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Die alten Dämonen sind noch daGedenken zum November-Pogrom in der Kölner Synagoge

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Mahnen vor einem Wiederaufflammen des Antisemitismus in Deutschland: Felix Schotland, Professor Jürgen Wilhelm, Torsten Burmester, Ina Brandes, Bettina Levy, Abraham Lehrer (v.l.).

Mahnen vor einem Wiederaufflammen des Antisemitismus in Deutschland: Felix Schotland, Professor Jürgen Wilhelm, Torsten Burmester, Ina Brandes, Bettina Levy, Abraham Lehrer (v.l.).

Gedenkveranstaltung zum November-Pogrom: Warnung vor einem Wiederaufflammen des Antisemitismus in Deutschland. 

Am 9. November 1938 rollte eine Welle der Gewalt und Zerstörung durch Köln. Wie auch in anderen Städten und Gemeinden in Deutschland wurden im Schatten des Doms Synagogen niedergebrannt und jüdische Geschäfte, Einrichtungen und Privatwohnungen zerstört. Zwölf Stunden dauerte die staatlich angeordnete Gewaltorgie gegen die jüdischen Kölner – bei der die Mehrheit der Bevölkerung tatenlos zusah und schwieg.

„Dieses Schweigen ist damals wie heute unerträglich. Ich habe den 7. Oktober 2023 mit den fürchterlichen Bildern aus Israel im Hotel in Istanbul zusammen mit einem israelischen Kollegen erlebt, wo ich für den Deutschen Olympischen Sportbund vor Ort war. Wir haben beide geweint und waren von der Gleichgültigkeit der Menschen in unserer Umgebung zutiefst erschrocken“, sagt OB Torsten Burmester gestern bei der Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht in der Synagoge an der Roonstraße.

OB ist besorgt über Gleichgültigkeit

Der aktuelle Anstieg des Antisemitismus im Land und in der Stadt besorge ihn zutiefst. „Kein einziger Fall von Antisemitismus darf uns kaltlassen, das wäre gegen die Menschlichkeit und den Zusammenhalt. Stehen wir zusammen und arbeiten wir daran, dass alle frei von Angst hier leben können. Dafür werde ich mich mit Herz und Haltung einsetzen“, erklärt Burmester. Unter den Gästen war die Landesministerin für Kultur und Wissenschaft, Ina Brandes: „Dass wir in den von mir verantworteten Bereichen wie Kultur und Forschung ein Aufflammen des Antisemitismus erleben, dafür schäme ich mich. Jüdische Studenten fühlen sich auf den Hochschulgeländen nicht mehr wohl und jüdische Künstler werden von Veranstaltungen ausgeschlossen. Wir werden alles dafür tun, um jüdische Mitbürger zu schützen. Jüdische Kultur gehört zu Deutschland“, sagt die Politikerin, die ein Projekt vorantreibt, bei dem Überlebende des Holocausts als Hologramme digitalisiert werden, mit denen man auch sprechen kann.

Erinnerung soll lebendig bleiben

„So soll die Erinnerung lebendig bleiben.“ Wie nahe die Situation und die Befürchtungen der jüdischen Mitbürger 1938 und heute sind, zeigen Bettina Levy und Felix Schotland vom Vorstand der Synagogengemeinde, indem sie Stimmen von der Zeit des Pogroms und von heute vorlesen. „Damals brannten die Synagogen und heute brennt wieder Hass in Worten wie im Internet. Die alten Dämonen sind nicht verschwunden. Der Antisemitismus ist nicht Geschichte, sondern Gegenwart, wenn etwa online zum Verbot der Synagogengemeinde aufgerufen wird. Lassen Sie in unserer Stadt keinen Antisemitismus zu, in keiner Form und unter keinem Vorwand“, gibt Levy dem neuen OB mit auf den Weg.

Beteiligt waren an der Gedenkveranstaltung Schüler und Schülerinnen des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums, der jüdischen Religionsklasse der Jahrgangsstufe 9 und des Ursulinengymnasiums. Sie machten deutlich, welche Schicksale der 9. November 1938 mit sich gebracht hat. Sie erzählten die Geschichten von vier jüdischen Kindern, die nach dem Kölner Pogrom nach England in Sicherheit gebracht wurden und die so ihr Zuhause und ihre Eltern verlassen mussten.