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Hilfe nach ÜberschwemmungArzt der Klinken Köln kämpft in Mosambik gegen Cholera-Ausbreitung

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Dr. med Daniel Peter unterstützt mit einem Team aus Deutschland unter anderem beim Aufbau eines Behandlungspostens.

Dr. med Daniel Peter unterstützt mit einem Team aus Deutschland unter anderem beim Aufbau eines Behandlungspostens.

Dr. Daniel Peter reiste mit einem Notfallteam des Arbeiter Samariter Bundes (ASB) in eine abgelegene Siedlung, die besonders von der Krankheit bedroht ist. 

„Das hat nicht mehr viel mit Würde zu tun“, erzählt Dr. med. Daniel Peter. Welches Leid eine Cholera-Erkrankung verursachen kann, hat der Mediziner in den vergangenen Tagen selbst gesehen. Bei einem Einsatz in Mosambik half er dabei, gegen das dortige Infektionsgeschehen anzugehen und damit Leben zu retten. Denn wochenlange Überschwemmungen haben in dem Land im Südosten Afrikas die Ausbreitung der Cholera begünstigt, und diese kann nicht nur tagelangen Durchfall verursachen, sondern bei einem schweren Verlauf auch tödlich sein. 

Der Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin hat mit Einsätzen im Ausland große Erfahrung, schon bei dutzenden war 46-Jährige dabei. Er arbeitet im Hygieneinstitut der Kliniken der Stadt Köln, ist medizinischer Berater der Nothilfeteams des in Köln ansässigen Arbeiter Samariter Bundes (ASB) und zudem für das Robert Koch-Institut (RKI) tätig. Dort ist er Teil einer Schnittstelle zwischen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den medizinischen Nothilfeteams in ganz Deutschland. 

Für das RKI reiste er am Rosenmontag mit einem sechsköpfigen und größtenteils ehrenamtlichen Nothilfeteam für eine Woche nach Mosambik in die im Nordwesten gelegene Provinz Tete. Geleitet wurde der Einsatz vom ASB und Apotheker ohne Grenzen und fand in Abstimmung mit der Regierung Mosambiks statt. Ein zweites Team ist aktuell noch vor Ort. 

In dieser Hütte, die mithilfe des Notfallteams aufgebaut werden konnte, erhalten Erkrankte Trinkwasser, das mit Elektrolyten angereichert ist. Das rettet sie vor einer tödlichen Austrocknung durch die Cholera.

In dieser Hütte, die mithilfe des Notfallteams aufgebaut werden konnte, erhalten Erkrankte Trinkwasser, das mit Elektrolyten angereichert ist. Das rettet sie vor einer tödlichen Austrocknung durch die Cholera.

In einer abgelegenen Siedlung, anderthalb Fahrstunden von der Provinzhauptstadt, lag der eigentliche Einsatzort der Gruppe. Seit Jahrzehnten leben dort laut Schätzungen des Arztes bis zu 1000 Menschen, von denen viele in der Nähe nach Gold graben. „Die Menschen leben dort in Hütten, die aus Ästen und Gras gebaut wurden, und man wäre nicht überrascht, wenn einem dort ein Elefant begegnete. Es gibt keinerlei Infrastruktur, also keinen Strom, keine Wasserleitungen und keine Gesundheitsversorgung“, sagt Dr. Peter. „Ihre Notdurft verrichten die Menschen im Freien.“

Die Cholera hat dort deshalb besonders leichtes Spiel. „Durch die heftigen Regenfälle wurde alles, was an Exkrementen oder sonstiger bakterieller Verschmutzung auf den Böden zu finden ist, in die wenigen sicheren Wasserquellen hineingespült. Als wir ankamen, gab es kein sauberes Trinkwasser.“ Aber auch von Mensch zu Mensch, zum Beispiel durch das Zubereiten von Essen mit kontaminierten Händen, ist eine Infektion möglich.

Ein Wasserfilter mit einer Kapazität von 200 Litern pro Stunde war deshalb der große Star des Einsatzes. Das vom ASB finanzierte Gerät konnten Leiter der Siedlungsgemeinschaft mithilfe des deutschen Teams installieren. Das saubere Trinkwasser bildet die Grundlage des Behandlungspostens, an den sich Erkrankte nun wenden können. Diese hüttenartige Einrichtung wurde ebenfalls in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft aus Ästen und Gräsern errichtet. Das deutsche Team steuerte die Inneneinrichtung, die zur Behandlung nötigen Produkte und das Know-how bei. Auch eine Toilette wurde aufgebaut. 

