Allein in Köln arbeiten rund 32.000 Menschen im Gastgewerbe. Die Gewerkschaft NGG möchte nun den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.
Mehr Lohn, geregelte ArbeitszeitenGastro-Gewerkschaft kündigt Demo am Rudolfplatz an

Marc Kissinger, Geschäftsführer Gewerkschaft NGG Köln und Isabell Mura, Verhandlungsführerin Tarifvertrag Hotel- und Gaststättengewerbe vor dem DGB- Haus.
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In den laufenden Tarifverhandlungen für das Gastgewerbe in NRW erhöht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Region Köln, den Druck. Für Montag, den 7. September, ruft sie zu einer Kundgebung auf dem Rudolfplatz auf. Sie beginnt um 11 Uhr und dauert etwa zwei Stunden. Zu den Kernforderungen der NGG gehört, dass alle Beschäftigten und Auszubildenden sechs Prozent mehr Lohn und Azubis darüber hinaus eine Mobilitätspauschale erhalten, die dem Preis des Deutschlandtickets entspricht. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags solle zwölf Monate betragen.
Auch die Belastungen am Arbeitsplatz sind Thema der Kundgebung. Obwohl in der Gastronomie eine gesetzliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden pro Tag festgelegt sei, höre er von vielen Beschäftigten, dass sie immer wieder überschritten werde, sagte Marc Kissinger, Geschäftsführer der NGG Köln, am Freitag. In der Stadt seien im Gastgewerbe rund 32.000 Menschen tätig, jeweils zur Hälfte Angestellte und Minijobber. In ganz NRW sind es annähernd 430.000.
Gewerkschafter kritisiert mangelnde Dokumentation und Planbarkeit
Häufig werde von Beschäftigten erwartet, dass sie über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus bleiben, sagte Kissinger. Eigentlich wäre dann ein Mehrarbeitszuschlag von 30 Prozent fällig, „aber den sehe ich extrem selten auf Abrechnungen“. Oft würden die Extra-Stunden „nicht wirklich oder falsch dokumentiert“. Daher sei es schwierig, den Betroffenen, die sich in solchen Fällen an die Gewerkschaft wenden, zu ihrem Recht zu verhelfen.
Als weiteres Problem nannte der Geschäftsführer die mangelnde Planbarkeit für die Beschäftigten, weil der Standard, dass spätestens am Donnerstag die Dienstpläne für die Folgewoche stehen sollen, vielfach unterlaufen werde. Zum „Immunsystem für gute Arbeit“ gehörten, so der Gewerkschafter, Betriebsräte, Tarifverträge „mit klaren Regeln für die ganze Branche“ und Kontrollbehörden.
Branchentarifvertrag ist Ende Mai dieses Jahres ausgelaufen
Deshalb sollten gastronomische Unternehmen verpflichtet sein, ihre Beschäftigten über die Bildung von Betriebsräten zu informieren, im Arbeitgeberverband Dehoga NRW dürfe es keine Mitglieder ohne Bindung an den Tarifvertrag geben, und es brauche mehr Personal für Kontrollen.
Verhandlungsführerin Isabell Mura vom NGG-Landesverband NRW warf der Arbeitgeberseite vor, auf Zeit zu spielen. Der alte Branchentarifvertrag ist Ende Mai dieses Jahres ausgelaufen. Dass der Arbeitgeberverband beim ersten Verhandlungstermin Mitte Juni die Forderungen der NGG abgelehnt habe, ohne einen Gegenvorschlag zu unterbreiten, „hat uns wütend gemacht“, sagte Mura.
Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie wurde gesenkt
Mitte Juli, bei der zweiten Runde, habe der Dehoga 1,3 Prozent mehr Lohn für ungelernte Kräfte sowie 1,9 Prozent für Fach- und Führungskräfte angeboten. Wegen der Inflation, die im Juli 2,8 und im August 2,9 Prozent betrug, sei das Angebot unannehmbar.
Die NGG begründet ihre Forderung auch damit, dass Anfang dieses Jahres die Mehrwertsteuer auf alle Speisen in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent gesenkt worden ist. Die Hälfte der Mehreinnahmen daraus sollte den Beschäftigten zugutekommen, sagte die NGG-Vorständin. Am 11. September sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden.
Bei der Kundgebung in Köln sprechen unter anderem Isabell Mura, der Kölner DGB-Chef Witich Roßmann, Mark Baumeister, NGG-Referatsleiter Gastgewerbe, und Beschäftigte der Branche.
