- Der Einkauf von Süßigkeiten sind oft ein besonderer Quell von Plastikverpackungen.
- Hersteller von Süßigkeiten stellen darum nun auf der Süßwarenmesse ISM nachhaltige Alternativen vor.
- Kompostierbare Verpackungen oder solche aus Papier oder Gras stehen ganz oben im Trend.
Köln – Noch ist es nur ein Prototyp: Eine Schokolade, verpackt in gelbes Papier. Es soll „viel einfacher zu entsorgen sein“ als eine Plastikverpackung, teilt Hersteller Ritter Sport mit. 500 Tafeln werden gerade von freiwilligen Testern im Alltag erprobt. Bei der Süßwarenmesse ISM stehen bis Mittwoch die Neuheiten der Branche im Mittelpunkt. Nachhaltigkeit ist ein großes Thema, meistens betrifft das die Inhaltsstoffe – aber einige Aussteller machen sich auch um das Drumherum Gedanken. Umweltschützer forderten bereits einen „Systemwechsel“ bei der Verpackung von Süßigkeiten.

Die Popcorn-Tüten können zum Kompost.
Copyright: Benjamin Horn
Kann man Süßigkeiten in Papier verpacken?
„Die Polypropylen-Verpackung ist eigentlich ideal“, sagt Petra Fix von Ritter Sport. Das Plastik biete einen „super Produktschutz“ und sei recyclingfähig Aber: Das Unternehmen mache etwa 50 Prozent seines Umsatzes im Ausland und dort gibt es oft keine Sammelsysteme. Das Spezialpapier soll keine Umweltschäden verursachen. Allerdings ist es wohl auch nicht für jede Schokolade geeignet: Spitze Cornflakes können es von innen beschädigen, die Ecken der Verpackung stoßen sich leichter ab, die Haltbarkeit beträgt statt zwölf nur noch fünf Monate. Es ist ein Versuch. „Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, erklärt Petra Fix. Allerdings sieht sie noch eine Diskrepanz: „Die meisten Verbraucher sind nicht bereit, dafür auch mehr auszugeben.“

Grüne Etiketten lassen sich auch aus Graspapier herstellen.
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Was können Plastiktüten und Etiketten aus Gras?
Die Klebeetiketten sind hellgrün, sie wurden aus Gras gepresst „und sie riechen sogar noch nach Gras“, sagt Timo Worfsdorf vom Hersteller Froben Druck. Die Produktion soll weniger aufwendig sein als die von Standard-Papier. Das Gras stamme von einer Fläche, die sonst nicht genutzt werde. Nicht jede Plastiktüte gilt als schlecht: Die Haribo-Tüte bestehe aus einem bestimmten Polyethylen, das noch für ein Elektrogerät verwendet werden könnte, erklärt ein Verpackungs-Experte.
Lassen die Aussteller ihren Müll einfach liegen?
Für die Entsorgung ist die Kölnmesse zuständig, die Aussteller tragen die Kosten. Der Müll kann auf dem Gelände getrennt werden. Es gebe einen Test mit unterschiedlichen Containern, erklärt Kölnmesse-Sprecher Guido Gudat. Farben und Symbole sollen den Ausstellern helfen, ihren Müll zu trennen. Verpflichtend ist das aber nicht.

Die Schokolade steckt in Papier.
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Was macht die Kölnmesse für mehr Nachhaltigkeit?
„Es handelt sich um ein ressourcenintensives Business“, bestätigt Messe-Sprecher Gudat. Aber das Thema Nachhaltigkeit sei über alle Messen hinweg „durchgängig präsent“. Im Moment sammelt die Kölnmesse Informationen über das eigene Geschäft und gleicht sie mit den internationalen Zielen für nachhaltige Entwicklung ab.
„Alternative bieten“
Drei Fragen an Thomas Fischer, Wirtschaftsexperte bei der Deutschen Umwelthilfe. Interview: Katja Kenz
Welche Probleme sehen Sie bei den aktuellen Verpackungen?
Wir beobachten einen Trend zu stärker vorportionierten und kleineren Verpackungsgrößen. Gerade bei Kleinstverpackungen entsteht aber besonders viel Plastikmüll, gleichzeitig soll für weniger Ware mehr bezahlt werden. Das ist oft nur ein Marketinginstrument, um einen höheren Preis zu rechtfertigen. Stattdessen sollten Abfallvermeidung und Klimaschutz im Vordergrund stehen. In einigen Läden gibt es bereits die Möglichkeit, selbst zu portionieren – im besten Fall in mitgebrachte Behälter. Das wäre auch ein bedarfsgerechtes Einkaufen.
Gibt es Verpackungen, die besonders schädlich sind?
Aluminium gehört von der Ökobilanz her zu den unökologischsten Verpackungsmaterialien. Allerdings lassen sich Produkte, die etwa in glitzernde, mit Aluminium bedampfte Folie verpackt sind, oft besonders gut verkaufen. Sie sind etwas fürs Auge. Aber nicht für die Umwelt, denn das Material lässt sich nicht recyceln. Auf solche Materialien sollte verzichtet werden. Außerdem sind Verpackungen oft nur teilweise gefüllt, weil die Produkte angeblich Luft nach oben brauchen. Halbleere Verpackungen sollten längst der Vergangenheit angehören. Aber auch einzeln verpackte Bonbons oder kleine Gummibärentütchen in einer großen Plastiktüte stehen in der Kritik.
Welche Rolle haben die Verbraucher?
Viele Verbraucher wollen sich umweltfreundlich verhalten, wissen zumeist jedoch nicht wie nachhaltig welche Verpackung wirklich ist. Deshalb braucht es mehr Transparenz und Informationen für Verbraucher. Denn nur dann kann er eine selbstbestimmte Kaufentscheidung treffen. Ein Umweltsiegel wie der Blaue Engel könnte hier weiterhelfen.
Unter anderem soll es darum gehen, wie „der Umgang mit Ressourcen optimiert werden kann“ oder wie sich Lieferketten darstellen. Um Staus zu vermeiden, arbeitet die Kölnmesse an einem digitalen System, das Lkw leitet. Mehr als 16 000 schwere Laster über 30 Tonnen steuern die Kölnmesse pro Jahr an.
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Wohin mit den Süßigkeiten nach der Messe?
Die Süßigkeiten, die übrig bleiben, gehen an die Kölner Tafel e.V. Bei der Lebensmittelmesse Anuga im Oktober kamen so 140 Paletten zusammen. Früher wurden ISM-Reste auch an Karnevalsvereine vergeben. Das ist seit einiger Zeit vorbei, aus „logistischen Gründen“, wie Peggy Krause von der Kölnmesse betont. Jetzt werden die Süßigkeiten von der Kölner Tafel an Bedürftige überreicht – und nicht mehr als Kamelle geworfen.

