Abo

Kölner InfluencerinSo lebt die 25-jährige Sarah in ihrem Camper

3 min
Sarah und ein Hund sitzen in einem ausgebauten Van.

Der Camper ist für Sarah und Hündin Zuzu zum Zuhause geworden. 

Die junge Kölnerin Sarah wohnt in ihrem Camper. Ihr unkonventionelles Leben macht sie auf Instagram erfolgreich.

Ein Domizil am Strand, in den Bergen und am See: Die Kölnerin Sarah hat all das. Ein Immobilienmogul ist sie jedoch nicht: Die 25-Jährige reist mit ihrem eigenen Camper durch Europa. Als andere in ihrem Alter in Wohnheimen oder dem alten Kinderzimmer lebten, entschied sie sich vor zwei Jahren für ein Zuhause auf Rädern. Ein Reich nur für sie und ihre Hündin Zuzu. Auf dem sozialen Netzwerk Instagram begeistert sie unter dem Namen „sarahs.colourful.life“ seitdem fast 100.000 Menschen mit ihren Abenteuern.

Für Ihren Nachmittgas-Kaffee steht sie  an einem kleinen Holzwaschbecken in ihrem Bus. Dank einer Pumpe und einem Kanister unter der Küchenzeile hat sie fließendes Wasser. Als der Kaffee auf dem Gasherd köchelt, holt sie schon mal die Milch aus dem Kühlschrank: Die gleichen Handgriffe, wie in einer normalen Küche. Anders ist nur, dass im Camper auch das Bett in der Küche steht oder andersherum. Und dass im Schlafzimmer gekocht wird. 

Mit Youtube-Videos und Internetseiten habe ich mir das ganze Wissen zusammengebastelt.
Sarah über ihr Leben im Camper

Zwei Monate am Stück hat die damals 22-Jährige an ihrem Camper getüftelt, bevor sie nach Frankreich aufbrach. „Ich hatte nichts anderes mehr im Kopf“, erinnert sie sich lachend. „Mit Youtube-Videos und Internetseiten habe ich mir das ganze Wissen zusammengebastelt.“ Zeit war für den Ausbau genug: Nach einer abgeschlossenen Ausbildung zur Kauffrau im Gesundheitswesen blieb für sie kein Zweifel, dass sie in diesem Job nicht länger arbeiten will. 

„Einen guten Bus zu finden und als Frau von den Händlern ernst genommen zu werden, war die größte Herausforderung“, erzählt sie. Mit einem Van für 4.700 Euro machte sie letztlich doch das gesuchte Schnäppchen. Der Ausbau sei ein laufendes Projekt, aktuell stecken insgesamt knapp 10.000 Euro in ihrem mobilen Zuhause. 

Sarah in ihrem Van.

Sarah in ihrem Van.

So unkonventionell wie ihr Leben ist auch die Art, wie die junge Kölnerin es finanziert. Schon seit langem habe sie in ihrem Freundeskreis Dreadlocks (auch Rastazöpfe genannt) gemacht. Daraus sei über kurz oder lang ein Kleingewerbe geworden. „Diesen Job kann ich unterwegs machen, er ist kreativ und ich lerne Menschen kennen“, erklärt sie begeistert.

Auf Instagram wollte sie eigentlich nur für ihre Friseurdienste werben. „Dabei wurden die Leute auch auf den Bus aufmerksam und wie ich lebe.“ Ein paar virale Videos später, kann die Kölnerin durch Werbekooperationen heute Geld mit ihrem Profil verdienen – und das nach nur einem Jahr. 

Ich habe mein Zuhause immer dabei.
Sarah über ihr Leben im Camper

Alleine zu reisen, hat für die Kölnerin längst seinen Schrecken verloren. Den Traum vom Camper-Leben hat Sarah sich zuerst mit ihrem Ex-Partner geteilt. Doch auch nach der Trennung hielt sie daran fest. „Ich wollte nicht warten, bis die eine Person kommt, die das mit mir zusammen macht“, erinnert sie sich. Als Camper sei man aber nie lange alleine. „Die Van-Life-Community ist groß – gerade in Portugal.“ Dort verbrachte sie bisher die meiste Zeit. Außerdem gebe der Camper ihr große Sicherheit: „Ich habe mein Zuhause immer dabei.“ 

Van-Life hat finanzielle Vorteile

Nerviges am Camper-Leben gebe es aber „genug“, allem voran die Stellplatzsuche. Auf kleinstem Raum entstehe außerdem schnell Chaos. Bei allen Unannehmlichkeiten ihrer Lebensweise biete sie jedoch einen entscheidenden Vorteil: „Die Freiheit.“ Damit meine Sarah auch Freiheit von finanziellem Druck. Außer für Nahrungsmittel, Auto-Versicherung und Sprit gebe es kaum Ausgaben. Aktuell macht sie einen Zwischenstopp in ihrer Heimatstadt und mietet eine Wohnung in Nippes. Das belaste sie finanziell weitaus mehr als ihre Reisen im Van.

Mit ihrem ungewöhnlichen Leben will Sarah für Mut stehen. „Ich glaube, es gibt viele Menschen, die gerne ausbrechen würden, sich aber nicht trauen“, erzählt sie. Dazu habe anfangs auch sie gehört: „Ich hatte ganz viel Angst, aber man kann auch nur mutig sein, wenn da ein bisschen Angst ist.“