Am Wochenende laden Oper und Schauspielhaus zum Tag der offenen Tür ein. Wir haben geschaut, wie der Endspurt läuft.
Glühbirnen, Geschirr, TischeDie letzten Vorbereitungen für die Eröffnung der Oper

Bevor das Publikum kommt, wurden alle Glühbirnen in den Lüstern ausgetauscht.
Copyright: Michael Bause
In schwindelnder Höhe stehen die Fachleute auf einer Leiter und sorgen dafür, dass das Opernfoyer rechtzeitig vor dem Tag der offenen Tür noch mehr Glanz bekommt. In die Muranoglas-Leuchter, die auch von außen durch die großen Fenster zu sehen sind, werden neue Birnen eingeschraubt. „Bisher hatten wir, um zu sehen, ob die Technik funktioniert, einfache Birnen benutzt. Und die waren teilweise lange in Betrieb. Nun sind es die neuesten LED‑Leuchten. Die bringen das Glas nochmal richtig zum Leuchten“, sagt Architekt Remigiusz Otrzonsek, der verantwortlich für die Sanierung der Kölner Bühnen ist.
Neue Sitzmöbel und tiefschwarze Stehtische
Stiltreue ist beim Riphahn-Bau aus den 1950er-Jahren das oberste Gebot. „Das hier ist Eleganz ohne Prunk. Keine Büste, keine Wandmalereien. Dieses Gebäude ist ein Symbol für Demokratie. Wir sind nicht die Semper-Oper.“ In der Tat ist das Foyer in der Farbgebung sehr zurückhaltend. Trotz des bevorstehenden Festes: Hier steht keinerlei Deko herum. Aufgestellt sind lediglich ein paar der neuen Sitzmöbel und die feingliedrigen, tiefschwarzen Stehtische sind auch gerade angekommen. Auf den Tischflächen klebt noch Plastikfolie.

Architekt Remigiusz Otrzonsek (l.) und sein Büroleiter Robert Bönsch
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Der Architekt zieht eine davon vorsichtig ab und sagt: „Hier haben wir ausnahmsweise eine glänzende Oberfläche gewählt. Wenn man reinschaut, ist es, als wenn man in einen tiefen Brunnen hineinsieht. Und es spiegelt sich der Raum mit den Leuchten“, sagt er begeistert.

In der Garderobe wurden zurückhaltende Sitzmöbel aufgestellt.
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Im neuen Erfrischungsraum steht das Geschirr noch eingepackt in Kisten. Nein, bei der Auswahl habe er keinen Einfluss genommen, sagt der Architekt. Aber auf die Gestaltung der Bar. Die ist in Aluminium gehalten. „Auf den alten Fotos konnte man es nur schwer erkennen, aber es war wohl ursprünglich so.“
Aufgestellt sind inzwischen einige sehr zurückhaltende Sitzmöbel, etwa in der Garderobe. Die aufgearbeiteten Garderobenhaken recken sich fast neugierig den erwarteten Besuchern entgegen. Auffällig unauffällig ist der blau-graue Teppich, der noch einmal kräftig gesaugt wird. Ob der nicht etwas empfindlich ist? Nein, das sei geprüft worden. Der sei widerstandsfähig. Außerdem entspreche auch der Teppich dem Original. „Nach dem Krieg galten textile Bodenbeläge als cool.“

