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Priester als Influencer Frohe Botschaft über Facebook und Co.

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Köln – Dr. Christian Jasper ist Diakon in der Pfarrgemeinde Heilige Familie in Düsseldorf. Regelmäßig gewährt der 34-Jährige über die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram Freunden und Mitglieder seiner Gemeinde Einblick nicht nur an in seinen Werdegang als Priester, sondern auch in sein Privatleben. Für Prälat Hans-Josef Radermacher, den Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars in Köln, ein gutes Beispiel: „Wer die christliche Botschaft lebendig halten möchte, muss heutzutage auch zeitgemäße Kanale zu ihrer Verbreitung nutzen“, sagt der Geistliche. Und gerade bei der Verkündigung müsse die Kirche im positiven Sinne aggressiver werden, findet Radermacher. Und transparenter. Viele fragen sich, was machen die hinter den Mauern des Priesterseminars. Wie werden heute Seelsorger ausgebildet. Das Internet bietet die Möglichkeit, das zu zeigen.

Priesteramtskandidaten auf der Suche nach Followern

Erstmals bildet das Erzbistum seit Mittwoch 50 Priesteramtskandidaten in einem zweitägigen Lehrgang im besten Fall zu Social Media Influencern aus. Das heißt, sie sollen künftig ihre Schäfchen neben der klassischen Predigt in der Kirche und dem Pfarrbrief über YouTube, Instagram, Facebook und Internetblog erreichen und neue Follower (Anhänger) der frohen Botschaft online hinzugewinnen, vor allem junge Menschen.

Experten der digitalen Bildungsagentur BG3000 aus Bonn zeigen bei dem zweitägigen „Smart Camp“ das große Potenzial der Sozialen Medien für die Gemeindearbeit auf, machen sie aber auch mit den Risiken vertraut. Gerade Themen wie Cybermobbing und Social Hacking (Datenklau) sollen den Jungpriestern vertraut sein, um ihrer Gemeinde auch in der digitalisierten Welt als Seelsorger und Hirte zur Seite stehen zu können, sagt Projektleiter Stefan Krause. Und er fügt hinzu, dass das Erzbistum Köln mit seiner Initiative bundesweit Vorreiter ist.

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Social Media hat Grenzen

Politikwissenschaftler und Kirchenkenner Andreas Püttmann („Gesellschaft ohne Gott“) ist skeptisch. Es sei sicher richtig, wenn die Kirche versuche, alle Kommunikationskanäle zu nutzen. Allerdings frage er sich, ob die wenigen noch vorhandenen Priester wirklich Zeit dafür hätten. Es gebe schon genug Überlastungsprobleme im Klerus. Das sieht Prälat Radermacher ganz anders: „Das Argument „keine Zeit“ würde für mich nicht gelten“, sagt er. „Die ein oder zwei Stunden, die ich auf die Sonntagspredigt verwende, die kann ich auch noch zusätzlich für einen Youtube-Film investieren.“ Verkündigung sei der ureigenste Auftrag des Priesters. „Da kann man besser andere Dinge weglassen.“ Social Media hat aber auch Grenzen. Radermacher: „Die Beichte können wir online nicht abnehmen. Das geht weiter nur von Angesicht zu Angesicht. (mit dpa)