Nörgelnde Kinder, unzufriedene Eltern: Damit das Essen im Offenen Ganztag an den Schulen schmeckt, gehen einige Schulen neue Wege.
Neue Wege im GanztagWie das Essen in den Kölner Schulen noch leckerer werden soll

Es schmeckt Lisa (l.) und Lina im Ganztag der „Riehl Kids“.
Copyright: Lia Gasch
„Mir schmeckt’s nicht.“ Dass Kinder übers Essen nörgeln, kennen viele. Damit das im Offenen Ganztag nicht passiert, gehen einige Schulen neue Wege. So haben die „Riehl Kids“, die den Offenen Ganztag für die Ottfried-Preußler-Schule und die GGS Garthestraße betreiben, einen „Mensarat“ eingerichtet. Grundschülerinnen und -schüler bestimmen, was beim Mittagsessen ausgeteilt wird. Lustloses Stochern und gelangweilte Gesichter über dem Mensa-Tablett sollen damit der Vergangenheit angehören.
Mit Stift und Papier sitzen die Schüler alle vier Wochen fachmännisch am Rats-Tisch. Vom zweiten bis zur vierten Schuljahr entsendet jede Klasse einen Vertreter zu den Sitzungen mit der Schulleiterin. „Ich glaube, jeder würde gern mal“, sagt Lisa (8) aus der 2b , die sich das beliebte Amt geschnappt hat.
Ideen für den Mensa-Alltag werden gesammelt
Während die Viertklässler sich darum kümmern, was beim Caterer „Apetito“ bestellt wird, schlagen die anderen Ideen für den Mensa-Alltag vor. „Wir sagen, was uns stört oder was man verbessern kann. Wenn zum Beispiel Kinder beim Essen laut sind oder rumlaufen“, erzählt das Ratsmitglied Lina (7). Mit dem Amt kommt Verantwortung: „Wir schreiben dann die Sachen auf und erzählen sie freitags der Klasse“, erklärt Lisa. „Dabei muss man richtig gut zuhören“, betont ihre Ratskollegin. Lasagne, Fischstäbchen mit Kartoffelpüree oder Nudeln mit Tomatensoße: Das würden sich die Freundinnen wünschen, wenn sie schon mit Auswählen dran wären.

Konzentriert arbeiten Moritz (l.) und Nick in der OSK.
Copyright: Allrights GmbH
„Die Schüler waren mit dem Essen oft nicht zufrieden, bevor es den Mensa-Rat gab“, erklärt Manuela Gratz, Leiterin der Offenen Ganztagsschule. Bei ihren Vorschlägen müssen die Kinder auf einige Vorgaben achten: Nachtisch gibt es nur am Freitag, Fleisch und Fisch jeweils nur einmal pro Woche. Eine Veggi-Variante bietet die Mensa täglich an, „wegen der vielen vegetarischen Kinder“, erklärt Gratz. „Dabei haben die Kinder gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist, etwas zu finden, das allen schmeckt. Als wir die neuen mit den alten Speiseplänen verglichen haben, fiel auf, dass es dann doch öfter das gleiche war“, erinnert sie sich lachend. Pommes und Pizza bleiben die unangefochtene Nummer Eins unter den Essens-Wüschen der Schüler – in Erfüllung geht dieser Wunsch aber nur in den Ferien.
Lieber machen, als meckern
Beschweren ist einfach, es besser zu machen hingegen schwerer. Diese Erfahrung teilen auch die Schülerinnen und Schüler der Offenen Schule Köln (OSK) in Sürth. Wer „Mensa-Dienst“ hat, muss eine Woche lang das Küchenteam unterstützen – egal ob beim Kochen, Spülen oder an der Essensausgabe. Keine Spur von einem Caterer, denn hier wird täglich frisch gekocht. Dazu gehört auch viel Planung. Fast 300 Schüler werden an der Gesamtschule täglich durch die Mensa geschleust. Dafür muss der Mensadienst einen strikten Zeit-und Hygieneplan aufstellen. Drücken kann sich niemand: Der Dienst ist Pflicht im Rahmen des Hauswirtschaftsunterrichts.
„Die Schüler können das Essen mehr wertschätzen, wenn sie selbst daran beteiligt waren“, erklärt Schulleitung Martina Salchow. Für ein Monatsabo von 65 Euro oder 5 Euro pro einzelnes Essen bekommen die Schüler eine frische Mahlzeit. Die Speiseplanung geht vom Küchenteam aus, in der Zukunft solle das der Mensadienst übernehmen. Zur Auswahl stehen täglich wechselnde Gerichte von Bratkartoffeln bis Couscous. „Jeder kann sich aus verschiedenen Komponenten seine Mahlzeit selbst zusammenstellen - wir haben immer auch Angebote für die Menschen, die sich vegan ernähren“, sagt Salchow. „Wir hatten im Vorfeld eine Befragung unter den Schülern gemacht.“ Diese entschieden für einmal pro Woche Fleisch oder Fisch. Pizza steht auch hier hoch im Kurs – weil das vorm Wochenende so schön schnell geht.
