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Events, Messebau, TierfutterDer außergewöhnliche Lebenslauf des Kölner Künstlers Tim Ley

4 min
Tim Ley hat sich mit seiner ersten eigenen Kunstausstellung selbst verwirklicht.

Tim Ley hat sich mit seiner ersten eigenen Kunstausstellung selbst verwirklicht.

Was er beruflich macht, konnte Lebenskünstler Tim Ley lange nicht genau sagen. Jetzt ist er „aus tiefstem Herzen“ Künstler.

Es ist ein Satz, den Tim Ley lange nicht über die Lippen gebracht hat, obwohl er ihn eigentlich schon genauso lange in sich getragen hat: „Ich bin Künstler.“ Wie ein Befreiungsschlag und „total richtig“ fühle es sich an, das mit Blick auf seine erste eigene Kunst-Ausstellung in der „Narander Art Galerie“ im Rheinauhafen „aus tiefstem Herzen“ sagen zu können. Denn die Frage, was er eigentlich so mache – um Geld zu verdienen, aber auch um sich selbst zu verwirklichen –, die konnte er lange Zeit gar nicht so leicht beantworten. „Lebenskünstler“, so bezeichnet sich Ley selbst. So sehen ihn auch seine Freunde. Der Eindruck verfestigt sich schnell auch für Außenstehende, die seinen ungewöhnlichen Lebenslauf sehen. „Das Wort hat immer einen leicht negativen Beigeschmack“, findet Ley. „Aber ich sehe das eher positiv. Ich habe in meinem Leben schon unheimlich viel erlebt.“

Das Kreative lag Tim Ley schon als Kind. „Wenn es um Kunst oder Handwerk ging, war ich in der Schule immer gut. Die anderen Fächer haben mich nicht so interessiert.“ Schon als Schüler half er bei einer Eventagentur aus, machte später eine kaufmännische Ausbildung im Eventbereich und eine Dachdeckerlehre. Mit 20 Jahren machte er sich im Messe- und Ladenbau selbstständig. Über Jahre gestaltete er bekannte Kölner Clubs um – unter anderem das mittlerweile geschlossene Ivory, das Vanity, Diamonds oder das Bootshaus. Später ging es verstärkt auch in den Hausbau. Unter anderem war er am Umbau eines Penthouses im Unicenter beteiligt, ein fast einjähriges Großprojekt.

Kölner Tüftler Tim Ley: Mit „Goleygo“ bei der „Höhle der Löwen“

Als ihm alles zu viel wurde, suchte Ley Veränderung. Und setzte unternehmerisch alles auf eine Karte. Seine Erfindung eines innovativen Magnetverschlusssystems für Hundeleinen mit dem Namen „Goleygo“ präsentierte er in der TV-Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“. In Investor Ralf Dümmel fand er einen Partner und verkaufte am Ende laut eigenen Angaben rund 350.000 seiner Hundeleinen. So schnell der Erfolg kam, so schnell wendete sich das Blatt wieder. „Es gab eine Patentklage eines Konkurrenten. Am Ende haben wir den Prozess gewonnen, haben aber viel Geld und Kraft dadurch verloren.“ Ley zog sich aus dem Projekt zurück. „Ich trauere dem Projekt nicht nach. Ich habe so viele Erfahrungen dadurch gewonnen, die ich an anderer Stelle anwenden kann.“

Als die Pandemie kam, stieg Ley gemeinsam mit Partnern aus der Veranstaltungsbranche ins Testzentrums-Geschäft ein und baute mit seiner Erfahrung im Ladenbau Testzentren in Einkaufszentren auf. Mit dem verdienten Geld kaufte er sich schließlich Pelletpressmaschinen – zunächst für Holzpellets zum Heizen. Dann, nachdem der Holzmarkt nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs wieder eingebrochen war, für Heu-Pellets, die er als Tierfutter verkaufte. Dieses Geschäft laufe inzwischen stabil und liefere ihm ein verlässliches Einkommen, sagt Ley. Damit ergab sich wieder mehr Freiheit, die er in seine kreativen Projekte stecken konnte.

Genau aus dieser neu gewonnenen Zeit heraus entstand in diesem Frühjahr die Idee zu seinen Holzarbeiten, die er nun im Rheinauhafen ausstellt. Ley verwendet dafür kleine, gleich lange Hölzer, ein Abfallprodukt aus der Möbelindustrie, die er in einem selbst entwickelten Verfahren mit einem speziellen Kleber mischt und formt. Rund 24 Stunden müsse das Material aushärten, bevor es weiterbearbeitet und lackiert werde.

Tim Ley vor seinem größten Kunstwerk.

Tim Ley vor seinem größten Kunstwerk

Unter dem Titel „Straight/Dynamics“ sind in der Galerie am Rheinauhafen 38 Werke zu sehen, entstanden allesamt in diesem Jahr. Mal sind die Hölzer gleichmäßiger angeordnet („Straight“) mal unregelmäßiger („Dynamics“). „Meine Kunst ist auch ein Rückgriff auf das, was ich in meiner beruflichen Laufbahn gemacht habe. Ich muss mit Material arbeiten und bin froh, dass ich etwas gefunden habe, das es so bisher nicht gibt“, sagt Ley. Dass er nie Kunst studiert hat und sich bewusst nicht mit Kunstgeschichte oder den Arbeiten anderer Künstler beschäftigt, sieht Ley als Vorteil: Er wolle nicht verkopft oder beeinflusst sein, sondern seinem eigenen Gefühl folgen.

Angst, mit diesem Schritt zu scheitern, hat er nach eigener Aussage keine. „Ich ziehe unheimlich viel aus dem Scheitern, genauso wie aus Erfolgen“, sagt er. Finanziell müsse er mit der Kunst nichts verdienen. „Ich will einfach das zeigen, was schon so lange in mir brodelt.“ Was danach kommt, weiß er noch nicht. Nur eines ist für ihn klar: Die Ausstellung zeigt bislang nur „einen Bruchteil von dem“, was er noch umsetzen möchte. Der Befreiungsschlag, sagt Tim Ley, soll erst der Anfang gewesen sein.

Die Ausstellung „Straight/Dynamics“, ist noch bis zum 27. Januar in der „Narander Art Galerie“ (Anna-Schneider-Steig 3, 50678 Köln) im Rheinauhafen zu sehen.