Mehrere hundert Trauergäste haben auf dem Westfriedhof Abschied von Fritz Schramma genommen.
Abschied vom Alt-OBBewegende Trauerfeier für Fritz Schramma, „den Köln-Versteher schlechthin“

Ein Herz aus Blumen und zahlreiche Kränze umgeben den Sarg von Fritz Schramma.
Copyright: Arton Krasniqi
Oberbürgermeister Torsten Burmester schloss seine Rede mit einem Versprechen. „Wir werden gut achtgeben auf alles, was Fritz so liebte: sein Köln.“ Wie sehr Fritz Schramma seine Heimatstadt geliebt und mit ihren Menschen verbunden war, zeigte sich nicht nur in der Rede seines Amtsvorgängers. Unter den mehreren hundert Trauergästen am Donnerstag auf dem Westfriedhof waren zahlreiche Vertreter von Vereinen, Verbänden, Institutionen und Initiativen, die Fritz Schramma nicht nur während seiner Amtszeit als Oberbürgermeister von 2000 bis 2009 begleitet hatte. Der am 17. August verstorbene Kölner war ein Menschenfreund, stellte auch Stadtdechant Robert Kleine fest. „Er war kommunikativ, wertschätzend und begegnete einem stets auf Augenhöhe.“
Trauerfeier für Fritz Schramma auf dem Westfriedhof
Fritz Schramma wäre am gestrigen Donnerstag 79 Jahre alt geworden. Die Familie hatte seinen Geburtstag für die Trauerfeier gewählt. Kleine bezog sich in seiner Predigt auf einen Römerbrief des Apostels Paulus, in dem erklärt wird, dass jeder Mensch von Gott bestimmte Fähigkeiten geschenkt bekommen habe. Schramma habe gleich zahlreiche Gaben erhalten, die er zum Wohle anderer Menschen eingesetzt habe. Zum Beispiel als Lehrer. Später sei aus dem Lehren das Leiten geworden. „Leitung heißt aber nicht, Herrschaft über andere auszuüben, sondern Einsatz und Verantwortung für Menschen zu zeigen.“
Eine weitere Gabe des Verstorbenen sei gewesen, Trost zu spenden. Nach dem Tod seines Sohnes Stephan, der 2001 im Alter von 31 Jahren als Unbeteiligter bei einem illegalen Straßenrennen ums Leben kam, hätten Schramma und seine Frau Ulla vor Gericht schmerzlich erfahren müssen, dass die Perspektive der Opfer nicht dieselbe Aufmerksamkeit erhält wie die der Täter. Daraufhin gründete das Ehepaar die Kölner Opferhilfe. „Aus einem Verlust wurde eine Institution, die heute Hunderte Menschen geholfen hat.“
Viel Prominenz bei Trauerfeier
Unter den Trauergästen waren zahlreiche Amtsträger, wie Polizeipräsident Johannes Hermanns, sein Amtsvorgänger Jürgen Mathies, Festkomitee-Präsident Lutz Schade, ehemalige Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung wie der heutige Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller und Guido Kahlen, die beide Stadtdirektor in Köln waren. Notar Konrad Adenauer, Ex-Rheinenergie-Chef Helmut Haumann, Radio- und Fernsehmoderator Manfred Erdenberger oder Rechtsanwalt Rolf Bietmann stehen ebenso für die Zeit des Politikers Fritz Schramma.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller, einst Stadtdirektor von Köln, am Grab von Fritz Schramma.
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Er habe gegen die Krebserkrankung gekämpft wie ein Löwe, habe Ulla Schramma im Vorfeld der Trauerfeier zu Robert Kleine gesagt. Noch vor wenigen Wochen habe er ein Straßenfest organisiert, berichtete der Stadtdechant weiter. Eine Woche vor Fritz Schrammas Tod wurde dann festgestellt, dass er austherapiert sei, so Kleine. Schramma habe einen Tag später ein Zimmer in der Palliativstation des Mildred-Scheel-Hauses bezogen. Kurz vor seinem Tod habe Kleine ihn besucht. „Er bekam starke Schmerzmittel, wir haben unsere Hände gefasst und das Vaterunser gebetet.“ Dann habe er aufgehört zu atmen. „Jetzt ist er bei Stephan“, habe Ulla Schramma zu Kleine gesagt.

