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Arbeitslose in KölnDie Schere geht immer weiter auseinander

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Die Arbeitsagenturen raten dringend zu den angebotenen Aus- und Weiterbildungen.

Die Arbeitsagenturen raten dringend zu den angebotenen Aus- und Weiterbildungen. 

Die Zahl der Arbeitslosen bleibt in Köln stabil. Die Entwicklung bei Fachkräften und Ungelernten aber verläuft komplett unterschiedlich.  

Die gute Nachricht: Die Arbeitslosigkeit sinkt im August wieder, wenn auch nur leicht. 53.903 Menschen sind momentan in Köln arbeitslos gemeldet, die Quote liegt damit bei 8,8 Prozent - 0,2 Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr. Was die reinen Zahlen aber nicht hergeben: Es werden zwar immer mehr offene Stellen angeboten. Laut Johannes Klapper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Köln, aber zum größten Teil für gelernte Fachkräfte. „Diese Qualifikation bringt die Mehrzahl der Arbeitslosen nicht mit“, so Klapper. 

Das hat zwei Entwicklungen zur Folge. Zum einen, dass immer mehr Menschen ohne Ausbildung in die Langzeitarbeitslosigkeit abrutschen. Zum anderen, dass die Unternehmen keine geeigneten Kandidaten für die freien Stellen finden. Von 53.903 arbeitslos gemeldeten Personen suchen fast 30.000 einen Job auf Helferniveau, der ohne abgeschlossene Ausbildung ausgeübt werden kann. Dem stehen aber lediglich 1570 Arbeitsstellen für Ungelernte gegenüber. Anders sieht es bei den fast 15.000 arbeitslosen Fachkräften aus: Für diese Personengruppe sind rund 6000 freie Stellen gemeldet. Für Ungelernte wird die Lage damit immer prekärer, während Menschen mit guter Ausbildung auch gute Chancen haben. 

Es herrscht ein Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt.
Johannes Klapper, Agentur für Arbeit Köln

„An diesen Relationen merkt man schnell, dass ein Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt besteht. Es gibt zwar weiterhin Arbeitsplätze für Helfer. Diese konkurrieren aber mit vielen Bewerberinnen und Bewerbern um wenige Stellen. Fachkräfte mit abgeschlossener Ausbildung hingegen können sich den Job aussuchen. Deshalb werben wir unermüdlich für Qualifizierung“, sagt Klapper. Mit einigem Erfolg: Allein im August haben 400 Kölnerinnen und Kölner eine berufliche Weiterbildung begonnen.

Ausbildungsmarkt nicht im Lot

Auch der Ausbildungsmarkt ist nicht recht im Lot. 1356 Menschen suchen noch eine Ausbildungsstelle, über 60 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Auf der anderen Seite sind noch 1812 Stellen unbesetzt - gerade mal 3,7 Prozent mehr als 2022. Damit kommen auf eine Bewerberin oder einen Bewerber 1,3 freie Ausbildungsstellen. Insgesamt wurden der Arbeitsagentur bislang 5735 Ausbildungsstellen gemeldet, dem standen 4733 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber.

Im August wurden 3545 Menschen entlassen, 2,5 Prozent mehr als im Juli. 2753 Kölnerinnen und Kölner fanden einen neuen Job, 15 Prozent mehr als im Vormonat. Die Arbeitgeber meldeten im August rund 1500 neue Stellen, aktuell stehen rund 10.000 offene Stellen im Bestand. Nach Branchen gab es im letzten Quartal die stärkste Zunahme bei Immobilien, freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Am ungünstigsten war dagegen laut Agentur die Entwicklung bei der öffentlichen Verwaltung, Verteidigung, bei Sozialversicherungen sowie exterritorialen Organisationen und Körperschaften.


Vom 11. bis 29. September informieren die Arbeitsagenturen landesweit in fast 100 Veranstaltungen zu Berufen mit Zukunft, Engpassberufen, Chancen von Nachhaltigkeit und Energiewende, Wiedereinstieg nach Familienphasen, konkreten Fördermöglichkeiten und mehr. Alle Infos unter: www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-nrw/ihreberuflichezukunft