Jährigen aus Hürth werten die Beamten nun erstmal sichergestellte Datenträger aus. Es handle sich um eine „Vielzahl“ elektronischer Speichermedien, die bei dem Beschuldigten gefunden worden seien und gesichtet werden müssten, erklärte Ulrich Bremer, Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft am Donnerstag.
Dabei soll herausgefunden werden, ob der Beschuldigte nach dem Gift im Internet gesucht hat, seine Wirksamkeit gegoogelt und möglicherweise bestellt hat. Auch würden nun seine Finanzströme durchleuchtet und weitere Zeugen vernommen. Bei den Finanzermittlungen suchen die Ermittler nach einem möglichen Motiv, denn dies ist weiter noch völlig unklar, teilte die Anklagebehörde mit.
Thallium werde nicht mehr als Rattengift vertrieben und sei nicht mehr frei verkäuflich.
Hürther vergiftet mutmaßlich drei Frauen: Zwei sterben – Schwangere Freundin in Lebensgefahr
Dem Mann wird vorgeworfen, mehrere Frauen mit dem hochtoxischen Schwermetall Thallium vergiftet zu haben. Zwei Frauen - die Großmutter (92) seiner Lebensgefährtin und seine einstige Frau - sind tot. Seine schwangere Lebensgefährtin liegt mit einer Vergiftung im Krankenhaus und schwebt in Lebensgefahr. Ob der Fötus überlebt, ist ungewiss.
Ermittler hatten den 41-Jährigen am Dienstag in Hürth festgenommen und Thallium in seiner Wohnung sichergestellt. Der Haftbefehl gegen ihn beruht auf dem Mordmerkmal der Heimtücke. Allerdings bestreitet der 41-Jährige nach Angaben der Staatsanwaltschaft die vorgeworfenen Taten, die sich über einen längeren Zeitraum ereignet haben sollen. Der Mann war beruflich für die Einhaltung von Reinigung und Hygienevorschriften in Pflegeeinrichtungen zuständig.
Ex-Frau starb in einem Krankenhaus in Düsseldorf
Die ehemalige Frau des 41-Jährigen war im Mai 2020 in einem Düsseldorfer Krankenhaus gestorben. Nach Angaben der dortigen Staatsanwaltschaft war damals auch ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet und ein erhöhter Thallium-Wert festgestellt worden. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen gewesen, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Ein Anfangsverdacht für ein Tötungsdelikt hätte zunächst nicht vorgelegen. Mittlerweile wird der Fall von den Ermittlern aber mit dem 41-Jährigen in Verbindung gebracht.
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Der konkrete Verdacht gegen 41-Jährigen war am 27. November aufgekommen. Danach wurde unverzüglich angeordnet, dass die Leiche der 92-Jährige dringend untersucht werden. „Das Grab der Seniorin wurde wieder geöffnet“, sagte Bremer.. Danach seien beispielsweise die Blutwerte analysiert worden und es habe sich „unzweifelhaft“ herausgestellte, dass die Frau das Gift im Körper hat.Die Vergiftungszeichen reichen von Herzrasen, Krämpfen oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt bis zur Bewusstlosigkeit und Koma. In Europa seien schwere Vergiftungen allerdings selten geworden, schreibt etwa das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