Der neue Filter in der Siedlung bietet hunderten Menschen Trinkwasser.

Der neue Filter in der Siedlung bietet hunderten Menschen Trinkwasser.

„Die Hilfe für erkrankte Menschen ist denkbar einfach“, erklärt Dr. Peter. Eine Mischung aus Wasser, Zucker und Salz – mehr braucht es nicht, um Cholera zu behandeln. „Die Symptome der Cholera sind vorwiegend Durchfall, gegebenenfalls mit Erbrechen. Die Patienten verlieren also viel Flüssigkeit und diese muss man ihnen in Form von angereichertem Wasser wieder zufügen.“ Nur in seltenen Fällen sei ein Antibiotikum nötig. „Der Verlauf der Krankheit hält meist drei Tage lang an. Danach werden die Bakterien aber noch ausgeschieden.“

Im Behandlungsposten bekommen die Erkrankten die flüssige Mischung und trinken die ersten zwei Liter vor Ort unter Aufsicht. Betreut wird die Einrichtung zukünftig ausschließlich von Freiwilligen aus der Gegend. Aktuell werden diese von den deutschen Helfenden ausgebildet. „Es ist komplex, nach den nötigen Hygieneregeln zu arbeiten. Sie müssen unter anderem Schutzkleidung richtig an- und ablegen und die richtigen Mittel zur Reinigung in der richtigen Konzentration anmischen. Dass die Mitarbeitenden sich nicht selbst infizieren, steht dabei an erster Stelle.“

Im fertigen Behandlungsposten erklärte das ASB-Team den Freiwilligen unter anderem, wie sie sich selbst vor Infektionen schützen können.

Im fertigen Behandlungsposten erklärte das ASB-Team den Freiwilligen unter anderem, wie sie sich selbst vor Infektionen schützen können.

Wer in dem Posten arbeitet, muss belastbar sein. „Manche Patienten können den Durchfall nicht mehr halten. Deswegen gibt es in der Hütte auch Stühle mit einem Loch und einem Eimer darunter. Das ist eine Situation, die man sich für keinen Patienten wünscht. Ich habe Menschen gesehen, die nur mit einem Tuch über dem Intimbereich auf so einem Stuhl sitzen.“ 

Doch es ist nicht nur Schmerz und Scham. In Mosambik sterben laut den Behörden aktuell mehr als einer von hundert Erkrankten, wie Dr. Peter erklärt. „Ab diesem Punkt sagt man, dass die Reaktion auf den Krankheitsausbruch nicht adäquat ist.“ Auf nationaler Ebene seien den Angaben zufolge seit September 5000 Personen erkrankt. „Das ist sicherlich eine Untererfassung, da die Cholera in 80 Prozent der Fälle entweder ohne Symptome oder mild verläuft. Und gerade abgelegene Orte, werden vom Gesundheitssystem nicht erfasst, weil sie zu weit von Ärzten entfernt liegen.“

Schwere Fälle können kaum gerettet werden

Bis zum nächsten Krankenhaus sind es von der Siedlung aus, in der Dr. Peter half, rund 30 Kilometer – ohne Straßen oder öffentliche Verkehrsmittel. Umso wichtiger ist es deshalb, eine Cholera-Erkrankung in den Behandlungsposten möglichst früh zu behandeln. „Wenn die Patienten zunehmend austrocknen und weniger in der Lage sind, Flüssigkeiten durchs Trinken aufzunehmen, rutschen sie in einen schweren Verlauf. Den kann man – wenn überhaupt – nur noch durch Infusionen beherrschen. Dann benötigen die Patienten bis zu 40 Liter innerhalb einer dreitägigen Behandlung.“ Und diese Menge an einen abgelegenen Ort zu bekommen, sei eine „logistische Unmöglichkeit“, selbst für eine betroffene Person.

Bereits in den wenigen Tagen, in denen Dr. Peter vor Ort war, sei das Projekt gut angenommen worden. „Die Gemeinschaft war sehr freundlich, dankbar und kooperationsbereit.“ Den Wasserfilter haben die Bewohnenden „fast wie beim Oktoberfest“ feierlich eröffnet. Der Arzt hofft deshalb, dass Neuerkrankungen in der Siedlung zukünftig vermindert werden und die Akzeptanz für den Filter und den Behandlungsposten bleibt. Den Einsatz bewertet er als vollen Erfolg: „Es ist schön, wenn man das riesige Leid, das durch eine Cholera-Epidemie entstehen kann, mit recht einfachen Mitteln wirkungsvoll bekämpfen und den Erkrankten ihre Würde zurückgeben kann.“


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