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Hunde im Kölner RathausPoldi soll nicht länger draußen bleiben

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Elfi Scho-Antwerpes mit ihrem Hund Poldi.

SPD-Politikerin Elfi Scho-Antwerpes wirbt dafür, „Bürohunde“ im Rathaus zu erlauben.

In seinem Veedel Klettenberg ist Poldi bekannt wie ein bunter Hund. Dabei ist er so gar nicht farbenfroh, sein Fell erstrahlt stets im hellsten Weiß. Aber er hat ein so zugewandtes und freundliches Wesen, dass er inzwischen allseits bekannt ist und alle paar Meter menschliche und tierische Freunde begrüßt. Das kommt seinem Frauchen durchaus recht, denn Elfi Scho-Antwerpes ist auch keine Unbekannte. Die SPD-Politikerin war lange Bürgermeisterin, sitzt immer noch für ihre Partei im Stadtrat und engagiert sich in vielfältig vor allem in sozialen Vereinen. „Ich habe meinen kleinen Hund Poldi bei Terminen fast immer dabei“, erzählt sie: „Nur im Rathaus muss er leider draußen bleiben.“ Das möchte sie jetzt ändern.

Elfi Scho-Antwerpes will zunächst in ihrer Fraktion eine politische Initiative starten, dass Hunde mit in die Büros im Historischen Rathaus und im Spanischen Bau dürfen, verriet sie im Gespräch mit der Rundschau. Denn Hunde seien gut für das Betriebsklima, was in der kommunalpolitischen Schaltzentrale nur angemessen sei.

Haariger Wirbelwind

Der inzwischen fünf Jahre alte Poldi ist ein Cockerpoo, also eine Mischung aus Cocker Spaniel und Pudel. Elfi Scho-Antwerpes hatte vorher schon zwei Hunde, und eigentlich war sie nicht wirklich auf der Suche. Als sie mit Freunden einen Hund bei einer Züchterin abholte, ergab sich jedoch für sie eine längere Wartezeit. Die nutzte sie, ein wenig spazieren zu gehen und einen Blick ins Gehege mit einem aktuellen Wurf zu riskieren. „Poldi war der Einzige, der direkt an den Draht kam und seine Nase zu mir herausstreckte“, erinnert sich die frühere Bürgermeisterin: „Als ich dann gehen wollte, weinte er bitterlich. Das hat mein Herz so ergriffen, dass ich ihn zu mir nach Hause geholt habe. Er hat also quasi mich ausgesucht und nicht ich ihn.“

Nun also bestimmt der weiße Cockerpoo das Leben der Ratspolitikerin, das beispielsweise Ehrenämter bei der Arbeiterwohlfahrt, beim Paritätischen Wohlfahrtsverband oder auf der Palliativstation im Krankenhaus Merheim umfasst. Immer sorgt der haarige Wirbelwind für gute Stimmung, legt sich aber auch ruhend ab, wenn Frauchen sich auf Gespräche konzentrieren muss.

Gute Laune im Büro

Im Rathaus aber seien Hunde verboten, erklärt Scho-Antwerpes. Bereits vor einigen Jahren habe der ehemalige RTL-Chef Helmut Thoma, der im Mai verstorben ist, ihr die Idee für eine Initiative auf den Weg gegeben. „Es ist doch allgemein bekannt, dass Hunde im Büro für gute Laune sorgen“, habe Thoma ihr gesagt. In diesem Jahr will sie nun ihren Vorstoß endlich wagen.

Beim Landschaftsverband Rheinland (LVR), wo sich Scho-Antwerpes ebenfalls ehrenamtlich politisch engagiert, sei Poldi schon heute willkommen: Nicht nur in den Büros, sondern sogar in den Sitzungen der Ausschüsse. „Wenn ich mal ohne ihn ins Haus komme, werde ich direkt vom freundlichen Pförtner gefragt, wo denn der Hund ist“, berichtet sie.

Die positive Einstellung gegenüber Vierbeinern auf der Arbeit bestätigt auch der gemeinnützige „Bundesverband Bürohund“, der seit Jahren für mehr Akzeptanz wirbt. Würden Unternehmen ihren Beschäftigten erlauben, Hunde mit ins Büro nehmen zu dürfen, trage das zu einer besseren Mitarbeiterbindung bei. Ein höheres Wohlbefinden, eine gesteigerte Motivation und ein besseres Betriebsklima werden als konkrete Vorteile benannt.

Selbst die Hunde würden von einer solchen Situation profitieren, beispielsweise weil sie besser sozialisiert werden und weniger Ängste hätten. Der Verband gibt auf seiner Webseite auch konkrete Empfehlungen, wie man das Mitbringen von Hunden auf die Arbeit am besten vorbereitet. Auf einer Online-Karte sind für Köln bereits ein halbes Dutzend meist kleinere Firmen aufgeführt, die das schon erlauben und öffentlich dazu stehen.

Initiative im Rat

Beim Deutschen Bundestag dagegen ist das anders: Dort gab es immer wieder Vorstöße, die Büro-Begleitung durch Hunde für Abgeordnete oder Beschäftigte endlich zu erlauben. Selbst die heutige Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hatte sich anlässlich des „Tages des Bürohundes“ im Jahr 2023 ausdrücklich dafür ausgesprochen. Ein entsprechendes Video-Statement aus ihrer Zeit, als sie noch einfache Bundestagsabgeordnete war, ist auf der Webseite des „Bundesverbandes Bürohund“ nach wie vor zu finden.

„Hunde können eine große Alltagsbereicherung sein!“, heißt es in dem damaligen Statement von Klöckner: „Erwiesenermaßen können Hunde das Allgemeinbefinden von uns Menschen steigern. Für mich persönlich ist die Zeit mit dem Hund immer eine besondere, die mir einen Energieschub gibt – ob draußen im Wald oder zuhause auf dem Sofa oder am Schreibtisch.“ Ihr Hund animiere sie immer wieder zu regelmäßiger Bewegung, auch dazu, Laptop und Handy mal beiseitezulegen, so die CDU-Politikerin: „Das ist gut für Kopf und Stimmung – und steigert dann sogar wieder die Konzentration.“

Erst kürzlich aber hatte eine Kommission des Parlaments nach Angaben des „Bundesverbands Bürohund“ entschieden, dass die bestehende Hausordnung nicht für die Mitnahme von Hunden geöffnet werden soll. „Für viele Beschäftigte ist das mehr als eine organisatorische Frage“, heißt es von dem Verband. Vielmehr gebe es gerade an einem Ort wie dem Bundestag viel Arbeitsstress, bei dem Hunde eine ausgleichende Wirkung haben könnten.

Die verspricht sich Elfi Scho-Antwerpes nun auch für das Kölner Rathaus. Sie hofft, dass ihre Initiative im Gegensatz zu der im Bundestag Erfolg haben wird. Auch Poldi würde das wohl freuen, verbringt sein Frauchen doch viele Stunden in der Woche in den dortigen Büros – bisher leider noch ohne ihn.