Letzte Arbeiten am neuen Mosaik der Künstlerin Shannon Bool im Patio.
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In einem der beiden Patios liegt ein Mitarbeiter bäuchlings vor dem großen Mosaik „Glass Curtain“ der Künstlerin Shannon Bool und bessert in der unteren Reihe einige Fugen aus. Die Werke von Bool sind einer der wenigen Farbtupfer in der Oper und wurden 2022 bei einem Kunstwettbewerb ausgewählt. „Vorher war hier nur eine hässliche verputzte Wand“, so der Architekt. Die beiden Mosaike werden am Wochenende erstmals für die Öffentlichkeit zu sehen sein. Insgesamt strahlt die Oper vor der Eröffnung eine Art stille Würde aus. Nur wenige Menschen sind unterwegs.
Im Schauspielhaus laufen die Proben schon ganz normal
Im Schauspielhaus dagegen wird noch viel gewerkelt. Im Erfrischungsraum, wo einst das Westend-Theater war, entsteht eine kleine Bühne. In dem Raum soll es natürlich Getränke und Snacks geben, aber auch gespielt werden, vor bis zu 100 Zuschauern. „Die runden Stufen für die Bühne haben wir in Eigenregie angefertigt“, sagt Bühneninspekteur Sebastian Dries. Noch liegen sie aufgestapelt im Raum.

Im Erfrischungsraum wird noch gewerkelt. Hier soll auch Theater gespielt werden.
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Auch die Glasbaustein-Wand, vor der nun die Theke steht, ist noch in Arbeit. Denn dahinter befindet sich ein sehr schmaler Raum mit aufrecht stehenden Leuchtröhren. „Da muss jetzt noch ein Kollege reinklettern und die Röhren mit bunter Folie umwickeln, damit die Wand von hinten bunt beleuchtet werden kann“, sagt Dries.
Auf dem Weg zur Bühne passiert man ein Leuchtschild mit der Aufschrift „Mithören“. Das bedeutet, dass beim Aufleuchten in allen Räumen des Schauspielhauses mitgehört werden kann, was auf der Bühne passiert. „Später wird auch noch ‚Mitsehen‘ dazukommen, sowas gab es früher nicht“, so Dries. Der 38‑Jährige ist schon seit 17 Jahren bei den Kölner Bühnen. „Ich bin einer der wenigen Mitarbeiter, die das Haus noch vor der Sanierung kannten.“

Bühneninspektor Sebastian Dries ist einer der wenigen, der auch schon im alten Haus gearbeitet hat.
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Auf der Bühne wird eines der ersten Stücke geprobt. Es herrscht große Konzentration, da ein Schuss fallen soll. Natürlich mit Schreckschusspistole. Ein Waffenmeister ist zur Sicherheit dabei und es wird vorgewarnt. Aber das ist alles Routine. „Das Herz des Schauspielhauses pocht schon. Wir sind spielbereit“, sagt Dries nicht ohne Stolz.

Der Offenbachplatz wird gereinigt.
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Hinter der Bühne wird gleichzeitig alles für den Tag der offenen Tür vorbereitet, wenn hier Menschen im wahrsten Sinne des Wortes hinter die Kulissen schauen dürfen. Der Backstage-Bereich ist 23 Meter hoch. Hier gibt es 44 Maschinenzüge, die 1,8 Meter in einer Sekunde schaffen und unglaublich leise sind. Hier werden die großen LED-Wände verkabelt, die am Wochenende mit einer Technikshow bespielt werden – aber die natürlich auch in den Theaterstücken zum Einsatz kommen. „Wir haben hier mit die modernste Bühnentechnik in Deutschland.“ Kollegen aus anderen Häusern würden schon neugierig anfragen.
Weiter geht es in die unterirdische neue Kinderoper – hier liegen noch einige Kabel und ein paar Gerüste für die Deckenverkleidung stehen noch. Premiere ist hier erst am 10. Oktober. Von Hektik keine Spur. 47 Mitarbeiter hat Sebastian Dries allein in seiner Abteilung für das Schauspielhaus. Die Oper hat eine eigene, noch größere Truppe.
Architekt Remigiusz Otrzonsek schaut aus dem Opernfoyer durch die großen Fenster auf den Offenbachplatz, dessen Plattenbelag nun mit Hochdruckreinigern herausgeputzt wird. Die letzten Glühbirnen in den Lüstern sind ausgetauscht, die Tische stehen. Und auf der Schauspielbühne fällt endlich der Schuss.
