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Arbeitsmarkt in ZahlenFachkräftemangel zeigt sich auch in Köln deutlich

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Der Kölner Arbeitsmarkt zeigt sich weitgehend robust.

Die Agentur für Arbeit könnte wesentlich mehr Stellen vermitteln als Fachkräfte vorhanden sind. 

Der Kölner Arbeitsmarkt zeigt sich zwar robust, die Arbeitslosenquote konnte wieder leicht gesenkt werden. Allerdings schlägt der Fachkräftemangel immer gravierender durch.

Köln als rühmliche Ausnahme? Während die Arbeitslosigkeit in NRW saisonüblich steigt, sinkt sie in der Stadt. Schwach zwar, aber doch spürbar. Auch wenn die Quote in Großstädten wie Köln immer höher liegt als im Landesdurchschnitt, zeigt die Kurve nach unten. Die Nachfrage nach Arbeitskräften zeichne laut Johannes Klapper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kölner Agentur für Arbeit, speziell für Köln ein positives Bild. Sie sei in Köln im NRW-Vergleich am höchsten gestiegen. Das Problem: Es gibt weiterhin viel zu wenig Fachkräfte, viele Unternehmen können ihren Bedarf gar nicht mehr decken.

„Uns wurden im letzten Monat 44 Prozent mehr offene Stellen für Fachkräfte gemeldet als im Vormonat“, so Klapper. Die Diskrepanz zwischen Langzeitarbeitslosen mit wenig Perspektive auf Beschäftigung und gut qualifizierten Arbeitskräften, die sich ihren Job mehr oder weniger aussuchen können, scheint auf den ersten Blick also weiter zuzunehmen.

Das Problem Langzeitarbeitslosigkeit

Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht. Als langzeitarbeitslos gilt man, wenn man über ein Jahr keinen festen Job hat und damit in die Grundsicherung rutscht. Doch auch hier gibt es Fluktuation – viele Menschen finden aus der Situation wieder heraus und nehmen eine neue Arbeit auf. 24 031 Menschen waren im Februar langzeitarbeitslos gemeldet, fast 46 Prozent aller Arbeitslosen. Ein Fortschritt gegenüber 2022, da waren es noch 51,5 Prozent. 71 Prozent von ihnen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung, die restlichen hätten eine, die auch beim Arbeitsgesuch passend wäre. 65,7 Prozent suchen eine Beschäftigung als Helfer, 26,6 Prozent als Fachkraft.

Es gibt viele Möglichkeiten der Weiterbildung, sie sind ein Schwerpunkt im Förderprogramm der Arbeitsagentur. Zurzeit nehmen mehr als 7000 Kölnerinnen und Kölner an einer beruflichen Weiterbildung teil – anderthalb mal mehr als im letzten Jahr. „Das macht Hoffnung, dem Mangel an qualifiziertem Personal entgegenwirken zu können,“ sagt Klapper.

Die Kölner Wirtschaft braucht deutlich mehr Jugendliche, die mit einer Ausbildung ins Berufsleben starten. 
Johannes Klapper, Agentur für Arbeit Köln

Als entscheidend sieht er aber die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt an: „Bis jetzt haben sich knapp 3200 Bewerber gemeldet, mehr als im letzten Jahr, aber die Kölner Wirtschaft braucht deutlich mehr Jugendliche, die mit einer Ausbildung ins Berufsleben starten.“ Deshalb hat die Agentur unter anderem gerade die „Kölner Berufswochen“ ins Leben gerufen mit dem Ziel, jungen Menschen eine konkrete und realistische Zukunftsperspektive aufzuzeigen. Die Angebote sind auf der Homepage der Agentur zu finden.

Die meisten Arbeitgeber bieten längst unterschiedliche Modelle an, um ihre Stellen für Bewerber attraktiv zu machen. „Wenn wir so einstellen würden wie noch vor zehn Jahren, hätten wir gar keine Leute mehr“, sagte an anderer Stelle Michael Schaupp, Geschäftsführer der Pfeifer & Langen-Gruppe (Kölner Zucker und Diamant Zucker) stellvertretend für viele andere. Teilzeit, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice wenn möglich, Mobilitätszulagen, Hilfe bei der Wohnungssuche – all das bieten Unternehmen Kandidaten als Hilfestellung an. Doch es scheint oft nicht zu reichen.


Die Zahlen für Februar

Im Februar sank die Zahl der Arbeitslosen auf 52 374, die Arbeitslosenquote beträgt 8,6 Prozent und liegt damit leicht unter dem Januar. Im Vorjahr betrug sie 8,7 Prozent. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit beträgt 2305 Personen. 3260 Menschen wurden entlassen, 18 Prozent weniger als im Vormonat. 2716 fanden einen neuen Job, 36,7 Prozent mehr als im Januar. 8278 offene Arbeitsstellen waren gemeldet, darunter 2386 neue Jobs. Am stärksten nachgefragt sind Berufe aus der Lagerwirtschaft, der Post, der Zustellung und dem Güterumschlag. Neben den statistisch ausgewiesenen Arbeitslosen suchten 16 081 Menschen eine Beschäftigung, weil sie sich in einer Förderung befanden oder aus anderen Gründen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung standen. Die Unterbeschäftigung einschließlich arbeitslos gemeldeter Menschen beträgt im Februar in Köln 68 702.