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Hilfe für Kölner Obdachlose„Viadukt“ hilft gegen die Wohnungsnot

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Viadukt für Obdachlose

Von der Parkbank in die eigene Wohnung: Yasemin Gökmen hat auch für Frank eine Wohnung gefunden.

Köln – Eine Stunde nach der Schlüsselübergabe kann Frank es immer noch nicht ganz fassen. Nach 14 Jahren hat der 48-Jährige nun tatsächlich wieder eine eigene Wohnung. Er ist einer der inzwischen 400 Menschen, die mit dem Projekt „Viadukt“ seit dessen Start vor knapp zwei Jahren eine Wohnung gefunden haben. Der Abschluss von 200 Mietverträgen steht dahinter. Angesichts des umkämpften Kölner Wohnungsmarkts nahezu ein Wunder.

Yasemin Gökmen hat großen Anteil daran. Sie hat auch diese Wohnung in Weidenpesch aufgespürt. „Vor mehr als 20 Jahren habe ich mal Immobilienkauffrau gelernt“, erklärt die 56-Jährige. Für ein großes Wohnungsunternehmen verkaufte und vermietete sie Wohnungen. „Dabei bin ich immer mehr in den sozialen Bereich hinein gerückt“, erzählt sie. Als 2015 während des Krieges in Syrien viele Flüchtlinge in Köln eintrafen, wurde sie Sprachintegrationshelfer und schulte bald für einen Träger andere Freiwillige. Und dann wechselte sie die Seiten. Statt Wohnungen für Vermieter zu vermarkten, suchte sie Mietgelegenheiten für Bedürftige.

Sozialarbeiterin entwickelt Konzept für Kölner Flüchtlinge

„Das Konzept hatte sich eine Sozialarbeiterin ausgedacht und auch die wirtschaftlichen Vorgaben gemacht. 30 Vermittlungen im Vierteljahr waren Ziel. Ich hielt das für unmöglich“, sagt Gökmen. „Es gab auch keine Grundlage für die Zahl.“ Aber gemeinsam mit dem Immobilien-Kollegen Stephan Wenz vom Sozialdienst katholischer Männer und der Sozialarbeiterin Aniko Reusche von der Diakonie Köln und Region begann sie die Suche nach Vermietern.

Vor allem wucherte sie mit der Sicherheit, die eine Bezahlung der Miete durch ein Amt darstellt, und der Zusage von Betreuung über die Vermittlung hinaus. Zudem sparen sich die Vermieter den Makler. So entstand ein Netzwerk von potenziellen Vermietern, die zuerst ihr eine Wohnung anbieten. Und das sind sowohl private wie öffentliche Eigentümer, die jeweils viele Wohnungen haben.

Das gewonnene Vertrauen wurde zum Selbstläufer. Zudem hat Gökmen ein unglaubliches Gespür, einem Vermieter den richtigen Mieter zu präsentieren. „Ein Mensch entscheidet immer aus einer Emotion heraus. Darum gibt es keine Massenbesichtigungen, sondern nur einen, maximal zwei Interessenten, und meist passt es schon beim ersten Mal“, sagt die Vermittlerin. Frank kann es bestätigen. Der Besuch in Weidenpesch war seine erste Wohnungsbesichtigung, und sie hat gleich zur Schlüsselübergabe geführt.

Frank lebt sechs Jahre auf Kölner Straßen

Frank stammt aus Riehl. Seine Groß- und Außenhandelsausbildung beendete er vorzeitig. „Ich gehöre in die ,Arbeiterklasse‘. Zu denen, die handwerklich arbeiten“, stellt er fest. Er half bei Sanierungen und lebte von Sozialhilfe, als er vor 14 Jahren heimkam und die Wohnung geräumt war. Eine blöde Geschichte, die sich vielleicht hätte aufklären lassen, steckte dahinter. Doch Frank ging weg. „Sechs Jahre bin ich marschiert“, fasst er seine ersten Jahre auf der Straße zusammen. Erst als er zurück kam, erfuhr er, dass seine Sachen nur eingelagert waren, doch inzwischen war die Frist zur Abholung abgelaufen.

Im Agnesviertel durfte er ein Zimmer bei einem Wirt nutzen, dem er gelegentlich half – bis die Eigentümerin es selbst benötigte. „Alle Klamotten, die ich mir wieder angeschafft hatte, konnte ich wegwerfen. Ich stand wieder auf der Straße“, sagt Frank: „Mein Hauptziel lautete: ,Bleib gesund!‘“ Mit der Zeit stieg die Sehnsucht, wieder eine eigene Wohnung zu haben. Frank geriet an die Diakonie und durfte ins betreute Wohnen einziehen – mit eigenem Spind. Und weil die Betreuungsorganisationen, vor allem wenn sie vom selben Träger sind, auch gut zusammenarbeiten, kam Frank zu „Viadukt“.

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Der Erfolg des Projekts hängt freilich mit der Vorauswahl der Kandidaten zusammen. Sie müssen „vermittlungsfähig“ sein. Alle Probleme außer der Wohnungslosigkeit müssen gelöst sein. Das gilt für Schulden, Sucht oder psychische Probleme. „Nur in einem Fall musste eine vermittelte Person wieder ausziehen. Bei ihr war eine psychische Erkrankung nicht in vollem Umfang erkannt worden“, sagt Gökmen.

Bei Frank gibt es solche Probleme nicht. Die Verhältnisse sind geordnet. Er freut sich über die neuen Räume, das frisch sanierte Bad mit Dusche. Er muss nur noch einen Fußboden in die neue Wohnung legen. „Der letzte Mieter hat den Belag mitgenommen. Die Vermietung ohne Belag gibt es immer häufiger. Wohl weil Vermieter damit Geld zu sparen“, erklärt Gökmen.