Köln erwartet mehr als vier Milliarden Euro Verlust bis 2031 – das trifft viele Menschen. Hier schildern einige, was das für sie heißt.
Kölner FinanzkriseJetzt sprechen Betroffene – Haushaltsentwurf nimmt Ehrenamtlern die Motivation

Der ausgedruckte Entwurf für den Haushalt 2027/2028 der Stadt Köln.
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Sabine Osbelt, Geschäftsführerin Lobby für Mädchen

Sabine Osbelt ist Geschäftsführerin der Lobby für Mädchen.
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„Wenn bei den Jugendeinrichtungen Kürzungen getroffen werden – und so ist es ja da erstmal eingestellt –, sind wir mit unseren Mädchenzentren auf jeden Fall auch betroffen. Das würde in der Konsequenz heißen, dass wir Öffnungszeiten reduzieren müssten, das heißt weniger Zeit für Bildung, für Freizeit, für Demokratieförderung, für Prävention. Geschlechtsspezifische Räume, Safer Spaces nur für Mädchen und junge Frauen, würden noch weiter reduziert. Es ist ja nicht so, als hätten wir in der Stadt Köln davon so viel.
Und bezogen auf unsere Beratungsstelle: Die Kosten steigen, aber die Zuschüsse werden nicht angemessen an die Kostensteigerung angepasst. Das heißt in der Konsequenz: Es gäbe keine Unterstützung mehr für Mädchen und junge Frauen bei sexualisierter Gewalterfahrung, bei Erfahrung mit digitaler Gewalt, bei Essstörungen.
Bei bundesweit steigenden Zahlen von Gewalt gegen Mädchen und Frauen fordern wir vom Rat der Stadt Köln, die Mädchen- und Frauenhilfegruppen vernünftig zu finanzieren, damit das Recht für Mädchen und Frauen auf Gewaltschutz gewährleistet ist. Sie haben ein Recht darauf, und der Bund hat sich dazu verpflichtet.“
Karolin Hüner, Geschäftsführerin der Kölner Freiwilligen-Agentur

Karolin Hüner ist Geschäftsführerin der Kölner Freiwilligen-Agentur.
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„Mit großer Sorge blickt die Kölner Freiwilligen-Agentur auf den Haushaltsentwurf der Stadt Köln für die Jahre 2027/2028. Uns ist bewusst, unter welchem enormen finanziellen Druck die Stadt Köln steht und wie schwierig es ist, unter diesen Bedingungen einen tragfähigen Haushalt aufzustellen. Umso wichtiger ist es aus unserer Sicht, sehr genau hinzusehen, wo gekürzt wird – und welche langfristigen Folgen diese Einsparungen für die Stadtgesellschaft haben.
Besonders betroffen sind erfolgreiche Projekte der Kölner Freiwilligen-Agentur, die Rahmenbedingungen für ein erfüllendes bürgerschaftliches Engagement bieten: Lese-Welten, das Kita-Vorleseprojekt der Kölner Freiwilligen-Agentur, sowie die im Rahmen der Mindeststandards geförderte Geflüchtetenarbeit – wie das Forum für Willkommenskultur.
Diese Projekte ermöglichen Bildung, Begegnung, Unterstützung, Vernetzung und bürgerschaftliches Engagement und sind über viele Jahre fest in der Kölner Stadtgesellschaft verankert – aber im Haushaltsentwurf 2027/28 nicht enthalten. Sogar die seit Jahren nicht erhöhte institutionelle Förderung wurde – anstatt sie an Inflation und Tarifsteigerungen anzupassen – deutlich gekürzt.
Unser Kernstück, die Ehrenamtsvermittlung und Beratung von interessierten Kölnerinnen und Kölnern, muss demnach deutlich zurückgeschraubt werden. Stand jetzt belaufen sich die kommunalen Kürzungen in der Kölner Freiwilligen-Agentur auf ein Minus von 45 Prozent.“
Antje Strick, Mitarbeiterin bei „Frauen Leben“