Zahlreiche Karnevalisten standen Spalier, als der Sarg aus der Trauerhalle gezogen wurde.
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Viele Trauergäste kämpften mit den Tränen, als Mitglieder des Jugendchors St. Stephan daraufhin das Lied „Morning has broken“ anstimmten. Dieses wurde auch bei der Beerdigung von Stephan Schramma gespielt. Alle Lieder hatte Ulla Schramma für die Trauerfeier ausgewählt, darunter „Only Time“ von Enya, „Tears in Heaven“ von Eric Clapton oder die Titelmelodie des Kinofilms „Forrest Gump“ beim Auszug.
Es war auch Ulla Schrammas Wunsch, dass der amtierende OB eine Rede hält, sagte Burmester. „Seine Einschätzungen und Perspektiven waren klug und wertvoll. Ich erlebte ihn als nahbar. Als jemanden, der ein echtes Interesse am Gegenüber hatte. Als jemanden, der die Stadt kannte wie kaum jemand sonst.“
Schramma habe Kritik dafür einstecken müssen, dass er Jahr für Jahr 270 Termine im Karneval absolviert habe, sagte Burmester und äußerte sein Unverständnis dafür: „Seine Präsenz habe ich vielmehr als Ausweis seiner Köln-Liebe begriffen – und als Instrument dafür, zu wissen und zu würdigen, wie diese Stadt tickt.“

Stadtdechant Robert Kleine führte den Trauerzug zur Grabstätte auf dem Westfriedhof.
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Der „Fritz“ sei laufend unterwegs gewesen, habe gerne „sein Köln“ fotografiert. Burmester: „Mir ist niemand bekannt, der einen solch umfassenden Blick auf Köln, eine solche Orts- und Menschenkenntnis besitzt, wie Fritz. Er war der Köln-Versteher schlechthin. Das war seine entscheidende Stärke.“ Das sei auch Ausgangspunkt für sein politisches Handeln gewesen: „Er dachte von den Menschen her – ein immer noch unterschätzter Ansatz in der Politik – ein Ansatz, mit dem sich Vertrauen in Demokratie und Staat fördern lässt.“
Burmester hob Schrammas Verdienste hervor, unter anderem die Gründung des Rates der Religionen – hervorgegangen aus Schrammas Erfahrungen beim Weltjugendtag, als der Papst die Synagoge in der Roonstraße besucht und sich auch mit Vertretern der Muslime getroffen hatte. Auch der Ehrenamtspreis zählt zu einem Vermächtnis Schrammas, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht.
„Trauer ist schwer, aber öffentlich trauern zu müssen, ist schwerer“, wandte sich Burmester noch einmal an die Familie Schramma und wünschte viel Kraft. Die brachte auch Bernhard Conin auf, als er liebevoll und rührend über eine 60-jährige Freundschaft sprach. Als Zwölfjähriger habe er eine riesige Fahne des 1. FC Köln geschenkt bekommen und sei damit durch Ossendorf gelaufen. Dabei habe er Fritz Schramma kennengelernt. Erst war es nur der FC, der die beiden verband, dann traten beide in die CDU ein. „Aber Fritz blieb Fritz“, sagte Conin, auch als Schramma OB wurde. Die Kirchengemeinde St. Rochus in Ossendorf, das Veedel – „Fritz war gerne mittendrin“.
Am Samstag vor seinem Tod hätten die beiden noch einmal miteinander gesprochen, unter anderem auch über den FC. „Ich hoffe, dass Dir Dein Glaube zu Gott jetzt hilft“, kämpfte Conin mit seiner Stimme. „Und dass die da oben auch so eine FC-Fahne haben. Fritz, bleib Fritz!“
Als der Sarg aus der Trauerhalle zur Beisetzung gerollt wurde, standen etliche Standartenträger Kölner Karnevalsgesellschaften Spalier. Unter den Trauergästen waren neben zahlreichen aktiven und ehemaligen Ratspolitikern auch Karnevals-Legende Ludwig Sebus, Ex-SPD-Bundesvorsitzender Norbert Walter-Borjans, Ex-Ford-Chef Bernhard Mattes, FC-Präsident Jörn Stobbe, FC-Altstar Toni Schumacher, die Ex-Höhner Henning Krautmacher, Hannes Schöner und Schauspielerin Samy Orfgen. Viele von ihnen fuhren im Anschluss zur Trauerfeier ins Rathaus. Zur Fahrt dorthin standen Busse bereit.
