Ist es das wert?Sanierung des „Colonius“ würde 44 Millionen Euro kosten

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266 Meter ragt der Colonius in die Höhe.

Köln – Die Sanierung des Fernsehturm „Colonius“ kostet nach Rundschau-Informationen rund 38 Millionen Euro netto, ein zusätzliches Parkhaus weitere rund fünf Millionen Euro. Insgesamt macht das zwischen 43 und 44 Millionen Euro. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie der Deutsche Funkturm AG, ihr gehört der 266 Meter hohe Turm von 1981. Seit dem Ende der 90er-Jahre ist die Besucherplattform samt Restaurant in knapp 170 Metern für Besucher gesperrt, der siebenthöchste Fernsehturm Deutschlands versorgt aber weiter die Stadt und das Umland mit Fernseh- und Radiosignalen sowie Mobilfunk.

Will die Stadt die Millionen-Summe aufbringen?

Die Studie hatte der Stadtrat beauftragt, vor allem auf Initiative der Ratsgruppe „Gut“. Das Parkhaus ist aber nur eine Option und kein Muss. Benedikt Albers, Sprecher der Deutschen Funkturm AG, teilte am Dienstag auf Anfrage mit, sich im Laufe der Woche äußern zu wollen.

Was würde der Denkmalschutz für die Nachbarn heißen?

2 Nachbarn des „Colonius“ haben Pläne mit ihren Grundstücken (siehe kleines Foto). Auf der nördlichen Fläche an der Ecke Innere Kanalstraße/Subbelrather Straße steht aktuell noch ein Bürohaus, an dessen Stelle plant ein Investor zwei neue Hochhäuser mit vielen Büros, nachdem sich die Pläne des Vorbesitzers mit vielen Wohnungen zerschlagen haben.

Doch ein Denkmalschutz könnte diese Pläne mehr oder weniger unmöglich machen, Stadtkonservator Thomas Werner hatte zuletzt gesagt: „Eine Unterschutzstellung des Colonius würde eine unmittelbar angrenzende Hochhausbebauung sicher nicht zulassen.“ Stellt die Stadt den Fernsehturm also unter Denkmalschutz, hat sie zwar die Chance auf Fördergelder – erschwert aber Baupläne im direkten Umfeld erheblich.

150 Meter südlich des „Colonius“ hat die Deutsche Telekom Assekuranz-Vermittlungsgesellschaft ihren Sitz in einem Hochhaus, die Telekom hatte in der Vergangenheit schon mal eine Bauvoranfrage an dien Stadt gestellt. Laut einer älteren Mitteilung der Verwaltung könnte die Telekom den Standort ausbauen und ihre Mitarbeiter dort zusammenführen. (mhe)

Die entscheidende Frage lautet: Kann und will die Stadt Köln sich diese Summe leisten, um eine neue Touristenattraktion zu schaffen – zumal in Zeiten der Corona-Pandemie und knapper Kassen? Oder braucht sie dafür Fördermittel, für die wiederum es den Denkmalschutz benötigt, um an die entsprechenden Gelder heranzukommen? So haben es einige Städte wie etwa Dresden gemacht. Dort zahlt der Bund 50 Prozent der 25,6 Millionen Euro, Land und Stadt jeweils 25 Prozent. Für Köln hieße das: Von 44 Millionen müsste die Stadt elf Millionen Euro zahlen, ohne Parkhaus 9,5 Millionen Euro. Fördert nur der Bund das Projekt mit 50 Prozent, sind es 22 Millionen Euro, beziehungsweise 19 Millionen Euro.

Der zuständige Kölner Stadtkonservator Thomas Werner hatte sich im Juli skeptisch gezeigt beim Denkmalschutz. Der Turm sei anders als andere Exemplare spät – 1981 – fertig gestellt worden und weder innovativ noch besonders konstruiert. Allein sein städtebaulicher Wert muss laut Werner geprüft werden. Über eben jene Prüfung soll nun der Stadtentwicklungsausschuss der Stadt Köln entscheiden, das hat der Hauptausschuss am Montag beauftragt. Es dauert also, denn dieser Ausschuss ist nach der Kommunalwahl noch nicht mal gegründet. Dabei soll es soll nach dem Willen der Ratsgruppe „Gut“ jetzt flott gehen, demnach tagt der Haushaltsausschuss des Bundes schon am Donnerstag endgültig über die Fördergelder. Kommt Köln also zu spät? Um das zu verhindern, soll die Verwaltung sich in Berlin für die Fördermittel stark machen – aber ob das in drei Tagen wirklich realistisch ist?

Und wenn ja, wie stellt man sicher, dass genug Besucher an die Innere Kanalstraße kommen, damit der Betrieb sich rechnet? Funkturm-Sprecher Albers sagte im Juli: „Mit seiner Lage am Grüngürtel steht der Colonius außerhalb des touristischen Zentrums, ist aber verkehrstechnisch gut zu erreichen und bietet eine tolle Sicht auf die Stadt und das Umland.“ Albers hatte von einigen Interessenten in der Vergangenheit gesprochen, „jedoch noch keine mit einem nachhaltigen wirtschaftlichen Konzept“. Was bringt der Denkmalschutz, wenn sich kein Betreiber findet? Doch Hamburg könnte als Gegenbeispiel dienen, dort hat es geklappt.

Küche darf nicht auf der Plattform sein

Vor allem der Brandschutz ist der springende Punkt: Was passiert, wenn dort oben ein Feuer ausbricht? Dabei sind die drei Aufzüge und die Treppe mit 1325 Stufen wichtig. Allein die Kosten für neue Aufzüge zur zweistöckigen Aussichtsplattform sind nach Rundschau-Informationen mit etwa acht Millionen Euro veranschlagt. Derzeit gibt es drei Stück, einer für die Technik, er läuft noch. Die anderen beiden sind außer Betrieb, sie dienten mal für den Gäste-Transport.

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Die Küche für ein neues Restaurant darf übrigens nicht auf der Plattform sein. Albers sagte: „Am Fuß des Colonius gibt es unterirdisch die ehemalige Küche sowie Lagerräume, die ebenfalls wieder ertüchtigt werden könnten.“ Wenn die Stadt es sich leisten will – und kann.

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