Auf dem Roncalliplatz in Köln wurde für den Erhalt des Radiosenders Cosmo demonstriert.
Vielfalt weggespartHunderte fordern „Save Cosmo" auf dem Roncalliplatz in Köln
Am Freitag, 10. Juli, haben sich Hörer, Künstler und Aktivisten auf dem Kölner Roncalliplatz versammelt, um gegen die drohende Streichung des ARD-Radioprogramms Cosmo zu protestieren. Die Demonstrierenden fordern: Ein Radioprogramm, das Deutschlands gesellschaftliche Vielfalt abbildet, dürfe nicht zum Opfer von Sparmaßnahmen werden.
Der Roncalliplatz war am Freitag um 18 Uhr voll. Menschen aller Altersgruppen – viele mit Migrationshintergrund, junge Familien, ältere Hörer und Kulturschaffende – vereinten sich unter dem Motto „Save Cosmo“. Die Demonstration war Ausdruck einer Besorgnis über die mögliche Abschaffung eines Programms, das seit seiner Gründung als einzigartig in der deutschen Radiolandschaft gilt.
„Viele Menschen mit Migrationsbiografie verlieren ihre Stimme“
Im Zuge einer Reform des Rundfunkstaatsvertrags stand zur Debatte, die Radiowellen der ARD zu reduzieren. Bis zu 17 Programme könnten betroffen sein. Am 24. und 25. Juni sollten die Intendanten der ARD entscheiden, welche Angebote gestrichen oder umgewandelt werden.
Cosmov– ein Kooperationsprojekt zwischen WDR, RBB und Radio Bremen – stand auf dieser Liste zur Disposition. Laut einem Beschluss des WDR-Rundfunkrats vom 28. Mai könnte das Programm nur noch in einzelnen digitalen Produkten weiterleben. Das klassische Cosmo-Radioprogramm wäre damit praktisch eingestellt.
Alev Bahadir, Vorsitzende der Organisation Didf und Veranstalterin des Abends, erläuterte die Bedeutung des Protests: „Cosmo ist ein vielfältiger, ein diverser Radiosender und muss erhalten bleiben. Wenn der Radiosender wegfällt, dann haben viele Menschen mit Migrationsbiografie keine aktive Stimme mehr. Und wir verlieren einen vielfältigen und fortschrittlichen Radiosender.“
Der WDR-Rundfunkrat hatte Ende Mai entschieden, dass Cosmo möglicherweise nur noch in einzelnen digitalen Produkten fortbestehen könnte – ein Beschluss, der viele Hörerinnen und Höhrer und Kunstschaffende alarmiert hat.
Bahir betonte die Funktion des Senders für die Gesellschaft: „Der Radiosender steht für eine Gesellschaft in Vielfalt, in Diversität. Es gibt verschiedene Sprachen, es wird vielsichtige und fortschrittliche Politik gemacht. Eine Gesellschaft, die sowieso schon nach rechts rückt, braucht umso mehr Stimmen, die aktiv für Zusammenleben stehen."
Der Verlust einer Community
Cosmo ist das einzige deutschlandweit ausgestrahlte Radioprogramm, das konsequent mehrsprachig arbeitet und migrantische sowie queere Perspektiven redaktionell verankert hat. Mit seinem Musikprogramm und seinen Sendungen spricht Cosmo Communitys an, die sich in anderen öffentlich-rechtlichen Angeboten oft nicht wiederfinden.
In der Petition Save Cosmo wird betont, dass das Programm einen gesellschaftlichen Auftrag bediene, der besonders in Zeiten von polarisierter Öffentlichkeit und rechtsextremen Tendenzen von Bedeutung sei: Cosmo schaffe einen Raum, in dem Vielfalt nicht als Besonderheit, Cosmo als Normalität gelebt werde.
In Nordrhein-Westfalen haben etwa ein Drittel aller Menschen – und fast die Hälfte der Jugendlichen – eine Einwanderungsgeschichte. Die Hälfte von ihnen spricht zu Hause neben Deutsch noch eine weitere Sprache.
Kölner Band Querbeat demonstriert mit
Die Kölner Band Querbeat trat auf und machte deutlich, warum sie sich für den Sender einsetzt: „Wir sind heute hier, weil wir ausnahmsweise vor allem auch mal als Fans hier sind. Man kann auch Fans von Radio und einem Radio-Programm sein.“
Die Band beschrieb Cosmo als unverzichtbar für Künstler: „Für ganz viele Künstlerinnen ist Cosmo Radio ein Pool, in dem man neugierig schwimmen kann, in dem man Sachen entdeckt, die für die eigene Musik Relevanz haben – gerade weil man Musik von Cosmo nicht in Schubladen stecken kann.“
Sie warnten vor den Folgen eines Programmverlusts: „Das Wichtigste ist das Selbstverständnis, das dieser Sender gibt. Es ist fast zu spät, wenn es Thema sein muss, wenn solche Musikrichtungen und Sprachrohre für Kulturen nicht mehr Teil der Medienlandschaft sind.“
Für das künstlerische Ökosystem sei Cosmo entscheidend: „Es ist eine riesige Entdeckungsreise, ein Kompass. Cosmo hat früh Künstler unterstützt, die nur in kleinen Bubbles bekannt sind. Gerade in heutiger Zeit, wo alles über Algorithmus geht, ist eine kuratierte Playlist – ein kuratiertes Programm, das mutig mit Musik umgeht – zeitgeistiger, als man denkt.“
„Es täte mir im Herzen weh, wenn er wegfallen würde"
Eine Demonstrantin beschrieb ihre persönliche Bindung zum Sender: „Es ist mir wichtig, dass der Sender Cosmo am Leben erhalten bleibt. Ein Programm wie das gibt es im deutschen Radioprogramm einfach nicht. So viele Sprachen, so viele Kulturen – das gibt es sonst nicht.“
Sie höre Cosmo täglich: „Ich höre ihn morgens, wenn ich zur Arbeit fahre, ich höre ihn abends, wenn ich zurückfahre. Mir liegt dieser Sender einfach am Herzen – die täglichen guten Nachrichten, die querfeministischen Stimmen, die moderieren. Das ist einfach wirklich wichtig.“
Ihre Geschichte mit dem Sender reicht Jahre zurück: „Ich höre ihn schon seit so vielen Jahren, noch bevor er Cosmo hieß – ob Multikulti oder Funk aus Europa. Es täte mir im Herzen weh, wenn er wegfallen würde. Man würde ein Alleinstellungsmerkmal einfach wegstreichen – das ist dumm.“
Die Botschaft der Demonstrierenden auf dem Roncalliplatz ist klar: In einer Zeit der gesellschaftlichen Polarisierung ist ein Programm wie Cosmo kein Luxus – es ist eine Notwendigkeit.