Antje Strick arbeitet für die Beratungsstelle „Frauen Leben“.
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„Wir würden nach dem Haushaltsplanentwurf 58.684 Euro, unsere gesamte institutionelle städtische Förderung, verlieren. Das sind etwa 18 Prozent unserer Finanzierung. Wir bekommen noch Geld vom Land, eine städtische Förderung für die Fachberatung sexualisierte Gewalt und müssen zehn Prozent selbst erwirtschaften. Aber wir können jetzt nicht plötzlich zusätzlich 60.000 Euro durch Spenden auftreiben. Wenn es bei der Streichung der Mittel bleibt, ist das für uns existenzbedrohend.
Das heißt, dass 900 von Gewalt betroffenen Frauen pro Jahr in Köln nicht mehr geholfen wird. Wir haben Wartezeiten von drei bis vier Wochen auf Beratungstermine, die werden dann bei den wenigen verbliebenen, vorwiegend kirchlich getragenen Stellen weiter in die Höhe gehen – wenn die Frauen sich überhaupt dorthin wenden. Während wir Projekte dichtmachen, nimmt die Gewalt gegen Frauen zu.“
Ulrich Bergmann, Geschäftsführer Der Paritätische Köln

Ulrich Bergmann ist in der Geschäftsführung der Kölner Kreisgruppe des Paritätischen NRW.
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„Man kann dem Haushaltsentwurf das Bemühen ansehen, soziale Strukturen in Köln möglichst zu erhalten. Trotzdem gibt es massive Kollateralschäden, einige Bereiche und Träger trifft es sehr deutlich. Die Stadt hat recht, dass die Kostensteigerungen im Sozialen nicht ausreichend von Land und Bund gegenfinanziert werden. Aber die Kürzungen bei den vermeintlich freiwilligen Leistungen sind kein kluges Sparen, denn Investitionen in Prävention zahlen auf den Pflichtbereich ein.
Wenn es zum Beispiel das Kölner Therapiezentrum, das Hilfe für Kinder mit Teilleistungsstörungen anbietet, nicht mehr gibt, folgt daraus ziemlich sicher, dass die Stadt mehr Hilfe zur Erziehung zahlen muss.“
Alfred Getz, geschäftsführender Vereinsvorstand des Kölner Therapiezentrums

Alfred Getz leitet das Kölner Therapiezentrum.
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„Wir helfen neben unserer Ergotherapie und Logopädie, die über die Krankenkasse abgerechnet wird, auch Grundschulkindern über ganzheitliche Heilpädagogik. Und dieser Bereich ist komplett gekürzt im Haushaltsentwurf. Wir haben zuvor rund 720.000 Euro jährlich bekommen, das reichte für 590 Familien im Quartal. 2360 Familien pro Jahr konnten wir damit also helfen. Der Bedarf ist riesig.
Wir sind besonders in benachteiligten Stadtteilen aktiv. Ohne unsere Heilpädagogik würden diese Kinder die Grundschule nicht gut schaffen und ihre Zukunft wäre verbaut. Auch müsste dann die Stadt die Familien mit ihren Hilfen zur Erziehung unterstützen – was sie das Vierfache kostet im Vergleich zum Zuschuss für unser Zentrum.“
Christian Schauerte, zweiter Vorsitzender Kölner Eis-Klub

Dominik Schauerte, Erik van Zantvoort (Trainer Eisschnelllauf) und Christian Schauerte im Eisstadion Lentpark (v. l.)
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„Die Streichung der Eissportförderung bedeutet für uns ein Minus von 100.000 Euro. Um dieses aufzufangen und ein sinnvolles Angebot erhalten zu können, wären Beitragserhöhungen von 66 Prozent erforderlich. Eine solche Beitragsanpassung ist nicht darstellbar. Der Kölner Eis-Klub e. V. stünde damit vor dem Aus. Das Ende des Eissportes an der Lentstraße nach 90. Jahren – ausgerechnet im Jubiläumsjahr.
Die ‚Sportstadt Köln‘ würde so – ohne, dass im Vorfeld der Veröffentlichung des Haushaltsplanentwurfes eine Kommunikation mit uns stattgefunden hätte – das gänzliche Verschwinden der vereinsmäßigen Ausübung der Sportarten Eiskunstlauf, Eistanz, Eisschnelllauf und Curling in unserer Stadt besiegeln.
Die Verhaltensweise der Stadt Köln ist wenig geeignet, um Motivation zum Ehrenamt zu schaffen und unsere Mitglieder und Unterstützer vertrauensvoll davon zu überzeugen, dass ihr bürgerliches Engagement weiterhin Früchte tragen wird und es sich lohnt.“
