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Kölner KunstexperteSo schätzt Christoph Bouillon den Wert von Kunstgegenständen ein

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Christoph Bouillon verfügt über 40 Jahre Erfahrung im Kunsthandel und Auktionswesen.

Christoph Bouillon verfügt über 40 Jahre Erfahrung im Kunsthandel und Auktionswesen.

Der Sachverständige für Kunst und Antiquitäten lädt zu kostenlosen Kunstberatungen im Museum für Angewandte Kunst Köln ein. 

Das wohl schönste – und zugleich wertvollste – Erlebnis in der Karriere von Christoph Bouillon war die Begutachtung eines Gemäldes, das seit Generationen im Weingut einer Familie hing. „Das war wirklich ein tolles Gemälde“, erinnert sich Bouillon. „Eine Ansicht von Venedig mit Blick auf den Markusplatz.“ Wie sich herausstellte, handelte es sich um ein lange verschollenes Gemälde des deutschen Romantikmalers Friedrich Nerly. So wurde es wiederentdeckt – und als bedeutender Fund eingeordnet. „Der Wert des Gemäldes liegt heute bei ungefähr 180.000 Euro“, so Bouillon.

Der Kölner ist Sachverständiger für Kunst, Antiquitäten und Schmuck. Als Glasexperte ist er in der TV-Sendung „Kunst + Krempel“ bei 3sat zu sehen, in der Kunstgegenstände fachkundig bewertet werden. Das Prinzip der Sendung bringt Bouillon nun in das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK), für dessen Förderverein, die Overstolzengesellschaft, er sich seit Jahren engagiert. An zwei Tagen lädt der Sachverständige dort zur kostenlosen Beratung von Kunstgegenständen ein. Besucherinnen und Besucher, die lediglich zuschauen möchten, sind ebenfalls willkommen.

Haptik spielt Rolle bei Einschätzung der Gegenstände

Bouillon verfügt über 40 Jahre Erfahrung im Auktionswesen und Kunsthandel. „Die Grundlage für die Einschätzungen ist meine Berufserfahrung“, erzählt er. „Ich habe jährlich 5000 bis 10.000 Objekte in der Hand.“ So bekäme er ein Gefühl für die Kunstgegenstände: „Ich kann bei geschlossenen Augen und einer Porzellantasse in der Hand durch das Gewicht sagen, von welcher Manufaktur die kommt“, sagt Bouillon. Haptik spiele eine große Rolle bei der Einschätzung. 

„Angefangen hat alles 1989“, erzählt Bouillon. Damals habe er bei der Westdeutschen Kunstmesse ausgeholfen – einer der bedeutendsten Kunstmessen der Bundesrepublik in der Nachkriegszeit und Vorläuferin der heutigen Art Cologne. Ein glücklicher Zufall, denn ursprünglich sei er lediglich als Krankheitsvertretung eingesprungen. „In der ersten Stunde habe ich direkt ein Bild für 20.000 Mark verkauft“, berichtet er lachend. Eigentlich habe er nur ein Wochenende helfen sollen, doch die Messe dauerte zwei Wochen – und so lange blieb er. Danach folgten Einsätze auf einer Münchner Messe und in einem Kölner Auktionshaus. „Da habe ich so viel Blut geleckt, dass ich das zu meinem Beruf machen wollte.“

Oft kämen Gäste mit Erbstücken oder Gegenständen, die „sie auf dem Dachboden entdeckt“ haben. „Manche wollen den Wert wissen, aber den meisten ist das gar nicht so wichtig“, erzählt er. Vielmehr spiele die Neugier eine Rolle. „Die meisten möchten Hintergrundinformationen zu ihren Objekten haben.“ Der Wert der mitgebrachten Stücke variiere stark. „An manchen Tagen kommen ganz unterschiedliche Sachen“, so Bouillon. Bei einer Veranstaltung seien auffallend viele Vasen der Porzellanmanufaktur Rosenthal begutachtet worden – Objekte, die unter Porzellanliebhabern als begehrte Sammlerstücke gelten. „Da kamen bestimmt zehn Stück hintereinander“, erzählt Bouillon. „Das war ganz erstaunlich.“


Das MAKK (An der Rechtschule 7) lädt Interessierte und Zuschauende am Samstag, 28. Februar, und Sonntag, 1. März, jeweils von 11 bis 17 Uhr zur Kunstberatung ein. Kunstgegenstände können im Original oder als Fotografie mitgebracht werden. Die Beratung ist kostenlos; Spenden für die Overstolzengesellschaft sind willkommen. Weitere Informationen gibt es online.