Hunderte kleine Kröten hüpften am Wochenende zwischen die Beine von Flora-Besuchern. Der Influencer Joris Rudy äußerte Sorge.
Tiere „totgetrampelt“Flora erlebt hohen Andrang an Besuchern – und Babykröten
Ausgerechnet das Wochenende nach der Wiedereröffnung der Schaugewächshäuser in der Kölner Flora hatte sich eine große Menge junger Kröten zum Schlüpfen ausgesucht. Geschätzt viele Hundert Tiere hüpften munter durch den Botanischen Garten – allerdings zwischen die Beine der ebenfalls zahlreichen Besucher, die gekommen waren, um die neuen Häuser zu sehen. Der Influencer Joris Rudy, bekannt geworden mit dem Youtube-Survival-Format „7 vs. Wild“, hielt das Spektakel in einem Video fest und äußerte Sorge um die Tiere und Kritik am Umgang der Flora-Mitarbeitenden mit den Kröten.
Er wirft ihnen in seinem am Samstag auf Instagram veröffentlichten Beitrag vor, nicht ausreichend schnell auf die Situation reagiert zu haben. Mitarbeitende wie Besucherinnen und Besucher hätten sogar einige der vielen kleinen, wild umherhüpfenden Kröten „totgetrampelt“. Andere wiederum versuchten, die Kröten zu retten und ihnen von den Wegen zu helfen, so zeigt es das Video.

Hoher Besucherandrang zur Wiedereröffnung der Schaugewächshäuser in der Flora am Wochenende.
Copyright: Uwe Weiser
Die Stadt Köln teilte daraufhin mit, die Krötenwanderung im Botanischen Garten sei ein bekanntes, jährlich wiederkehrendes Naturphänomen. „Zum Schutz der Tiere stellen die Kolleginnen des Botanischen Gartens regelmäßig Warnbaken auf, die die Wanderwege der Kröten sicher abgrenzen.“ So eine Bake ist auch im Video zu sehen.
Die Tiere gezielt einzusammeln und woanders hinzubringen, haben die Mitarbeitenden des Botanischen Gartens aber nicht vor: „Da die Krötenwanderung ein natürlicher Prozess ist, steht ihr Schutz im Vordergrund. Auf ein Einsammeln und Umsetzen der Tiere wird jedoch verzichtet, da dies für die Kröten zusätzlichen Stress bedeutet und nicht zielführend ist“, teilte die Stadt weiter mit.
Man stehe im engen Austausch mit der Unteren Naturschutzbehörde, welche die Situation vor Ort am Montag begutachtet habe. Folgende „Sofortmaßnahmen“ seien ergriffen worden: Die Bodengitter der neuen Gebäude, die für die Kröten eine potenzielle Sturzgefahr darstellen, würden von den Mitarbeitenden des Botanischen Gartens engmaschig überprüft. Und bestehende Hohlräume und Löcher seien schnellstmöglich verfüllt worden, um gefährliche Fallen für die Tiere vollständig zu beseitigen.
Nabu nennt hunderte geschlüpfte Kröten „nicht ungewöhnlich“
Auch beim Kölner Stadtverband des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) hätten sich schon besorgte Menschen gemeldet, sagt Geschäftsführerin Brigit Röttering auf Anfrage. Sie bleibt aber gelassen. Sie sagt: „Wenn die Kröten einmal anfangen zu schlüpfen, kommt direkt eine ganze Menge. Bei hohem Andrang in der Flora bekommen das dann nur viele mit.“
Umweltschützer des Nabu helfen Kröten auch in Köln zur Wanderzeit über Straßen, vor allem im Frühjahr, meist zwischen Februar und April. Dafür bauen sie Schutzzäune entlang bestimmter Straßenabschnitte auf, vor denen sich die Tiere ansammeln, und tragen sie dann in Sammelbehältern sicher auf die andere Seite.
Wenn man jetzt auf eine kleine geschlüpfte Kröte trifft, sagt Röttering, gelte wie für alle Wildtiere grundsätzlich: „In Ruhe lassen.“ Bevor eine einzelne Kröte aber Schaden nimmt, spreche per se nichts dagegen, sie in der Hand ein paar Meter über die Straße zu tragen. (juh)
