Das Restaurant Wagenhalle in der Comedia muss nach 16 Jahren Platz machen macht Platz für neue, jüngere Formate. Wer in Erinnerungen schwelgen will: Am Samstag findet eine Verkaufsaktion von Inventar und Deko statt.
Comedia mit neuem KonzeptWagenhalle in der Kölner Südstadt ruft zum Abverkauf

Auch das ist Geschichte: Jeckespill in der Comedia Wagenhalle
Copyright: Simon Westphal
Für die einen ist ein trauriger Jahresbeginn, für die anderen ein verheißungsvoller Neustart. Die Wagenhalle, das Gasthaus in der Comedia in der Südstadt, ist seit dem Jahreswechsel Geschichte. Der Pachtvertrag mit Betreiber Norbert von der Grün wurde seitens der Comedia nicht mehr verlängert. Nun muss (fast) alles raus, was zum Restaurant und früheren Ambiente gehörte.
„Schweren Herzens mussten wir unser Gasthaus zum 31.12.25 schließen. Viele Jahre, viele Begegnungen, viele Geschichten“, verabschiedet sich das Wagenhalle-Team in den sozialen Medien. Und ruft die Freunde des Hauses zu einer besonderen Abschiedsaktion am morgigen Samstag ab 12 Uhr auf: „Damit unser Inventar, Mobiliar, Deko und die Kunst aus unseren Räumen in gute Hände und neue Zuhause kommen, laden wir euch zu einem Abverkauf ein. Es gibt unterschiedliche Stühle, Tische, Dekoartikel sowie Kunstwerke, die uns über die Jahre begleitet haben. Wir freuen uns, wenn all diese Stücke weiterleben dürfen – mit neuen Geschichten an neuen Orten.“ Und während von der Grün und sein Team noch die Kisten mit Inventar und Dekomaterial aus dem Keller holen – „Sie glauben gar nicht, was sich in 16 Jahren angesammelt hat“, sagt von der Grün auf Nachfrage der Rundschau – ist das Team der Comedia längst im Arbeits- und Planungsmodus für die künftige Nutzung.
Die Wagenhalle heißt ab sofort nur noch „Halle“ lässt Comedia-Sprecherin Astrid Hage wissen und soll künftig als weiterer Veranstaltungsraum der Comedia offen gestaltet sein für neue, luftige und jüngere Formate. „Zwischen Bühne und Bar entsteht etwas Neues“, lautet das Motto auf dem Transparent in der Halle. Hier wird schon eifrig abgebaut und neu gedacht.
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Viele Ideen für neue Formate
Live-Podcasts, Shows von Internetstars, Koch- und Gesangsshows, Ausstellungen, Videoinstallationen und vieles mehr geistert da gerade durch die kreativen Köpfe. „Wir machen das Schritt für Schritt“, sagt Hage. Am Ende soll es eine ganz „andere Atmosphäre und eine neuen Kulturort“ geben. Für sie, die seit 25 Jahren für die Comedia arbeitet, ist der Aufbruch gelernte Kultur im Haus. „Es war immer schon so: Die Comedia ruht sich nicht aus. Wenn etwas gut funktioniert, sagen wir: Super. Und was machen wir als nächstes?“
Das neue Konzept ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Comedia sich als „Zentrum der Kultur für Junges Publikum Köln und NRW“versteht, von Stadt und Land auch gefördert wird, um ein Begegnungsort für junge Leute, auch „dritter Ort“ genannt, zu sein. Dahinter verbirgt sich die Idee vom überwiegend konsumzwangfreien, inklusiven, Kultur, Demokratie und Gemeinschaft fördernden Zusammensein. „Das Haus der Kultur für junge Menschen vollendet sich jetzt“, schwärmt Hage. Auch wenn sie einräumt, dass wegen der geplanten Verjüngungskur von Angebot, Raum und Programm ein Teil der Klientel der Wagenhalle verloren gehen könnte.
Theke nur noch bis Karneval
Norbert von der Grün kann das bestätigen. Seine Gäste haben ihm, seit das Ende der Wagenhalle besiegelt ist, vielfach ihr Bedauern ausgesprochen, erzählt er. Noch schwerer wiegt für ihn, dass er viel ins Gasthaus gesteckt hat, was nun für ihn verloren ist. „Ich habe noch in der Corona-Zeit Investitionen getätigt, in der Hoffnung, dass wir unserer Pachtvertrag verlängert bekommen.“ Massive Tischplatten, Designer-Tapeten und nicht zuletzt das Herzstück, die große Theke, wird er nicht mitnehmen können. Die, ausgerechnet, wird noch einmal Mittelpunkt sein: Zu Karneval gibt es in der Halle drei Partys im Rahmen der c/o pop. Danach soll die Theke, die auch eine Barriere zum Eingangsbereich war, weichen.
Ein gastronomisches Angebot, Getränke und Snacks, soll es dennoch weiter geben. „Aber es wird nicht mehr so teuer, wie im Restaurant war“, verspricht Hage. Auch die Terrasse, die von Theater und Restaurant gemeinsam genutzt wurde, wird als Verweilort bleiben. Derzeit ist die Comedia auf der Suche nach neuen Mitarbeitenden – auch für den dann etwas anderen Gastrobereich in der Halle. Von der Grün hätte gerne weiter mitgemischt. „Ich wurde leider nicht gefragt, ob ich das neue Konzept könnte“, sagt er und wirft fast schmunzelnd hinterher: „Ich schätze, ich war mit 69 zu alt!“
